Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinschaftshaus: Sorgenkind aus Beton

In den 1970er-Jahren gebaut: das Gemeinschaftshaus in Lambrecht.
In den 1970er-Jahren gebaut: das Gemeinschaftshaus in Lambrecht.

Wie geht es mit dem Gemeinschaftshaus in Lambrecht weiter? Darüber hat der Stadtrat abgestimmt. Warum Stadtbürgermeister Andreas Ohler dabei mit seiner Meinung allein stand.

Die Zukunft des Gemeinschaftshauses ist ein Thema, das die Mitglieder des Lambrechter Stadtrats immer wieder beschäftigt. Im Februar 2023 hatte die Mehrheit der damaligen Ratsmitglieder beschlossen, dass zwei Jahre lang nur die „notwendigsten Sanierungsarbeiten“ erledigt werden und dann erneut über die Zukunft des Sorgenkinds aus Beton gesprochen werden soll. Pünktlich nach zwei Jahren hatte die FWG einen entsprechenden Antrag gestellt, der in der jüngsten Sitzung des Stadtrats, bei der etwa 20 Zuhörer waren, ebenso auf der Tagesordnung stand, wie der diesjährige Wirtschaftsplan der Gemeinschaftshaus GmbH.

Für das Gemeinschaftshaus stünden Arbeiten an, die über die „notwendigsten Sanierungsarbeiten“ hinausgehen, informierte die FWG-Fraktionsvorsitzende Christine Klein, die eine der beiden Geschäftsführerinnen der Gemeinschaftshaus Lambrecht GmbH ist. Auf Frage von Robert Westerberger (CDU) sagte Klein, dass die Arbeiten etwa 80.000 bis 90.000 Euro kosten werden. Es sei nur dann sinnvoll, dieses Geld auszugeben, „wenn das Gemeinschaftshaus dauerhaft erhalten werden soll und nicht, wie oftmals schon zu hören war, abgerissen wird“, so Klein. Das ging in Richtung Bürgermeister Andreas Ohler (CDU), der mehrfach vorgeschlagen hat, das Gemeinschaftshaus abzureißen und am Standort eine Kindertagesstätte mit einem Saal für Veranstaltungen zu bauen.

Als anstehende Arbeiten nannte Klein die Fortführung der Betonsanierung, die Erneuerung der Eingangstür zur Gaststätte sowie der Fenster der Wohnung im Gemeinschaftshaus. Auch seien für die Säle neue Stühle und Tische erforderlich. Die Beigeordnete Tanja Bundenthal-Beck (FWG), die ebenfalls Geschäftsführerin der Gemeinschaftshaus GmbH ist, sagte, dass auch in den kommenden Jahren regelmäßig Sanierungsarbeiten an dem in den 1970er-Jahren errichteten Gebäude erforderlich sein werden. Notwendig wäre auch eine „energetische Sanierung, doch die ist unbezahlbar“, so Bundenthal-Beck.

„Abriss mit allen Kräften verhindern“

Westerberger forderte einen Investitionsplan für die kommenden fünf bis zehn Jahre, „damit wir wissen, was auf uns zukommt“. Es sei nicht sinnvoll, „den kompletten Gewinn der Stadtwerke in Beton zu stecken“. Ein wesentlicher Teil des Gewinns der Lambrechter Stadtwerke geht jährlich an die Gemeinschaftshaus GmbH.

Die Grünen wollten den Abriss „mit allen Kräften verhindern“, sagte die Fraktionsvorsitzende Eva Ockenfuß-Boese. Abriss und Neubau würden im Endeffekt nicht billiger als der Erhalt des Gebäudes. Zudem hätten sich die Investitionen der vergangenen Jahre nicht gelohnt, wenn das Haus nun abgerissen wird. Er habe in der Vergangenheit gesagt, dass das Gemeinschaftshaus abgerissen werden soll, erinnerte SPD-Fraktionsvorsitzender Maximilian Henrich. Er habe nach wie vor Zweifel, ob das Gebäude langfristig zukunftsfähig ist, doch zumindest für die nächsten Jahre sollte man es erhalten und notwendige Investitionen tätigen.

Dirk Hedtke (BSW) betonte, dass er „auf Biegen und Brechen“ das Gemeinschaftshaus erhalten wolle. Die Lambrechter würden mit den Kosten für Strom und Gas für das Haus zahlen, „aber dafür haben sie auch etwas“. Hedtke forderte, „am Gemeinschaftshaus festzuhalten und nicht ständig darüber zu diskutieren“. „Wir haben vor zwei Jahren nicht gewusst, wohin die Reise geht, und wir wissen es immer noch nicht“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Nowotny.

Gesprochen wurde auch über die Nutzung des Gemeinschaftshauses. Der TSV, der Sanitärräume in dem Gebäude hat, habe mitgeteilt, dass seine Existenz ohne diese Räume gefährdet wäre, so Bundenthal-Beck. Das Fasnachtskomitee „Die Lambrechter Gäsböck“ benötige das Gemeinschaftshaus für seine Prunksitzungen, so Maximilian Henrich, der Vize-Präsident der „Gäßböck“ ist.

Erfolglose Pächtersuche

Ohler erinnerte daran, dass die Geschäftsführerinnen den Auftrag hatten, sich nach einem Pächter für die Säle umzuschauen. Ockenfuß-Boese plädierte dafür, auch einen neuen Pächter für die Gaststätte zu suchen, sie sei mit dem jetzigen nicht zufrieden. Letzterem widersprach Hedtke. Klein und Bundenthal-Beck berichteten, dass ihre Suche erfolglos gewesen sei. Interesse hätten nur Organisatoren von türkischen Hochzeiten und ähnlichen Veranstaltungen. Die wären mit erheblichen Beeinträchtigungen der Nachbarn verbunden.

Zumindest die finanzielle Situation der Gemeinschaftshaus GmbH habe sich deutlich gebessert, so Henrich. Wie aus dem Wirtschaftsplan 2025 hervorgeht, wurden die Schulden, die Ende 2020 knapp 1,3 Millionen Euro betragen haben, auf etwa 545.000 Euro reduziert. 2025 ist bei Erträgen von etwa 523.500 Euro ein Gewinn von etwa 140.000 Euro vorgesehen. Der Wirtschaftsplan wurde einstimmig gebilligt.

Ohler regte an, die Entscheidung über die Zukunft des Gemeinschaftshauses zu verschieben, fand dafür aber keine Zustimmung. Daraufhin machte er den Vorschlag, darüber abzustimmen, dass „der Rat sich den Erhalt des Gemeinschaftshauses wünscht“. „Das ist mir zu dünn“, widersprach Klein. „Der Rat hält für fünf Jahre am Gemeinschaftshaus fest“, so der Beschluss, dem alle Ratsmitglieder zustimmten, nur Ohler votierte dagegen.

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