Bad Dürkheim
Hochwasserschutz: Zwei Rohre und ein dicker Scheck
Beim Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach habe es bereits in den 1980er-Jahren Überlegungen zum Verbessern des Hochwasserschutzes im Einzugsbereich dieser beiden Gewässer gegeben, berichtete Martin Hebich. Der Frankenthaler Oberbürgermeister ist Vorsteher des Verbands. Anfang des Jahrtausends habe dieser zusammen mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd ein wasserwirtschaftliches Gesamtkonzept entwickelt, dessen Umsetzung rund 35 Millionen Euro kosten werde. Eine der beiden größten Maßnahmen betreffe die Hochwasserrückhaltung im Dürkheimer und Erpolzheimer Bruch. Dafür würden rund 17 Millionen Euro investiert.
Ein wichtiger Baustein der Hochwasserrückhaltung im Bruch sei die Hochwasserentlastung am Bahndamm, erklärte Habich. Durch die Rohre soll das Wasser von dessen West- auf die Ostseite fließen können. Das war ihm zufolge wegen des Bahndamms bisher nicht möglich, so dass es Rückstaus und Überschwemmungen gab.
Kosten geringer als geplant
Los ging es im April vergangenen Jahres, im Mai folgte der offizielle Spatenstich und im Dezember war bereits Schluss. Abgerechnet seien die Arbeiten jedoch erst jetzt und damit die Voraussetzung geschaffen, dass der Zuschuss aus Mainz gezahlt werden kann, erklärte Hans Peter Theiß, Geschäftsführer des Gewässerzweckverbands. Die Höhe des Zuschusses richte sich nämlich nach den tatsächlich angefallenen Kosten.
Die waren niedriger als veranschlagt, sagte Hebich und hob hervor: „Nicht immer wird es bei der öffentlichen Hand teurer.“ 1,88 Millionen Euro waren für die Durchpressung des Bahndamms und einige Nebenarbeiten eingeplant, die tatsächlichen Kosten betragen 1,78 Millionen Euro. Dass es billiger wurde, sei vor allem dem trockenen Sommer 2019 zu verdanken, erklärte Christian Pons, Bauleiter des Planungsbüros BGS aus Darmstadt. Denn so habe man wenig Grundwasser zurückhalten müssen. Zudem habe die Baufirma Sonntag aus Bingen gut gearbeitet, und es habe es keine Probleme mit dem Bahndammmaterial gegeben.
Meter für Meter kommt das Rohr
Trotzdem seien die Arbeiten schwierig und anspruchsvoll gewesen, und die notwendigen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn kompliziert, berichteten Habich und Pons. So durfte nur nachts gearbeitet werden. Ein Mitarbeiter der Baufirma entfernte dabei mit einer speziellen Maschine die Erde im Damm, und dahinter wurde Meter für Meter das Rohr in den Damm geschoben.
Die einzelnen Vorhaben zum Hochwasserschutz seien nur durch das Mitwirken vieler Partner möglich, sagte Hebich. So verteilen sich die Kosten, die das Land nicht übernimmt, auf die Mitglieder des Gewässerzweckverbands. Das Land könne nur dank der Einnahmen aus dem Wassercent einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent der Kosten zahlen, erläuterte Thomas Griese . Der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten überbrachte den Scheck. Nach seinen Angaben ist Rheinland-Pfalz mehr als andere Bundesländer vom Klimawandel betroffen und müsse deshalb auch mehr gegen dessen Folgen tun. Die Maßnahmen im Dürkheimer und Erpolzheimer Bruch seien nicht nur ein Beitrag zum Hochwasserschutz, sondern auch zur Renaturierung und damit zum Naturschutz, sagte Hebich. Denn hier sollten sechs Rückhalteräume mit einem Gesamtvolumen von 600.000 Kubikmetern Wasser geschaffen sowie die Isenach und mehrere Gräben renaturiert werden.
Die Vorarbeiten für den nächsten Bauabschnitt haben nach Pons’ Angaben bereits begonnen. Der Plan sieht vor, den Albert- und den Erlengraben zu renaturieren. Dafür sind 8,15 Millionen Euro einkalkuliert.