Hassloch
Gottesdienst im Haßlocher Autokino
„Es soll ein Gottesdienst sein, der Kraft und Energie schenkt“, hatte Friedrich Schmidt-Roscher, Pfarrer der protestantischen Kirchengemeinde Haßloch, im Vorfeld versprochen. Er hatte diese in Deutschland noch etwas außergewöhnliche Aktion ins Leben gerufen, um all jenen die Möglichkeit zur Teilnahme an einer christlichen Feier zu geben, die sich aus Sorge um ihre Gesundheit und die ihrer Mitmenschen noch nicht wieder in die Kirche trauen.
„Ein Gottesdienst im Autokino.“ Dieser Gedanke sei ihm sofort durch den Kopf geschossen, als er in der gottesdienstlosen Zeit in der RHEINPFALZ gelesen habe, dass nach Ostern auf dem Parkplatz des Holiday-Parks ein Autokino eröffnet werde, erzählt Schmidt-Roscher. Er habe gleich den Betreiber kontaktiert. „Der war sehr freundlich, sehr hilfsbereit“, betont er. Frohen Mutes habe er so Partner in Iggelheim, Böhl, Mußbach und Wachenheim gefunden. Die Besucher nähmen das Angebot dankbar an. „Es ist doch schön, dass wir hier gemeinsam feiern können“, sagt eine Frau, die mit Mundschutz aus dem Auto steigt, um sich vorher noch kurz die Füße zu vertreten. Ein Mann führt einen Hund spazieren, Kinder spielen. Und alles mit dem gebührenden Abstand.
Um die 100 Autos
Darauf achten schon beim Anfahren des Parkplatzes penibel viele Helfer, die auch noch einmal darauf hinweisen, auf welcher Radiofrequenz der auf der Großleinwand gezeigte Gottesdienst zu hören ist. „Die müssen Sie manuell einstellen“, erklären sie auf Nachfrage, und auch, dass die Wagenlenker mit der Lichthupe um Hilfe blinken können, wenn es denn Probleme geben sollte. „Ich bin zufrieden“, sagt Schmidt-Roscher mit einem Blick über den Parkplatz, auf dem um die 100 Autos stehen. Seine Kollegen und eine Kollegin sitzen derweil noch im Schatten und wirken in ihren Talaren „wie große Pinguine“, findet eine Besucherin. „Ja, darunter ist es warm“, räumt Schmidt-Roscher ein, „aber mit den Talaren wollen wir auch unsere Zusammengehörigkeit zeigen. Das muss jetzt erstmal sein.“
„Herzlich willkommen“ heißt die Besucher kurz darauf Pfarrer Arnd Schnörr aus Mußbach. Mit kurzem Hupen grüßen seine Gemeindemitglieder, ebenso halten es die Schäfchen von Markus Diringer aus Böhl, von Boris Wagner-Peterson aus Iggelheim, von Julia Heller aus Wachenheim und Teilnehmer aus Haßloch. Selbst aus Bad Dürkheim und Grünstadt sind Gläubige angereist.
Selbst Kollekte erfolgt mit Abstand
Der „Tankstopp für die Seele“ soll Kraft spenden. Er ist eine moderne, der derzeitigen Situation sehr gut angemessene Form, einen Gottesdienst zu gestalten. An den alten Inhalten rüttelt niemand, aber sie kommen in einer neuen, frischen Form daher. Arnd Schnörr beispielsweise hat für die Lesung aus Psalm 85 die Übersetzung des Kabarettisten und Querdenkers Hanns-Dieter Hüsch gewählt, die Predigt halten Friedrich Schmidt-Roscher und Julia Heller als einen munteren Dialog, der schwungvoll den weiten Bogen von verschiedenen Fortbewegungsmitteln bis zu angestrebten Zielen spannt und dabei geschickt einflicht, welche Botschaft Gott für die Menschen gerade in dieser Zeit bereithält.
Modern sind auch die Lieder, die die Gruppe Eckstein mitgebracht hat. Da darf mitgesungen werden, und das ganz ohne Mundschutz. Die Texte werden auf die Leinwand projiziert. Selbst die Kollekte wird mit Abstand eingesammelt. Mitglieder des Presbyteriums und des Gemeindeverbands halten den Autofahrern für die Opfergaben Fischernetze an langen Stäben entgegen. Zwei Drittel der Kollekte ist für die Weltmission bestimmt, ein Drittel zur Finanzierung des Auto-Kino-Gottesdienstes.