Kreis Bad Duerkheim „Hat nie Krisen gegeben“
Mit einem Menschen 65 Jahre lang verheiratet zu sein, ist für die meisten von uns aus verschiedenen Gründen unvorstellbar. Für Maria und Walter Kastner aus Wachenheim wird es heute Realität – sie feiern ihre Eiserne Hochzeit.
Am 30. August 1952 gaben sie sich das Ja-Wort und haben sich Treue geschworen, bis das der Tod sie scheidet. „Und da wollen wir uns auch dran halten“, sagt Walter Kastner, inzwischen 90 Jahre alt, und nickt seiner vier Jahre jüngeren Frau zu. Rund zwei Jahre vor ihrer Hochzeit lernte er Maria in Bad Dürkheim kennen und es war Liebe auf den ersten Blick. Damals leitete er die Filiale eines Lebensmittelmarkts in der Gaustraße, in dem auch Marias Bruder arbeitete. Maria war mit ihrer Familie als Heimatvertriebene aus dem Sudetenland gekommen und ihre Eltern fanden im Weingut im Odinstal, das damals zum Weingut Kuhn gehörte, Arbeit und Unterkunft. Dort oben wurde auch die Hochzeit gefeiert und hier wohnten sie die ersten Ehejahre gemeinsam mit den Schwiegereltern. 1960 bezogen sie dann ihr eigenes Haus in Wachenheim, in dem sie heute noch leben. Zwei Kinder haben die Kastners bekommen, eine Enkelin und sogar eine Urenkelin, die bald ihren dritten Geburtstag feiern wird. Ihr heute 64-jähriger Sohn, seit seiner Geburt schwerbehindert, arbeitet in der Dürkheimer Lebenshilfe. Ihre Tochter, diplomierte Soziologin, ist ihren Eltern eine große Stütze. „Sie kennt sich aus mit allem rund um die Behinderung und wir sind ihr sehr dankbar“, sagt Walter Kastner. Auf die Frage, ob es in ihrer langen Ehe Krisen gegeben habe, blickt sich das Paar stutzig an. „Nein, Krisen hat es nicht gegeben“, sagt er und seine Frau bestätigt es mit einem Nicken. Auch nicht, als er vor 23 Jahren in Rente ging. „Dann hatte ich endlich genug Zeit, meine Arbeit zu erledigen“, sagt Kastner und erklärt, dass er sich bis zum Ruhestand um die vier Morgen eigenen Wingert immer vor der Arbeit gekümmert hat. Gerne erinnern sie sich an ihre Urlaube in Italien. „Wir waren 25 Mal dort am Meer, vor über 20 Jahren das letzte Mal. Das war immer sehr gut für unseren Sohn. Er kann nicht gehen, aber mit einer Schwimmweste hat ihm das Meer immer gutgetan“, erzählt Walter Kastner. Dann wird er für einen Moment ernst: „Man kann die Leute nur dazu ermutigen, ein behindertes Kind anzunehmen, es zu lieben und es zu fördern.“ Den Alltag erleichtert den Kastners eine Haushaltshilfe, die ihnen natürlich auch heute zur Seite steht. Denn gefeiert wird die Eiserne Hochzeit heute daheim bei den Kastners mit Familie und lokaler Politprominenz. „Es wird anstrengend, aber wir freuen uns drauf“, sagen die Eheleute und lächeln sich an, wie man es wahrscheinlich erst nach über 65 Jahren gemeinsamen glücklichen Lebens tun kann.