Dirmstein
Fechtschule wird teurer Sanierungsfall
Das Ensemble in der Denkmalzone Sturmfeder’scher Kellergarten an der Straße Affenstein besteht aus der sogenannten Burg, einem Herrenhaus und dem „Badehaus der Gräfin von Brühl“. Die Burg ist der älteste Teil, geht sie doch auf einen Bau aus dem 16. Jahrhundert zurück, als Ritter Valentin von der Hauben ihn besaß. Aus der Ruine des in Kriegen beschädigten und schließlich zerstörten Gebäudes wurde Mitte des 19. Jahrhunderts ein Haus in neugotischem Stil. Markant sind unter anderem die Spitzbogenfenster mit filigraner Sprossenteilung und der Spitzbogenfries.
Fechtschule heißt die Burg heute, weil sich in den 1960er-Jahren der Südwestdeutsche Fechtverband dort und im Herrenhaus niederließ und ein Leistungszentrum für Spitzenfechter samt Küchen und Übernachtungsmöglichkeiten betrieb. Ende 2022 wurde der Mietvertrag zwischen dem Verband und der Katholischen Hospitalstiftung aufgelöst.
Der Zustand der Fechtschule ist inzwischen ziemlich schlecht. „Risse ziehen sich vom Fundament bis nach oben“, weiß Ralf Hepp vom Bauamt der Verbandsgemeinde Leiningerland. Und das Dach sei marode. „Zu reparieren ist das alles nicht mehr“, meint Hepp, weshalb der Stiftungsausschuss unter dem Vorsitz von Ortsbürgermeister Bernd Eberle (FWG) vor einem Jahr die Generalsanierung beschlossen habe. Die Kostenschätzung damals inklusive Nebenkosten: 1,5 Millionen Euro. Im nächsten Halbjahr soll die Ausschreibung auf den Weg gebracht werden.
Ziel sind Wohnungen
Von einer Amortisation dieses Geldeinsatzes kann der Stiftungsausschuss, bestehend aus Vertretern der drei Gemeinderatsfraktionen, nur träumen. Damit es aber kein völliges finanzielles Desaster wird, soll die Fechtschule nach der Sanierung wenigstens so genutzt werden, dass sie Einnahmen bringt. „Nur dann kann sie auf Dauer erhalten werden“, verdeutlicht es Bürgermeister Eberle. Vier hochwertige Wohnungen sollen entstehen, von denen eine auch ein gewerbliches Büro werden könnte.
Im Erdgeschoss zwei Wohneinheiten zu schaffen, sei problemlos möglich, berichtet Ralf Hepp. Doch dem Plan, Ober- und Dachgeschoss zusammenzufassen, um zwei weitere Einheiten zu erhalten, steht die Landesbauordnung entgegen. Die schreibe für die Hälfte der Wohnfläche eine Raumhöhe von mindestens 2,20 Meter vor, erklärt der VG-Mitarbeiter. Das könne man durch Anheben des Dachstuhls um 70 Zentimeter erreichen. Und jetzt kommt das ganz große Aber: Die Untere Denkmalpflege beim Landkreis Bad Dürkheim hat angedeutet, dass ihr das gar nicht gefallen würde. Nun setzt die Stiftung ihre Hoffnung in die Obere Denkmalbehörde in Mainz, die letztlich das Sagen haben wird. In der jüngsten Sitzung des Stiftungsausschusses wurde deutlich, dass Dirmstein für eine Erlaubnis, das Dach anzuheben, erbittert kämpfen wird.
Gewerbegrundstück bringt Geld ein
Etwas Geld für das Projekt ist kürzlich durch den Verkauf eines Gewerbegrundstücks in der Rottgasse in die Stiftungskasse gekommen. Es handelt sich um knapp 8500 Quadratmeter im Süden Dirmsteins an der K24. Das Grundstück war im Frühjahr zum Verkauf ausgeschrieben und hätte mindestens 130 Euro pro Quadratmeter bringen sollen. Das ist dem Vernehmen nach nicht gelungen. Die Ausschreibung gewonnen haben zwei Firmen, die sich gemeinsam beworben hatten: Handke Brunnenbau aus Dirmstein und Argisol Bausysteme aus Obersülzen.
Das Gelände werde als Lagerfläche genutzt, sagt Heiko Handke auf Anfrage. Der Spezialist für Brunnenbau und Tiefenbohrung hat aber noch eine andere Nutzungsidee, die allerdings erst angegangen werden könne, wenn staatliche Stellen mit im Boot seien. „Ich denke an ein Geothermie-Forschungsprojekt“, so Handke. Heißes Wasser aus einer Tiefe von 1500 bis 1800 Metern soll in einem geschlossenen System sowohl für die Wärme- als auch die Stromerzeugung verwendet werden.