Gerolsheim
Gemeinderat: Zusammenhalt für eine gute Zusammenarbeit
Insgesamt glich die erste oder auch konstituierende Sitzung des Ortsgemeinderats Gerolsheim am Dienstagabend mehr einem feierlichen Ritual, denn einem Verwaltungsakt. Das sehr viele Gäste im Dorfgemeinschaftshaus verfolgten, und das auch mit einem kleinen Gaumenschmaus der Landfrauen endete.
Die offizielle Verabschiedung von Ulrichs Vorgänger Erich Weyer (FWG) war ein Defilee der Parteifreunde, Bürger und Gäste. In Statements und Reden brachten viele ihre Wertschätzung zum Ausdruck für das jahrelange zielgerichtete, umsichtige, aber auch einigende Wirken, sodass sich, wie Simone Ulrich es ausdrückte, „Gerolsheim nicht zu verstecken braucht“. Man habe in den vergangenen Jahren viel getan, und der Ort sei über die Grenzen hinaus in aller Munde. Sie betonte das 20-jährige Engagement ihres Vorgängers, der ein „gut bearbeitetes Feld hinterlassen“ habe, und ihr auch in der vorherigen Amtsperiode Gelegenheit gegeben habe, „zu lernen“.
FWG noch dominater im Rat
Die Kommunalwahl war mehr als deutlich ausgefallen. Mit 73,7 Prozent der Wählerstimmen konnten die Freien Wähler ihre Dominanz im Ortsgemeinderat von zehn auf zwölf Sitze ausbauen. Für die als Spitzenkandidatin in den Rat gewählte Ulrich rückte Roger Daut nach. Als Ortsbürgermeisterin hatte sie 90,6 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Das eindeutige Wahlergebnis und der damit verbundene „unglaubliche Vertrauensvorschuss“ habe sie sehr bewegt, sagte Ulrich am Dienstag. Sie bat aber auch um Geduld und Nachsicht, „wenn ich vielleicht nicht immer Antworten auf Ihre Fragen habe“, richtete sie den Blick ins Plenum. Einen Überblick über anstehende Projekte will die Ortsbürgermeisterin in der ersten Ratssitzung am 10. September geben. Die CDU ist künftig mit weiterhin drei Mandaten vertreten, Fraktionssprecher ist Herbert Müller. Keinen Fraktionsstatus mehr hat künftig die SPD, Ratsmitglied Georg Zeilfelder ist somit Einzelkämpfer – die Zustimmung für die Partei war in der Wählergunst von 16,6 auf 8,1 Prozentpunkte geschmolzen.
Die Sache mit der SPD
Was heißt das im kommunalpolitischen Alltag? Die FWG hat das Sagen, CDU und SPD können kritisieren, aber, und das ist vielleicht wesentlicher, Ideen einbringen.
Ortsbürgermeisterin Ulrich jedenfalls bedankte sich schon im Voraus bei den Ratsmitgliedern für „Ihren unermüdlichen Einsatz für gemeinsame Ziele zum Wohl unserer Gemeinde“ und sie freue sich auf „eine konstruktive Zusammenarbeit“.
Allerdings, „rein theoretisch“ hätte laut FWG-Fraktionssprecher Mathias Vogel die SPD keinen Anspruch auf einen Sitz in den Ausschüssen, weil sie keine Fraktion mehr ist. Dennoch soll sie in den Achter-Ausschüssen nicht nur mit einem, sondern zwei Sitzen vertreten sein. Schon in der Wahlnacht habe er vorgeschlagen, als FWG auf einen Sitz zu verzichten und diesen zweiten der SPD zu überlassen, ergänzt Vogel. Ein Beispiel, das zeige, dass im Gerolsheimer Ortsgemeinderat das Miteinander überwiegt. Für den bisherigen Ortsbürgermeister Prämisse – und auch für seine Nachfolgerin: „Wichtig ist nach wie vor der Zusammenhalt.“
Änderung bei Aufwandsentschädigung
Statt zwei soll es künftig in Gerolsheim drei Beigeordnete geben, „um uns besser konzentrieren und gezielter arbeiten zu können“, sagte Ulrich auf Nachfrage. Dahingehend wurde auch die Hauptsatzung geändert. Zudem soll die Aufwandsentschädigung für Beigeordnete mit Geschäftsbereich zehn Prozent der dem Ortsbürgermeister zustehenden monatlichen Aufwandsentschädigung betragen – bisher waren das 20 Prozent.
Als Erster Beigeordnete gewählt wurde bei insgesamt 14 stimmberechtigten Ratsmitgliedern Gerald Binder (FWG) mit 14 Ja-Stimmen, für Reinhold Kuales (FWG) als weiteren Beigeordneten stimmten zwölf Ratsmitglieder, zwei votierten mit Nein, der dritte Beigeordnete Maximilian Ketisch (FWG) erreichte 13 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Reinhold Kuales verzichtete als Beigeordneter auf sein Stimmrecht, für ihn rückt sein Sohn Michael Kuales nach. Feste Geschäftsbereiche solle es nicht geben, erläuterte Ulrich auf Nachfrage, möglicherweise werde sich aber Maximilian Ketisch um den Themenbereich Kindergarten kümmern.