Bad Dürkheim
„Fledermäuse gehören zur Hardenburg“
Nicht allein wegen ihrer Architektur und Geschichte hat die Hardenburg eine herausragende Stellung unter den Pfälzer Burgen: Die Festungsanlage aus der Zeit der Renaissance ist ein wichtiges Ganzjahres-Quartier für Fledermäuse. 13 Arten der bedrohten Säugetiergruppe sind hier nachgewiesen. Mit frostfreien Hohlräumen beherbergen Keller und Gewölbe besonders viele überwinternde Fledermäuse.
Dass dies alles andere als selbstverständlich ist, zeigen andere restaurierte Pfälzer Burgruinen. Immer noch wird schadhaftes Mauerwerk lückenlos verfugt und verputzt. Doch gerade wo es reißt und bröckelt, finden Fledermäuse Unterschlupf. Dass der Erhalt alter Bausubstanz nicht auf Kosten der Natur gehen muss, zeigt sich bei Bad Dürkheim.
„In der Hardenburg gehen Denkmalschutz und Naturschutz Hand in Hand“, sagte Katrin Eder, Staatssekretärin des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität am Donnerstag bei der Auszeichnung als fledermausfreundliche Burg. Im Rahmen der „Aktion Grün“ wird das Nabu-Programm „Fledermäuse willkommen!“ vom Land unterstützt.
Viele Arten vom Aussterben bedroht
Florian Hasenknopf, stellvertretender Direktor von Burgen Schlösser Altertümer der Generaldirektion Kulturelles Erbe, schilderte bei seiner Begrüßung der Gäste aus Politik, Verwaltung und Naturschutz, wie beispielhaft man den Kompromiss zwischen touristischer Nutzung und Artenschutz gefunden habe: „Die Fledermäuse gehören zur Hardenburg. Mit Rücksicht auf die Bewohner bleibt der Gewölbekeller für menschliche Besucher gesperrt.“
Wie wichtig auch weniger populäre Maßnahmen sind, wurde in den Ausführungen von Cosima Lindemann deutlich. „Viele Arten sind akut vom Aussterben bedroht“, beschrieb die Landesvorsitzende des Nabu Rheinland-Pfalz den Rückgang von Fledermäusen, der trotz gesetzlicher Schutzvorschriften stattfindet.
Winterquartiere fehlen
Ein Grund liege im Mangel an ungestörten Winterquartieren: „Solche Verstecke müssen erhalten bleiben. Als öffentliches Gebäude ist die Hardenburg dafür ein gutes Beispiel mit großer Wirkung.“ In diesem Zusammenhang hob Lindemann das ehrenamtliche Engagement des Arbeitskreises Fledermausschutz hervor: Dank seiner Aktivitäten seien bei zurückliegenden Sanierungen ökologische Belange einbezogen worden. Bei regelmäßigen Winterkontrollen fanden Fledermausschützer Hans und Waltraud König, Heinz Wissing, Guido Pfalzer und Claudia Weber die meisten Tiere in der Hardenburg.
Vorwiegend überwintern hier Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus sowie Braunes und Graues Langohr. Zu den besonderen Raritäten gehört die Zweifarbfledermaus, eine der seltensten Arten in Deutschland überhaupt. 1862 noch auf der Hardenburg registriert, galt sie lange als ausgestorben und wurde hier 1995 wieder entdeckt. Auch in der Sommerperiode zählen Experten die nützlichen Insektenfresser, unter ihnen Durchzügler aus Nord- und Osteuropa, die zwecks Balz und Paarung die Hardenburg aufsuchen.
Mit der Auszeichnung „Fledermäuse willkommen!“ will der Nabu nicht zuletzt die Akzeptanz für Fledermäuse in der Öffentlichkeit fördern. Als Kulturfolger sind viele Arten der fliegenden Säugetiere unbedingt darauf angewiesen.