Kreis Bad Duerkheim Gefräßige Legion erobert Römergut

Nur noch Gestrüpp statt Gebüsch: die befallenen Buchshecken an der Villa rustica.
Nur noch Gestrüpp statt Gebüsch: die befallenen Buchshecken an der Villa rustica.

Was vor rund 20 Jahren sorgsam gepflanzt wurde, haben Schmetterlingsraupen in zwei Jahren nahezu zerstört: Die Larven des Buchsbaumzünslers, von vielen Gärtnern seit einigen Jahren auch hierzulande gefürchtet, verursachen auch an den Buchspflanzen der Villa rustica bei Wachenheim massive Schäden.

Schon in der Römerzeit war Buchs ein beliebter und dekorativer Formgeber. In der Villa rustica wurde die immergrüne Pflanze gesetzt, um nach alter Tradition angelegte Gärtchen einzufassen. Die ausgedehnten Mauerreste des römischen Landguts nordöstlich von Wachenheim waren 1980 entdeckt worden. Bis 1989 forschte hier die Außenstelle Speyer der Landesarchäologie und restaurierte die baulichen Reste. Regelmäßig betreut der „Förderkreis Villa rustica Wachenheim“ die Anlage und bietet Führungen an. In den von Buchspflanzen eingefassten Gärten stellt der Förderkreis Nutzpflanzen wie verschiedene Kräuterarten vor. Doch die schmucke Umrandung hat ihr dunkelgrünes Laub eingebüßt. Ursache ist die Raupe eines asiatischen Nachtfalters aus der Familie der Zünsler. Der Schmetterling erreicht eine Größe von vier Zentimetern und hat leuchtend weiße Flügel, die von einem breiten dunklen Rand umgeben sind. Tagsüber ruhen die Tiere, abends werden sie flugaktiv. Eingeschleppt wurde der Falter mit importierten Buchspflanzen. In ihrer kurzen Lebenszeit legen die Weibchen winzige gelbliche Eier an die Unterseite der Buchsblätter. Äußerlich ist den befallenen Pflanzen zunächst nichts anzumerken. Auch die frisch geschlüpften Raupen fallen kaum auf. Sie beginnen, im Inneren der Büsche zu fressen: Beim Auseinanderbiegen der Zweige kann man ihre feinen Netzgespinste sehen. Die grün gefärbten Raupen haben schwarze, gelbe und weiße Streifen, schwarze Punkte sowie eine schwarze Kopfkapsel. Sie verpuppen sich versteckt im Gezweig. Vor der Verpuppung haben sie bereits fünf Zentimeter Körperlänge erreicht. Bei starkem Raupenfraß vergilben die Buchsblätter, werden hellbeige oder bleiben nur noch als Blattrippen stehen. Wenn das Laub vernichtet ist, fressen die Larven an der Rinde. Kahl gefressene Buchspflanzen können durchaus wieder austreiben. Doch mit einer zerstörten Rinde werden sie sich kaum noch regenerieren. Die Hersteller chemischer Insektizide, die Neonicotinoide enthalten, deklarieren diese als „bienenungefährlich“. Dennoch stehen die Mittel im Verdacht, auch Bienen und andere Insekten zu schädigen. Im „Förderkreis Villa rustica“ will man laut Pressewart Friedrich Reinert deshalb auf diese wissenschaftlich umstrittenen Spritzmittel verzichten. Viele Privatgärtner setzen gegen den Zünsler Hochdruckreiniger oder ein Gemisch aus Öl und Essig ein. Bei diesen Methoden müssen aber die noch lebenden Raupen anschließend von einer untergelegten Folie abgesammelt werden. „Das ist bei den ausgedehnten Heckenzügen der Villa rustica nicht machbar“, erklärt Reinert.

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