Kreis Bad Duerkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Hassloch/Land: Imagekampagne gegen Nachwuchsmangel im Handwerk

Das Team der Firma Annweiler präsentiert sich im „Heldenkalender“.
Das Team der Firma Annweiler präsentiert sich im »Heldenkalender«. Foto: FREI/BÖRNEr

Mit Kalenderhelden und mehr Geld gegen Nachwuchsmangel? Das Ausbildungsjahr hat gerade begonnen, doch wieder bleiben auch in der Region Lehrstellen unbesetzt. Was die Kreishandwerkerschaft und ihre Mitgliedsbetriebe dagegen tun wollen.

„Wir haben hier immer noch ein Problem, weil wir bei der Vergütung nicht mit der BASF oder einer Bank mithalten können“, räumt Klaus Seiferlein, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südliche Weinstraße, ohne Umschweife ein, wenn er über die Attraktivität des Handwerks spricht.

Seiferlein rechnet für sein Zuständigkeitsgebiet Südpfalz-Neustadt und Bad Dürkheim mit etwa 450 neuen Ausbildungsverhältnissen. Als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft (KWH) Südpfalz mit den Städten Landau und Neustadt sowie den Landkreisen Bad Dürkheim, Südliche Weinstraße und Germersheim kümmert er sich um die Belange von knapp 900 organisierten Betriebe. Und die suchen Nachwuchs.

Aufschlag auf Vergütung

„Wir werden auch das Geld sprechen lassen“, kündigt er an. So gebe es mittlerweile beispielsweise im Fleischerhandwerk einen monatlichen Aufschlag auf die Ausbildungsvergütung. Und bei den Dachdeckern oder im Elektrohandwerk beispielsweise steht nach seinen Angaben ab dem neuen Lehrjahr ein Gehaltsaufschlag an. So verdienen nach Angaben der Kreishandwerkerschaft Dachdeckergesellen beispielsweise im ersten Lehrjahr ab 1. Oktober 2886 (aktuell 2804) Euro brutto, im zweiten 3045 (aktuell 2960) Euro.

Denn interessant für die angehenden Handwerker sei langfristig das, was im Berufsleben gezahlt wird. Hier will Seiferlein die Möglichkeiten, mit Weiterbildung voranzukommen, verbessern.

Wichtig sei in der Phase des Entscheidungsprozesses für die Berufswahl, das Signal, das Eltern und Schulen den jungen Leuten setzen: Immer noch münde die Unentschlossenheit bei der Berufswahl in einen längeren Schulbesuch. Doch das Handwerk könne eine Alternative sein. Deshalb setzen die Betriebe mittlerweile auf Schul- und Berufsmessen: „Wir müssen uns bei den jungen Leuten bewerben“, so Seiferlein.

„Aber Geld ist im Berufsleben nicht alles“, betont der Jurist Seiferlein. Punkten könne ein kleinerer Handwerksbetrieb etwa mit einem guten Betriebsklima, gewissen Freiheiten und Wertschätzung.

Vom Lehrling lernen

Wichtig sei auch ein gutes Image, das den Handwerksberuf attraktiver machen soll. „Der Handwerker, der im Winter die defekte Heizung oder das kaputte Dach nach einem Sturm repariert, der ist doch ein Helfer, eigentlich ein Held“, so Seiferlein. Hier setze auch die neue Kampagne an, die die Kreishandwerkerschaft zur Nachwuchswerbung einsetzt: Ein Baustein ist ein Kalender, der Schreiner oder Elektriker in Szene setzt. Die Werbung orientiert sich an den mittlerweile verbreiteten Feuerwehrkalendern. Seiferlein appelliert darüber hinaus an die Handwerksbetriebe, aktiv zu werden: „Wir müssen selbst ausbilden, um qualifizierten Nachwuchs in die Betriebe zu bekommen“, sagt er.

Das allerdings ist leichter gesagt als getan. Peter Busching beispielsweise, der einen Stuckateur-Betrieb in Haßloch leitet, hat vor drei Jahren zum letzten Mal ausgebildet. Seither hat er niemanden mehr gefunden. „Es haben sich zwar ein paar Leute gemeldet, aber die hatten zu schlechte Zeugnisse“, sagt er. In früheren Jahren habe er durchaus probiert, auch solchen Leuten eine Chance zu geben. Die Erfahrungen seien allerdings überwiegend negativ gewesen. Das größte Problem ist seiner Meinung nach die fehlende Unterstützung des Elternhauses. „Wenn die Eltern nicht hinterher sind, klappt es nicht“, sagt er. Busching sieht auch keine Tendenz hin zu einer Verbesserung der Lage. Im Gegenteil. „In diesem Jahr hat sich nicht ein einziger Interessent gemeldet.“

Anderen Kollegen geht es ähnlich. Der Stuckateur-Betrieb Funk aus Maikammer hat 2010 zum letzten Mal ausgebildet. „Wenn ich auf eine Ausbildungsmesse gehe, sagen alle, dass sie studieren wollen“, sagt xxx Funk.

Auf der Internetseite der Kreishandwerkerschaft finden sich etliche Betriebe, die sofort Auszubildende einstellen würden. Aus Haßloch und Maikammer sind es jeweils fünf, aus Deidesheim zwei, aus Lambrecht vier.

Der Stuckateurbetrieb Fink arbeitet zurzeit auf einer Baustelle in St. Martin, hier Marc Busch (vorne) und Andreas Funk.
Der Stuckateurbetrieb Fink arbeitet zurzeit auf einer Baustelle in St. Martin, hier Marc Busch (vorne) und Andreas Funk. Foto: Mehn
Mehr zum Thema
x