Wachenheim
Gesperrte B271: Ende der Zumutung in Sicht
Das war schon sehr kritisch, was sich hier immer wieder abgespielt hat“, berichtet Bettina Eberle von der Konditorei Zuggerschnud. Sie kann aus ihrer Backstube die im Stau stehenden Autos gut beobachten. Sie könne nur hoffen, dass niemand einen Krankenwagen gebraucht hat. Von der Luftverschmutzung wolle sie erst gar nicht sprechen.
Domenico Alaimo, der auf der gegenüberliegenden Seite der Weinstraße eine Eisdiele betreibt, hat zwei- bis dreimal täglich immer dann kritische Situationen verfolgt, wenn sich zwei Lkw im Bereich des Kirchplatzes begegneten. „Ich habe aber auch viele neue Kunden gewonnen, die vor meiner Eisdiele geparkt haben, um sich ein Eis schmecken zu lassen“, sagt er augenzwinkernd. Allerdings sei es für die Leute nicht leicht gewesen, sich wieder auf der Straße in den Verkehr einzuordnen.
„Katastrophale Verkehrssituation“
Markus Manz vom Weingut Manz spricht von einer „katastrophalen Verkehrssituation“ und kann nicht verstehen, warum in den letzten Wochen die Umleitungsrouten in beiden Richtungen durch Wachenheim geleitet wurden. Da hätte es bestimmt Alternativen gegeben. „Mir ist auch unverständlich, warum die Ampelschaltung nicht optimiert wurde. Man hätte wieder, wie es früher war, den Gegenverkehr zulassen und nicht die Abbieger bevorzugen müssen.“ Aus seiner Sicht seien die vom Landesbetrieb Mobilität Speyer (LBM) geplanten Umleitungsstrecken für die Gewerbetreibenden in Wachenheim von großem Nachteil gewesen. „Die Leute waren so genervt, wollten einfach nur durchkommen und hatten irgendwie nicht mehr die rechte Lust einzukaufen“, sagt Manz.
Heike Kuhly vom Sektschloss konnte für ihren Betrieb keine großen Nachteile ausmachen. „Allerdings haben sich viele Gäste gewundert, dass solch eine Baumaßnahme ausgerechnet in der Reisezeit durchgeführt werde“, sagt Kuhly. Beschwerden gab es auch, denn die Leute hätten teilweise nur unter Schwierigkeiten die Wein- und Sektstadt erreicht. Reiner Eitel, wohnt direkt an der Weinstraße und spricht von einer „unschönen Situation“. „Meine Frau arbeitet in Seebach und muss seit Wochen eine halbe Stunde früher aus dem Haus. Außerdem ist die Luft unerträglich.“
„Absolute Zumutung“ für Fußgänger
Christiane Beckmann spricht von einer „absoluten Zumutung“ für die Fußgänger. „Gerade die Älteren haben es schwer, die Straße am Marktplatz zu überqueren“, sagt die Wachenheimerin. Die Situation sei für solch einen kleinen Ort und die Gastronomie unzumutbar. Fabian Lais wohnt direkt am Kreisel am Ortsausgang in Richtung Bad Dürkheim. Er beklagt die hohe Lärmbelastungen, da viele Verkehrsteilnehmer richtig Gas geben würden, wenn sie denn das Nadelöhr Wachenheim überwunden hätten und ihre Fahrt in Richtung Kurstadt ungehindert fortsetzten könnten. „Der Abschnitt zwischen den beiden Kreisverkehren mutiert dann regelrecht zu einer Rennstrecke“, berichtet Lais. Ein weiteres Problem sieht er darin, dass es kaum möglich sei, den Übergang zwischen den zwei Wirtschaftswegen in unmittelbarer Nähe des Kreisverkehres gefahrlos zu passieren. „Wenn die Autos aus dem Kreisverkehr herausgeschossen kommen, hat man nur selten eine Chance, um auf die andere Straßenseite zu gelangen“, berichtet der Vater einer dreieinhalbjährigen Tochter.
Das sagt die Stadt
Marc Weigel vom Wachenheimer Ordnungsamt berichtet, dass am Ende der Ortsdurchfahrt Geschwindigkeiten gemessen wurden. Allerdings ohne „erschreckende Ergebnisse“. Dringender Handlungsbedarf hätte also nicht bestanden. Dennoch bestätigt Weigel, dass die Verkehrsteilnehmer nach dem Kreisel „schon gehörig Gas geben“. Allerdings sei eine Querung der Straße zwischen den Wirtschaftswegen nicht zwingend nötig, da es innerorts in Höhe des Rewe-Marktes eine Querungshilfe gebe. Deshalb, so vermutet der Chef des Ordnungsamtes, werde der LBM, der für die Landesstraße zuständig sei, nicht jedem eine Querung anbieten.
Auch Weigel ist erleichtert, dass die Stadt ab Mittwoch wieder zur Normalität zurückkehren kann. „Uns haben in den letzten Monaten viele Beschwerden der Bürger erreicht. Vor allem dann, wenn neue Bauabschnitte neue Umleitungsstrecken durch Wachenheim erforderlich gemacht haben“, sagt Weigel. Vom LBM sei bei jeder Baumaßnahme der Vorrang der Ampel neu konfiguriert worden, sodass der Verkehrsfluss einigermaßen gewährleistet werden konnte.
Bedeutung der Umgezungsstraße klar geworden
Dass die Belastungen für Wachenheim enorm waren, will Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) nicht schönreden. „Dabei zeigt sich, wie wichtig die B271 als Umgehungsstraße für Wachenheim ist“, erklärt Bechtel. Beschwerden seien hauptsächlich von Bewohnern der Weinstraße und von Bürgern gekommen, die das unerlaubte Befahren der Wirtschaftswege als Ausweichstrecken beobachtet hätten. Dem sei man aber mit Kontrollen begegnet. Dass die Belastungen durch die Vollsperrung der B271 in Kürze vorbei sein werden, hat auch er mit großer Erleichterung zur Kenntnis genommen, zumal die neue Anschlussstelle zahlreiche Gefahrensituationen minimieren werde.