St. martin / Deidesheim / Hassloch
Gastronomen schwanken zwischen Wut und Resignation
Peter Heck, Pächter und Küchenmeister im Gästehaus Bergel in St. Martin, schwankt zwischen Wut und Resignation. Obwohl er Kontaktbeschränkungen durchaus für sinnvoll hält und damit auch gerechnet hat. Aber: „Das, was jetzt gemacht wird, ist nicht konsequent. Wenn schon Lockdown, dann für alle.“ Dass Schulen, Kitas und auch Dienstleister wie Friseure offen bleiben, Gastronomie und Hotellerie aber schließen müssen, sei wenig nachvollziehbar. „Wir haben überall Hygienekonzepte umgesetzt“, betont er.
Der November ist für den Südpfälzer normalerweise ein guter Monat. Bis zum Martinsfest kämen Urlauber, außerdem seien November und Dezember im Restaurant die umsatzstärksten Monate. „Da kommen die Gäste gezielt für ein schönes Essen mit gutem Wein“, berichtet er.
Anzahl der Plätze von 60 auf 40 reduziert
Die Ankündigung der Regierung, die Umsatzeinbußen zu einem großen Teil auszugleichen, betrachtet er mit Skepsis. „Wir sind sehr gespannt, ob nicht doch irgendwo ein Haken bei der Sache ist“, sagt er.
Jetzt im November hätten die Gastronomen die Möglichkeit gehabt, die Verluste aus dem Frühjahr ein wenig auszugleichen, erklärt er. Zwischen Wiedereröffnung und Oktober sei die Nachfrage zwar sehr gut gewesen, doch diese Monate seien eben auch in „normalen“ Zeiten umsatzstark. Außerdem habe er die Anzahl seiner Plätze von 60 auf 40 reduzieren müssen, um die vorgeschriebenen Abstände einzuhalten.
Heck will nun versuchen, wie im Frühjahr wieder einen Abholservice zu organisieren. Doch selbst wenn es optimal laufe, könne er damit nicht einmal seine Fixkosten decken. „Es geht drum, das Minus zu reduzieren“, stellt er klar. Wie lange er noch durchhalte, könne er nicht sagen. Heck ist jedenfalls überzeugt: „Das wird vielen Gastronomen das Genick brechen.“
Enttäuscht und verärgert
Sehr enttäuscht und zugleich auch verärgert reagiert die Wirtin der Deidesheimer Gaststätte „Zum Weinberg“, Kerstin Schubing, auf die Maßnahmen der Bundesregierung. Auch deshalb, weil die bisherigen Bemühungen ihrer Branche auf Einhaltung der Sicherheits- und Hygienestandards nicht wertgeschätzt würden. So habe sie stets die Vorgaben der Behörden eingehalten und auch an ihre Gäste regelmäßig appelliert, die geltenden Bestimmungen einzuhalten. Dass Einschränkungen notwendig sind, streitet Schubing nicht ab, aber sie hält eine vollständige Schließung der Gastronomie über den gesamten Monat November nicht für angemessen. Die Wirtin will trotzdem nicht aufgeben, sondern wieder einen Abholservice einrichten. „Das hat sich in den ersten Wochen der Pandemie gut bewährt, und wir haben da auch eine große Solidarität gespürt. Das werden wir jetzt wieder einführen, denn es bleibt uns sonst kein anderer Weg übrig“, sagt Schubing. Auch der „Deidesheimer Hof“ hat auf die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung reagiert. Küchendirektor Stefan Neugebauer hat in den sozialen Medien eine „Gans to go“ aus seiner Küche in Aussicht gestellt.
„Unsere Gäste halten zu uns“
Vincenzo Titone, Inhaber und Koch der „Ristorante-Pizzeria Crostini“ im Vereinsheim des VfB Haßloch, fällt es schwer, seine erste Reaktion in Worte zu fassen. „Natürlich, schön ist das nicht, aber es muss sein“, sagt er nachdenklich und fügt hinzu: „Unsere Gäste halten zu uns, das sagen und zeigen sie auch.“
Einen großen Unterschied zum Lockdown im Frühjahr gibt es dieses Mal allerdings für den italienischen Gastronomen, denn er hat sich entschieden, den Familienbetrieb im November nicht zu schließen, sondern mit seiner Schwester einen Abholservice anzubieten. Dafür will Titone sogar die komplette Speisekarte beibehalten.
„Beim letzten Mal hatten wir zu viel Angst um die Gäste und auch um uns“, fasst der Gastronom zusammen, „aber diesmal wissen wir schon, wie alles mit dem passenden Konzept geht, und trauen uns das zu.“