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Nachklapp: Von Kirchenbauprojekten einst und jetzt

Eine frühe Kindheitserinnerung: Der kleine Gerd-Uwe hockt vor einer Persil-Tonne, kann aber auch Dash gewesen sein, jedenfalls vor einem Eimer in Ausmaßen fast so groß wie er selbst. Falls sich Nachgeborene in einem Wald von Fragezeichen befinden sollten: Waschmittel kauften die Menschen der 60er-Jahre oft in Dimensionen von mindestens fünf Kilo fassenden Riesen-Tonnen. Und war das Waschpulver verbraucht, wurden die leeren Behältnisse gerne zum Aufbewahrungsort von Spielzeug umfunktioniert.

In meinem Falle war die Tonne – zumindest in der verblassenden Erinnerung – bis obenhin gefüllt mit Lego-Steinen. Freilich nicht mit hochtechnisierten und hypermodernen Bausätzen aus dem Lego-Universum des Jahres 2021. Sondern mit den klassischen genoppten, hauptsächlich roten und weißen Klemmbausteinen, die es beim legendären Spielwaren Riebel in der Neustadter Hauptstraße zu kaufen gab.

Zugegeben: Ein großer Baumeister war schon der kleine Gerd-Uwe nicht, das zeichnete sich wohl damals schon ab. Denn der ambitionierte Versuch, die Neustadter Stiftskirche im Kleinformat nachzubauen, scheiterte der Erinnerung nach kläglich an Konstruktionsproblemen und vor allem an Materialknappheit, je weiter die Kirchtürme nach oben wuchsen. So voll scheint die Tonne dann doch nicht gewesen zu sein.

Schwierigkeiten dieser Art haben die Initiatoren der Turmbau-Aktion am heutigen Samstag auf dem Haßlocher Rathausplatz hoffentlich nicht. Der Kirchturm der Christuskirche soll dort mit Lego-Steinen errichtet werden, die für einen Spendenbetrag vorher gekauft werden können. Mit dem Erlös wird die Sanierung des Turmraums in der Christuskirche unterstützt. Die Turm-Initiative, die protestantische Kirchengemeinde und die evangelischen Kitas organisieren die Aktion, bei der jeder mitmachen kann.

Damit es am Ende im wahrsten Sinne eine „Groß’ Kerch’“ wird, wie die Christuskirche im Volksmund heißt, bedarf es natürlich mehr als eine Persil-Tonne voller Lego-Steine. Die Organisatoren haben jedenfalls fleißig Kunststoff-Klötzchen gesammelt und hoffen auf rege Beteiligung.

Für den Turmbau gibt es ja berühmte Vorbilder: So ist 1996 bei einer Spendenaktion für die Sanierung die Dresdener Frauenkirche aus einer halben Million Lego-Steinen nachgebaut worden. 500.000 Klötze waren auch nötig für den höchsten Lego-Turm der Welt am dänischen Stammsitz des Unternehmens in Billund: 36 Meter. Viel Luft nach oben ...

Ganz so hoch hinaus wird es heute in Haßloch sicherlich nicht gehen. Gerne hätte ich ja meine Lego-Steine für die Aktion spendiert. Aber um ehrlich zu sein: Ich habe sie wohl irgendwann ganz schnöde mit einem Schulfreund getauscht – gegen ein paar Matchbox-Autos.

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