Kreis Bad Duerkheim Europas Straußenzentrum
Mhou – so nennt der Bantu-Stamm der Shona in Zimbabwe den Strauß. Und so heißt auch die Farm von Uschi Braun und Christoph Kistner: „Mhou-Farm“. Seit rund zehn Jahren züchten die beiden am Rülzheimer Ortsrand das langhalsige Federvieh. Ein europaweit einzigartiger Zuchtbestand.
„Rülzheim ist zum Zentrum der Straußenzucht in Europa geworden“, so die Chefs der Mhou-Straußenfarm. Vor zehn Jahren sind sie aus dem badischen Rheinmünster-Schwarzach in die Pfalz umgezogen, im Dezember 2006 trafen die ersten Strauße in Rülzheim ein. Der Grund für den Umzug: Das in Rheinmünster-Schwarzach zur Verfügung stehende Areal war zu klein geworden, die beiden haben ein Ersatzgelände gesucht. Durch Vermittlung der Kreisverwaltung Germersheim fand sich schließlich die leerstehende Kreisbildungsstätte in Rülzheim, die sich auch heute noch teilweise im Besitz des Landkreises befindet. Weil die Blauhalsstrauße, die Braun und Kistner züchten, aus der Heimat der Shona im Süden Zimbabwes stammen, war die Namensgebung für ihre Straußenfarm dann nur noch Formsache. Schließlich haben sie in Zimbabwe auch ihre Tiere aus großen Beständen ausgesucht und nach Deutschland gebracht. Reinrassige „Zimbabwe Blue“. Die Tiere weiden ganzjährig auf großen Flächen, selbst kurzzeitige Stallhaltung gibt es nicht, „eine Garantie für eine artgerechte Haltung und das Wohlbefinden unserer Tiere“. Und gerade deshalb hat die Farm derzeit Probleme wegen der Ausbreitung der Vogelgrippe, in deren Zusammenhang die Behörden eine Stallpflicht erwägen, was aber tödlich für die Strauße wäre, wie Braun und Kistner deutlich machen. Selbst im Winter haben die Tiere ständig Zugang zu den 20 jeweils bis zu 5000 Quadratmeter großen Gehegen. Eine gesundheitsschädliche Stallheizung gibt es ebenso wenig wie Antibiotika im Futter. Die Qualität der Rülzheimer Zuchtstrauße wird inzwischen in aller Welt geschätzt, mit „unserem Nachwuchs produzieren namhafte Farmen in ganz Europa, in Asien, Südamerika und sogar Afrika“. Etwa 80 Zuchtstrauße leben ganzjährig auf etwa 12 Hektar Weidefläche, jede Weide ist zwischen 3000 und 4000 Quadratmeter groß. Auf einen Hahn kommen zwei bis vier Hennen. Diese legen von Januar an jeden zweiten Tag ein Ei, von April bis September schlüpfen ständig Küken – alle fünf bis zehn Tage. In den ersten Legemonaten werden die Eier maschinell im Bruthaus ausgebrütet, ab August übernehmen das dann die Tiere selbst. „Naturbrut gehört für uns zu einer artgerechten Tierhaltung genauso wie viel Bewegungsfreiheit und ein absolut natürliches Futter ohne jegliche Zusätze.“ Nach sechs oder sieben Tagen werden die Jungtiere zu Aufzuchtbetrieben in Deutschland und Dänemark transportiert, wo sie auch geschlachtet werden. Das Straußenfleisch kommt dann teilweise wieder zurück zum Verkauf im eigenen Farmladen. Jedes Tier liefert etwa 30 Kilo Fleisch. Acht bis zwölf Tonnen verkauft der Farmladen im Jahr. Zwei bis drei Jungtiergruppen mit 36 Tieren verbleiben in Rülzheim, wo sie für die Zucht eingesetzt werden. Um aber auch „frisches Blut“ für die Zucht zu bekommen, werden immer wieder Jungtiere nachgekauft. Die Straußenfarm besitzt einen DNA-Abdruck jedes in Europa gehaltenen Straußes, um bei der Züchtung Inzucht zu vermeiden. Die ursprünglichen Pläne für den Betrieb der Straußenfarm konnten nicht alle realisiert werden. „Wir haben uns mit den verkehrten Partnern eingelassen und hatten unterschiedliche Geschäftsinteressen“, wie Kistner reumütig zugibt. So sollten auf dem Farmgelände eine Markthalle und ein ökologisches Weingut, nebenan ein Hotel entstehen. Ein solches ist für Kistner nach wie vor unbedingt notwendig in Rülzheim, besonders im Hinblick auf den Tourismus, von dem auch seine Farm profitiert, denn die Besucherzahlen steigen kontinuierlich an. Waren es 2015 gut 92.000 Besucher, so rechnet Kistner in 2016 mit rund 100.000 Gästen. Im ersten Halbjahr lag die Steigerung bei zwei bis drei Prozent. In der Gastronomie der Farm sind derzeit zehn Personen in Voll- und Teilzeit beschäftigt, auf der Farm selbst eine Vollzeit- und mehrere Teilzeitkräfte, im Laden ebenso. Im Frühjahr erscheint Kistners neustes Buch, ein Handbuch über Strauße. Im Netz Infos rund um die Straußenfarm in Rülzheim gibt es im Internet unter www.mhoufarm.de . |rud