Deidesheim
Grundstücke: Hohe Preise stehen für hohe Nachfrage
In welche Richtung geht die demographische Entwicklung?
Die Zahlen in der Verbandsgemeinde sind stabil beziehungsweise leicht ansteigend. Heute leben hier 11.954 Menschen, vor fünf Jahren waren es 11.903, vor zehn Jahren 11.705. Der Anteil der Ausländer liegt laut Statistischem Landesamt bei 6,6 Prozent, das ist weniger als bei Verbandsgemeinden gleicher Größenordnung (8,7). Bei der Entwicklung gibt es leichte Unterschiede zwischen den Gemeinden. Den deutlichsten Anstieg seit 2012 verzeichnet die Gemeinde Meckenheim, nämlich um 164 auf jetzt 3522. In Deidesheim leben heute 3816 Menschen, 66 mehr als 2012. In Niederkirchen liegt die Zahl heute mit 2348 höher als vor zehn Jahren (2313), aber niedriger als vor fünf Jahren. Ganz leicht rückläufig ist auch die Zahl in Ruppertsberg (von 1461 auf 1457). Forst hat im Vergleich zu 2012 ebenfalls leicht verloren (von 823 auf 811), im Vergleich zu 2017 sind die Zahlen aber stabil geblieben. Nach Einschätzung von Verbandsbürgermeister Peter Lubenau (CDU) wäre der Zuzug höher, wenn es mehr Grundstücke beziehungsweise Bauplätze gäbe. „Die Preise sind noch immer sehr hoch, das zeigt, dass die Nachfrage groß ist“, so Lubenau. In Planung seien derzeit Baugebiete in Deidesheim (D5 und D8, wobei in puncto D8 noch keine Entscheidung gefallen ist) und in Meckenheim (M7). Darüber hinaus soll in Ruppertsberg eine kleine Fläche in der Nähe des Sportplatzes hinzukommen. Insgesamt sei die Verbandsgemeinde in ihrer Entwicklung eingeschränkt, erklärt Lubenau. „Nur die Stadt Deidesheim ist in der Regionalplanung als Grundzentrum eingestuft und hat damit etwas bessere Möglichkeiten.“
Wie gut ist die Nahversorgung?
Deidesheim hat als Grundzentrum eine Funktion auch für die vier kleineren Gemeinden. „Hier ist eigentlich alles da“, sagt Lubenau: vom Einkaufsmarkt Wasgau über Lidl und Aldi bis hin zur Drogeriekette Rossmann und einer Reihe von Einzelhandelsgeschäften. Meckenheim als zweitgrößte Gemeinde hat einen Netto vor Ort und zwei Bäcker. „Die Metzgerei dort ist leider weg“, so Lubenau. Dafür haben Niederkirchen und Ruppertsberg Metzgereien. In Niederkirchen ist 2022 aber eine Bäckerei geschlossen worden. Die beiden kleinen Gemeinden, Forst und Ruppertsberg, haben Dorfläden, die freilich eingeschränkte Öffnungszeiten haben. Eine große Bedeutung, weit über die Verbandsgemeinde hinaus, haben außerdem die Hofläden, die vor allem in Meckenheim in recht großer Zahl vorhanden sind.
Wie ist der Zustand der Schulen, wo gibt es Investitionsbedarf?
In Meckenheim ist die Frage, ob die Schule, die aus den 1950er Jahren stammt, saniert oder neu gebaut wird, noch nicht geklärt. Lubenau macht kein Hehl daraus, dass er sich derzeit einen Neubau „nur schwer vorstellen“ kann. Unabhängig von dieser Grundsatzfrage soll eine Lüftungsanlage eingebaut werden. Das sei jedoch keine Vorentscheidung in Bezug auf die Frage Neubau/Sanierung, so Lubenau.
