Deidesheim
Gemeinsam für Westafrika
Das Trommeln der afrikanischen Musiker lockte am Samstag in Deidesheim viele Schaulustige in die Schlossstraße. Genau vor die Weinstube von Rüdiger und Kerstin Beck, dem Wirtsehepaar des „Woibauer“, wo Bansah, im Brotberuf Kfz-Mechaniker in Ludwigshafen, in traditioneller Tracht mit seinem Freund Helmut Fohs zusammentraf. Zu Ehren des Gastes vom Stamm der Ewe trommelte und sang eine togolesische Familie, die in Hauenstein lebt, afrikanische Lieder. Ein Hauch von Westafrika lag in der pfälzischen Weinstube in der Luft.
Bansah trägt seine Amtstracht voller Stolz. Goldgelbe Rauten, Streifen in Grün, Rot, Blau, dazu die Krone sowie Goldschmuck um Hals und Arme. An den Fingern sind unter anderem eine Schildkröte, ein Tausendfüßler und ein Stachelschwein zu sehen. Seit fast 30 Jahren kennen sich Céphas Bansah und Helmut Fohs. Das Engagement für Westafrika, für Togo und Ghana, verbindet die beiden.
Schnell und unbürokratisch
„Ohne Helmut Fohs könnte ich mich nicht so intensiv um meine Leute in Ghana kümmern“, sagt Bansah. Fohs, 83 Jahre alt und früher Unternehmer, kennt die Kultur der Menschen in Westafrika wie kaum ein anderer. Er ist deshalb Sprachrohr und Ratgeber und hilft, wo er kann. „Mit seinem Konsulat sorgt Herr Fohs bei Reisen für die Visa. Bei ihm geht das meist sehr schnell und unbürokratisch“, erzählt Bansah. Bei Projekten, die er in Ghana angestoßen und umgesetzt habe, tausche er sich häufig mit Fohs aus.
Es gibt schließlich etliche Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern, nicht zuletzt durch die Kolonialgeschichte. Der Volksstamm der Ewe lebt im Süden Togos, die Menschen sind überwiegend Christen, glauben aber auch an ihre traditionelle Religion Voodoo und praktizieren diese auch. „Noch heute findet alljährlich das Voodoo-Fest des Stammes der Ewe in Togo statt“, erzählt Helmut Fohs. „Und dann reisen alle Könige aus Westafrika nach Togo.“
Eineinhalb Jahre nicht mehr in Ghana
Auch Céphas Bansah, der seit 29 Jahren König der Ewe ist. Erst stand er dem Ort Hohoe vor, wie einst sein Großvater. 2013 krönten ihn die anderen Ewe-Könige wegen seiner Verdienste zum spirituellen König des ganzen Volkes, das sich über den Osten Ghanas, Togo und Benin verteilt. Ghana, seit 1957 unabhängig, ist heute die stabilste Demokratie in Westafrika. Ein Land, das von modernen und traditionellen Eliten, Technokraten und Königen geprägt wird. Für die Menschen in ländlichen Gebieten sind die Könige häufig wichtiger als die Regierung in Accra. Die Hoheiten beraten die Menschen und schlichten auch so manchen Streit. Bansah hatte dazu wegen der Pandemie schon lange keine Möglichkeit mehr. Eineinhalb Jahre war er jetzt nicht mehr in Ghana, will aber demnächst wieder reisen.
Der heute 72 Jahre alte Landmaschinenmechaniker fährt sonst acht Mal im Jahr nach Afrika. Dann vermittelt er zwischen Nachbarn, ist Friedensstifter und Seelsorger. In Deutschland sammelt er für „seine“ Leute Spenden, die beispielsweise für Fahrräder, Schulranzen oder Nähmaschinen verwendet werden. Derzeit läuft ein Projekt Brunnenbau. Und just an dem Tag, an dem Bansah sich mit Fohs in Deidesheim traf, wurde der Startschuss für den zweiten Brunnenbau gegeben.
Die Verbesserung der Infrastruktur für die Menschen in Afrika liegt den beiden Männern sehr am Herzen. Und beim Mittagessen wurden auch schon wieder neue Pläne geschmiedet.