Kreis Bad Duerkheim Es fliegen Bälle und Späßchen
Seit Jahrzehnten wissen Irmgard Jakob, Elfriede Hiller und Inge Krebs, was sie am Mittwochnachmittag machen, nämlich mit alten Leuten im Wachenheimer Bürgerspital eine Stunde lang turnen. Die „Dienstälteste“ ist Irmgard Jakob, sie war von Anfang an dabei und dieser Anfang war vor 40 Jahren, Elfriede Hiller hat gut 30 Jahre „auf dem Buckel“, kurz nach ihr ist noch Inge Krebs zu der Truppe gestoßen.
Inzwischen sind sie selbst nicht mehr die Jüngsten, Jakob ist immerhin 83 Jahre alt, Krebs 78 und Hiller 77. Jüngere Nachfolger für ihren Job im Altenheim wären herzlich willkommen, sagen alle drei unisono, doch alle Interessenten schreckten bisher vor der Verbindlichkeit dieses Engagements zurück. „Mal helfen ja, aber sobald wir gesagt haben, dass die Turnstunde regelmäßig abgehalten werden muss, sind sie weggeblieben, wir müssen weitermachen, bis wir nicht mehr können“, lacht Hiller, begleitet vom bestätigenden Kopfnicken ihrer Kolleginnen. Dabei empfinden es alle drei als „erfüllend“, mit den Senioren zu turnen. So gegen 20 Teilnehmer sind immer da. Organisiert sind Jakob, Hiller und Krebs beim TuS Wachenheim, für entsprechende Lehrgänge haben sie ebenfalls ihre Freizeit geopfert. Irmgard Jakob bekam 2014 die Goldene Ehrennadel des Turnerbundes. Diese Ehrennadel bekommen nur äußert verdiente Persönlichkeiten, sie wurde damit unter anderem für die seit 1977 abgehaltenen Senioren-Turnstunden ausgezeichnet. „Ein Arm hoch über den Kopf und zur Seite beugen, jetzt der andere“, kommt das Kommando von Hiller, während Jakob und Krebs nacheinander jedem im Stuhlkreis Schultern und Rücken massieren, die eine oder andere liebevolle Streicheleinheit über den Kopf ist auch dabei. Die alten Leute genießen das mit geschlossenen Augen. Die einfachen Turnübungen im Sitzen fordern die oft steifen Gelenke der Senioren, bei denen die Frauen ganz deutlich in der Überzahl sind, sie verlangen Koordination und ganz nebenbei wird auch das Gedächtnis geschult, wenn Hiller eine ganze Abfolge von einfachen Übungen immer mehr erweitert und dabei Wert auf ihre Reihenfolge legt. Dann werden kleinere Bälle ausgeteilt. „Könnt ihr das alle, den Ball auf den Boden springen lassen und wieder fangen?“, fragt sie in die Runde. Umgehend erfolgt der Beweis von denen, die es können. Es folgen Übungen mit bunten Tüchern, kleine Späßchen fliegen zwischen Übungsleitern und einzelnen Teilnehmern hin und her. Das Beste kommt zum Schluss. Ein gutes Dutzend großer, aufblasbarer Bälle kommen in die Runde des Stuhlkreises, die Senioren kicken, werfen und lassen die Bälle springen, so lange, bis der letzte Ball außerhalb gelandet ist, dann ist das Spiel fertig. Nach Hillers Worten: „Machen wir Schluss für heute, schön, dass Sie da waren“, ist die Turnstunde beendet. Die Teilnehmer machen sich mit ihren Rollatoren auf den Weg zu ihrer Station, wer im Rollstuhl sitzt, wird abgeholt. Beim Kaffee in der Cafeteria erzählt Irmgard Jakob von den Anfängen 1977 mit der Initiatorin und Leiterin des Bürgerspitals Emma Hensel. Anfangs gab es sogar zwei Turnstunden pro Woche, im Sommer wurden die Übungen draußen im Freien gemacht. Nach dem Tod Hensels übernahm Elfriede Hiller deren Part. Dass im Laufe der Jahre viele Turnstunden-Teilnehmer plötzlich nicht mehr kamen, daran haben sie sich mehr oder weniger gewöhnt, betroffen macht es sie aber auch heute noch jedes Mal ...