Lambrecht RHEINPFALZ Plus Artikel Andreas Ohler: Widerstand gegen Abriss des Gemeinschaftshauses ist groß

Das Gemeinschaftshaus ist Lambrechts größtes Sorgenkind.
Das Gemeinschaftshaus ist Lambrechts größtes Sorgenkind.

Interview: Das Wahlkampf-Motto des neuen Lambrechter Stadtbürgermeisters Andreas Ohler (CDU) war „Lambrecht kann mehr“. Im Gespräch mit Kathrin Keller erklärt er, was genau er nun verbessern will, und wie er dabei vorgeht.

Herr Ohler, wie geht es Ihnen nach den ersten Monaten im Amt?
Es ist alles sehr turbulent. Ich bin doch überrascht, wie sehr das Tagesgeschäft mich in Anspruch nimmt.

Was genau belastet Sie besonders?
Es gibt einfach viele Termine. Heute zum Beispiel war es eine Begehung der Kindertagesstätte zum Thema Arbeitssicherheit. Das war in der Sache unproblematisch, wir haben da eine tolle Leitungskraft. Aber es kostet eben Zeit.

Die Zusammensetzung des Stadtvorstands ist nicht so, wie Sie sich das erhofft hatten. Wie klappt die Zusammenarbeit?
Es ist kein Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen der Beigeordneten Tanja Bundenthal-Beck und mir nicht ganz einfach ist. Mit meiner Ersten Beigeordneten, Martina Wode-Buser, läuft es jedoch sehr gut. Ich versuche auch, sie noch mehr einzubinden.

Ihr Wahlkampf-Motto war: Lambrecht kann mehr. Wie wollen Sie da ran gehen?
Das betrifft einen Strauß von Themen. Zum einen spreche ich Bürger direkt an, wenn es beispielsweise um Dinge geht wie die Beseitigung von Unkraut. Aber es gibt auch ganz andere Punkte. Die Stadt erhält fast täglich tolle Angebote. Zum Beispiel können wir uns jetzt bewerben für das Projekt Kuladig. Da geht es darum, Geschichte digital erlebbar zu machen. Ich habe das jetzt an Robert Westerberger weitergegeben, der auch Vorsitzender des Fördervereins ehemalige Klosterkirche ist. Und er hat auch schon viele Ideen. Um solche Dinge muss man sich kümmern, das ist offenbar in der Vergangenheit zu wenig passiert.

Haben Sie noch andere Beispiele für solche Angebote?
Ja. Wir haben eine Bewerbung abgegeben für das Projekt „Fußverkehrs-Checks, Schritt für Schritt zu attraktiven Ortszentren“. Das ist ein Projekt, bei dem die Bürgerschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam die Situation des Fußverkehrs im Ort bewerten. Um etwas bewegen zu können, ist Förderung und Unterstützung wichtig.

Kommen wir zu den großen Themen, die in Lambrecht anstehen, Kita, Gemeinschaftshaus und Finanzen. Welche Frage hat Vorrang für Sie?
Die Themen greifen ineinander über. Bei der Grundsteuer hat der Rat beschlossen, die Hebesätze unverändert zu lassen, also bei 545 Prozentpunkten. Aber wir werden sie wohl doch erhöhen müssen, weil das Defizit ansonsten zu groß wird. Durch die Grundsteuerreform fehlen der Stadt bei gleichem Hebesatz 160.000 Euro. Stand heute klafft in diesem Jahr ein Haushaltsloch von 886.000 Euro. Jeder neue Kassenkredit muss in drei Jahren getilgt werden.

Wie ist der Stand der Dinge bei der Entwicklung der Kita-Landschaft?
Derzeit sind 15 Kinder angemeldet, die keinen Betreuungsplatz haben. Es gibt verschiedene Ansätze, um diesen Fehlbedarf zu decken. Der Bau einer neuen Einrichtung auf dem Boule-Platz ist aus meiner Sicht die schlechteste Lösung. Das ist teuer, wir versiegeln Fläche und bekommen dafür relativ wenig Plätze. Variante zwei ist, die Einrichtung der evangelischen Kirche zu übernehmen und aufzustocken. Die Einrichtung würde dadurch fünfgruppig.

Zuletzt war die Frage offen, ob das Außengelände für so viele Kinder ausreicht.
Richtig. Die Empfehlung lautet, pro Kind zehn bis 12 Quadratmeter an Außenfläche zur Verfügung zu stellen. Das werden wir nicht erreichen. Der Platz reicht nur für etwa acht Quadratmeter pro Kind. Wir müssen klären, ob das ausreicht.

Finanziell wäre das am günstigsten?
Ja. Und wir müssen ja sorgsam umgehen mit Steuergeldern. Deshalb sagt mir dieser Weg am ehesten zu. Wenn der Rat aber nicht mitzieht, muss ich noch einmal die Karte Gemeinschaftshaus ziehen.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn der Rat zustimmt, ist das Thema Abriss des Gemeinschaftshauses erst einmal vom Tisch?
Ja. Der Widerstand gegen einen Abriss ist groß. Dabei betone ich immer: Es würde in einem neuen Kita-Gebäude auch einen Mehrzweckraum geben für die Bürger, sozusagen als Ersatz für das Gemeinschaftshaus. Ich sehe ja die Notwendigkeit für einen solchen Raum. Aber ich glaube eben nicht, dass diese Burg, die wir da mit dem Gemeinschaftshaus haben, energetisch sanierbar ist. Und die Gewinne der Stadtwerke gehen komplett dafür drauf. Das Geld könnte man besser verwenden.

Wie läuft es bei der Stadtkernsanierung?
Wir haben einen Antrag auf Verlängerung gestellt. In den vergangenen zwei Jahren hat nur ein einziger Privatmann Geld für Sanierungen beantragt. Das ist mir zu wenig. Der Antrag muss aber noch genehmigt werden.

Wie sieht es aus beim Klosterumfeld?
Die großen Probleme haben wir überwunden. Es fehlt jetzt nur ein kleines Stück und ein paar Nachbesserungen. Das kriegen wir hin.

Und was ist mit der Fläche unter der Friedenseiche? Die Untere Naturschutzbehörde ist ja gegen die Schaffung eines Platzes, um den Baum zu schützen.
Da gibt es eine Lösung, das hat uns der Baumsachverständige erklärt. Man kann die Steine auf eine Art Gitter legen. Dadurch wird der Druck abgeleitet, außerdem kann das Wasser versickern. Aus Sicht des Baumsachverständigen ist der Baum auf diese Weise gut geschützt.

Andreas Ohler
Andreas Ohler
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