Die Niederkirchener Schule besteht aus zwei Teilen, der südliche, zweistöckige Teil wird derzeit saniert. Zwei Schulklassen sind deshalb ausgelagert und werden im alten Rathaus unterrichtet. Lubenau: „Das funktioniert ganz gut.“ Bis Mitte nächsten Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Schultrakt wird dann auch eine Lüftungsanlage haben.
In Deidesheim haben die vorbereitenden Arbeiten für den Einbau der Lüftungsanlage begonnen, Anfang nächsten Jahres sollen sie abgeschlossen werden. Der Schulbetrieb läuft unterdessen weiter. Der Gesamtzustand der Schule sei, von kleineren Punkten abgesehen, in Ordnung, so Lubenau. Eine Dämmung der Außenfassade komme bei dem Gebäude nicht in Frage, da es unter Denkmalschutz stehe.
Den Kauf von mobilen Lüftungsgeräten hält Lubenau auch im Rückblick für richtig, da in diesem Winter noch nirgends eine fest installierte Anlage in Betrieb sei. Im Anschluss könnten die mobilen Geräte in anderen Gebäuden eingesetzt werden, beispielsweise in den Bürgerhäusern.
Wie steht die Verbandsgemeinde finanziell da?
Laut Lubenau kommt die Verbandsgemeinde beim neuen kommunalen Finanzausgleich „sehr schlecht weg“. „Die Finanzsituation wird sich verschlechtern.“ Um Kosten zu sparen, schränkt die Verwaltung Leistungen ein. So wird die Kfz-Zulassungsstelle geschlossen. Es ist aber weiterhin möglich, im Bürgerbüro ein Fahrzeug innerhalb des Kreises umzumelden. Außerdem werden die Öffnungszeiten des Bürgerbüros reduziert. Die Verwaltung hofft, durch die Maßnahmen eine halbe Stelle einsparen zu können. Stärker zur Kasse gebeten werden ab August 2023 Eltern, deren Kinder die betreuende Grundschule besuchen. Die Gebühren steigen auf 25 Euro monatlich pro Betreuungsstunde. Die Preise der Musikschule steigen ebenfalls – um zehn Prozent.
Gibt es freie Gewerbeflächen? Und wie ist die Nachfrage?
Die beiden geplanten Baugebiete M7 (Meckenheim) und D8 (Deidesheim) sind Mischgebiete. Dort ist also auch nicht störendes Gewerbe möglich, ebenso in dem geplanten kleinen Baugebiet in Ruppertsberg, so Lubenau. Eine Fläche gebe es darüber hinaus noch beim Lidl-Markt in Deidesheim. Diese sei derzeit jedoch noch nicht in der Planung und werde in der Erschließung aufgrund der Topographie „wahrscheinlich sehr teuer“. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen sei „relativ groß“, so Lubenau. Er betont, dass es sich in jedem Fall um nicht störendes Gewerbe handele, etwa um Handwerksbetriebe, nicht um produzierendes Gewerbe.
Wie hat sich der Tourismus 2022 entwickelt, und wie ist die Prognose für 2023?
Die Saison ist in der Urlaubsregion Deidesheim nach Einschätzung der Tourist Service GmbH gut gelaufen, sowohl in der Hotellerie als auch in der Gastronomie. Es gebe allerdings große Herausforderungen: der Personalmangel, die steigenden Lohnkosten, die allgemeinen Preissteigerungen, vor allem im Energiesektor, und die Verunsicherung aufgrund der Pandemie. Ein großer Unsicherheitsfaktor sei darüber hinaus der Krieg in der Ukraine, so die Tourist Service GmbH. Positiv sei, dass Weinfeste und Veranstaltungen wie der Deidesheimer Advent wieder stattfinden könnten. Ein wichtiges Thema sei die Nachhaltigkeitsstrategie, darüber hinaus werde verstärkt an einer Verbesserung der Barrierefreiheit gearbeitet. Dazu gehörten beispielsweise die barrierefreien Radwege und die barrierefreien Rundwege in Deidesheim.