Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Impfgegner beschmiert an Heiligabend Schild an der Kirche

Die Heiligabendgottesdienste in der Wachenheimer Kirche verliefen problemlos.
Die Heiligabendgottesdienste in der Wachenheimer Kirche verliefen problemlos.

Bei den Heiligabendgottesdiensten in der protestantischen Kirche Wachenheim lief fast alles wie geplant. Nur impfkritische Schmierereien auf einem Schild zu den Corona-Regeln, die nach dem Gottesdienst um 17.30 Uhr entdeckt wurden, sorgten für Kopfschütteln.

„An Heiligabend haben sehr viele Menschen ihr Bestes gegeben“, lobt die Pfarrerin der Kirchengemeinde Wachenheim, Julia Heller, alle an den Gottesdiensten beteiligten Personen. „Es gab viele Unsicherheiten, aber das waren gelungene Gottesdienste.“ Die Situation rund um die Corona-Pandemie hatte bei den Vorbereitungen für Kopfzerbrechen gesorgt.

Umso ärgerlicher ist es daher, dass der Heiligabendgottesdienst um 17.30 Uhr nicht ohne Störung abgelaufen ist. Ein Mann habe sich am Eingang nach den Corona-Regeln in der Kirche erkundigt. „Sehr provokativ“, so Heller, habe sich der Mann, ein bereits bekanntes Gemeindemitglied, gegenüber dem am Eingang positionierten Kirchendiener verhalten. Im Gespräch soll dann auch der Begriff gefallen sein, der nach dem Gottesdienst mit Edding, zusammen mit „Diskriminierung“ und „Amen“, auf das Hinweisschild vor der Kirche gekritzelt worden war: „Impfnazis“.

Ungeimpfte willkommen

Dabei wäre der Zutritt auch für Ungeimpfte möglich gewesen. In der Wachenheimer Kirche gilt die 3G-Regel – also geimpft, genesen oder getestet. „Ich kann verstehen, wenn es an Weihnachten schwerer ist, an einen Test zu kommen“, sagt Heller. Dennoch hätte sich sonst niemand beschwert.

Drei Gottesdienste wurden am 24. Dezember gehalten. Eben der Gottesdienst um 17.30 Uhr, der auch auf der Webseite gestreamt wurde, um 15.30 Uhr und um 21.30 Uhr. „Es kamen auch viele Leute mit einem Testzertifikat“, berichtet Heller von vielen weiteren ungeimpften Gottesdienstbesucher, die sich nicht an den geltenden Regeln gestört hätten. „Wir haben eine große Kirche, da kann der Abstand eingehalten werden“, sagte Heller im RHEINPFALZ-Gespräch in der Woche vor den Feiertagen, als es um die Regeln für die Weihnachtsgottesdienste ging. 180 Plätze stünden auch mit eingehaltenem Mindestabstand zur Verfügung. „300 bis 350 Personen“, hätten die Gottesdienste am 24. Dezember besucht. Dabei sei nur der genannte Mann negativ aufgefallen.

Wohl Einzelfall

Auch über die Grenzen Wachenheims hinaus, scheint es sich bei dem geschilderten Vorfall um einen Einzelfall zu handeln. „Mir ist nichts bekannt“, sagt der Leiter der auch für Bad Dürkheim zuständige Polizeidirektion Neustadt, Harald Brock, auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Dass die Schmierereien eine Straftat darstellen, kann Brock ohne Weiteres nicht bestätigen. Bei Beschriftungen stünde neben Sachbeschädigung auch die Volksverhetzung im Raum. „Da kommt es dann aber auf den Inhalt an“, sagt Brock.

Schon 2020 kam es in der Wachenheimer Kirche zu einer Protestaktion von Impfgegnern. An Heiligabend lagen in Faltblättern mit geistlichen Texten auch ein Flyer, der nicht aus der Feder der Kirchengemeinde stammte. Die Polizei ordnete das Blatt damals als Werk von Corona-Leugnern ein, die darauf über die angeblichen Risiken der Corona-Impfung aufklärten. Wer die Flugblätter verteilt hatte, weiß Pfarrerin Julia Heller auch ein Jahr später nicht. „Die Kirche ist an Heiligabend offen“, jeder hätte daher Zugang zu den Faltblättern gehabt.

Für Heller ändert sich nach dem jüngsten Vorfall wenig. „Die Kirche bleibt weiterhin offen.“ Der beschmierte Aufsteller sei an Heiligabend entfernt worden. „Den können wir wahrscheinlich nicht mehr benutzen“, sagt Heller. Das Holz ist schließlich auch beschrieben worden. Aber der Blick auf die Weihnachtsfeiertage sei davon nicht getrübt. „Wir sind froh und dankbar, dass Weihnachten gefeiert werden konnte“, sagt die Pfarrerin.

Das beschmierte Hinweisschild am Eingang.
Das beschmierte Hinweisschild am Eingang.
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