Niederkirchen
Fokus künftig auf der Lohnversektung
Der gelernte Weinküfer Hilarius Reinhardt (51) hat die Anfänge des Winzersektes in der Pfalz erlebt. Zunächst war er Sektmeister bei Schloß Wachenheim, ehe er dann mit seiner Frau Martina den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Ein Schritt, den die beiden nie bereut haben. Denn Hilarius und Martina Reinhardt schafften es schnell in die Top Ten der besten Sekterzeuger Deutschlands. Zwei Mal erhielten sie bei der Bundesprämierung die höchste Auszeichnung „Bester Sekterzeuger Deutschlands“. Auch bei den Prämierungen der Landwirtschaftskammer und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) wurden die Sekte mehrfach mit Medaillen ausgezeichnet. Sie wurden zu einer Marke. Gleichzeitig stieg die Nachfrage der Winzer nach der Lohnversektung.
Lange setzten die Reinhardts auf beide Sparten, einerseits auf die Herstellung der eigenen Sekte aus den Grundweinen der von Hilarius’ Bruder Stefan bewirtschafteten Weinbergen, andererseits auf die Lohnversektung. Gerade in den letzten Monaten verzeichnete der Betrieb einen enormen Zuwachs bei der Sektherstellung. „Wir haben keine Einbußen durch die Pandemie“, sagt Hilarius Reinhardt. Dennoch hielt der Martinushof sich in den vergangenen vier Jahren in der Vermarktung der eigenen Sekte deutlich zurück. Seit 2016 beteiligt sich das Ehepaar nicht mehr an Prämierungen, besucht keine Messen mehr und verzichtet auch auf das beliebte Hoffest. Im Interesse ihrer inzwischen über 140 Kunden in der Lohnversektung, darunter zahlreiche Betriebe des Verbandes der Prädikatsweingüter (VdP) und Bio-Weingüter.
Keine eigenen Sekte mehr
Inzwischen ist eine richtungsweisende Unternehmensentscheidung gefallen. Die Produktion der eigenen Sekte wurde eingestellt, der vorhandene Sektbestand erfolgt im Barverkauf des Bruders und dessen Familie, dem Weingut Stefan Reinhardt. Die Perlen der Marke Martinushof, die sich nach einem neun bis 24 Monate langem Hefelager in ihrer Stilistik durch Frucht und Spritzigkeit auszeichnen, wird es bald nicht mehr geben. Rund 25.000 Flaschen jährlich haben Martina und Hilarius Reinhardt zuvor hergestellt. Die Grundweine dafür wird künftig der Neffe der Reinhardts, Lukas Reinhardt, ganz nach seiner eigenen Linie „Weinwerk“ zu Sekt verarbeiten. Dabei setzt der 29 Jahre alte Weinbautechniker besonders auf ein deutlich längeres Hefelager.
„Nach dem enormen Zuwachs bei der Lohnversektung standen wir vor der Frage: Wo geht die Reise hin?“, sagt Martina Reinhardt. Derzeit seien alle Kapazitäten erschöpft. Jährlich werden rund 550.000 Flaschen gefüllt und rund 500.000 degorgiert. Der Umsatz der Reinhardts lag zuletzt bei 1,9 Millionen Euro. Die Sektkellerei beschäftigt derzeit fünf Mitarbeiter, darunter auch Kellermeister Christof Höfer, der seit über zehn Jahren mit seiner akribischen Arbeitsweise einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der hohen Qualitätskriterien leistet.
Betriebsausweitung nicht geplant
An eine weitere Ausweitung des Betriebes denken die Eheleute Reinhardt nicht. „Wir nehmen auch seit zwei Jahren keine neuen Kunden mehr an“, sagt Hilarius Reinhardt mit Blick auf die Platzkapazitäten am Standort in Niederkirchen. Eine weitere Halle in Haßloch sei ebenfalls ausgelastet. „Es geht einfach nicht mehr“, so der Sektmeister.
Die eigene Marke Martinushof aufzugeben, ist ihm nicht leicht gefallen, aber er sieht in der Konzentration auf die Veredlung von Grundweinen zu Sekt die Chance, die bisherige Qualität noch weiter zu erhöhen. „Und das sind wir auch unseren Kunden schuldig“, sagt Martina Reinhardt.