Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Ende 2021 Aus für den Testmarkt

Wer kauft unsere Produkte wann, wo, zu welchem Preis: Das wollen die GfK-Kunden „in Echtzeit“ wissen.
Wer kauft unsere Produkte wann, wo, zu welchem Preis: Das wollen die GfK-Kunden »in Echtzeit« wissen.

Am 31. Dezember ist Schluss mit der GfK-Testkarte. Das Ende des Testmarkts Haßloch kommt überraschend: Noch vor wenigen Tagen hatte die GfK betont, dass die Real-Schließung und der Ausstieg der beiden Aldi-Filialen nichts am Testmarkt-Konzept ändere. Welche Gründe das Unternehmen für seine Entscheidung nennt.

Dass der Real-Markt Ende September geschlossen hat und die beiden Aldi-Filialen als teilnehmende Geschäfte ausgestiegen sind, ist für die GfK (Growth from Knowledge/vormals Gesellschaft für Konsumforschung) wegfallen, sei „überhaupt nicht der Grund“ für das überraschende Aus des GfK-Testmarkts in Haßloch. Das sagte GfK-Kommunikationsleiter Kai Hummel am Mittwoch auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Seit 1986 wird im „Durchschnittsdorf Deutschlands“ Marktforschung betrieben. Nun können die Teilnehmer nur noch bis Jahresende die Testmarktkarte in den verbleibenden Geschäften vorzeigen.

„Veränderungen nicht zuletzt durch Corona“

Mit Erstaunen dürften die Haßlocher Teilnehmer einen Brief der GfK geöffnet haben, der das Datum 18. Oktober trägt. „Märkte, Produktzyklen wie auch die Bedürfnisse und Fragestellungen unserer Kunden haben sich nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie grundsätzlich verändert und beschleunigt“, heißt es darin. Im Zuge dessen habe die GfK reagiert und „auch das Testmarkt-Konzept in Haßloch eingehend betrachtet“. Eine überraschende Wendung für die Haushalte, nachdem das Nürnberger Unternehmen erst vor wenigen Tagen gegenüber der RHEINPFALZ bestätigt hatte: „Aussagekraft und Repräsentativität war und ist gegeben.“

Und dennoch hat es, wie dem Schreiben an die Teilnehmer zu entnehmen ist, eine interne Untersuchung des Testmarktes vor Ort gegeben. Ergebnis dieser Analyse sei jetzt, „den Testmarkt in seiner bisherigen Form nur noch bis 31. Dezember 2021 weiterzuführen“. Man wolle die Fragestellungen der Kunden in Zukunft „durch alternative Angebote sowie Neuheiten im Produktportfolio beantworten“. Die Haushalte, deren genaue Zahl nicht genannt wird, waren bereits am 29. September per E-Mail darüber informiert worden, dass in Haßloch drei Partnergeschäfte wegfallen (Real und die zwei Aldi-Märkte) und nur noch dm, Edeka, Penny, Lidl und Rewe sowie Globus in Neustadt verbleiben. Gleichzeitig hatte die GfK für den weiteren Einsatz der Karte geworben – ohne allerdings ein mögliches Ende des Testmarkts in den Raum zu stellen.

GfK: „Sehen uns nicht mehr als Marktforscher“

In den kommenden Wochen will GfK den Teilnehmern weitere Informationen in schriftlicher Form zukommen lassen. Im neuen Anschreiben sollen sie erfahren, wie sie ihre Prämienpunkte am Ende einlösen oder weiterhin an GfK-Projekten teilnehmen können, sofern sie daran noch Interesse haben. Im GfK Consumer Panel, das seit 1957 besteht, werden laut GfK Einkäufe des täglichen Bedarfs von rund 30.000 deutschen Privathaushalten erfasst.

GfK-Unternehmenssprecher Kai Hummel warb im Gespräch mit der RHEINPFALZ um Verständnis: Man habe „zuerst unsere Kunden und die Teilnehmer, die uns schließlich alle ihre Daten anvertrauen“, per Brief „persönlich informieren wollen, bevor wir Informationen auch der Öffentlichkeit bekanntgeben“. Dass nur wenige Tage nach der jüngsten RHEINPFALZ-Nachfrage das Schreiben über das baldige Testmarkt-Ende an die Teilnehmer verschickt wurde, habe nichts mit dem Ausstieg von Aldi und der Schließung von Real vor Ort zu tun. „Die Fragen haben sich verändert“, erläutert Hummel: „Unsere Kunden wollen in Echtzeit wissen, wer ihre Produkte wann, wo und zu welchem Preis kauft.“ Mit reiner Datenübermittlung zu einem späteren Zeitpunkt könne man diesem Bedürfnis nicht mehr nachkommen. GfK habe „eine große Transformation vollzogen“. Das bedeute: „Wir sehen uns selbst nicht mehr als Marktforscher, sondern vielmehr als Daten- und Analytikunternehmen.“ Das Unternehmen betreut nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Kunden und agiert in 50 Ländern.

Das alles sei laut Hummel mit Technik und Hardware verbunden. „Artificial Intelligence (AI)“ laute das Stichwort – der Einsatz künstlicher Intelligenz für eine unmittelbare Rückmeldung an den Kunden, der „nicht nur eine Datensammlung, sondern auch Handlungsempfehlungen erwartet“. Die Analyse sei darauf ausgerichtet gewesen, ob der Testmarkt in Haßloch mit Plastikkarte und lokal begrenzten Einsatzmöglichkeiten noch zeitgemäß sei, ob er den Fragen der Kunden weiter gerecht werde und ob das Geschäft nachhaltig weitergeführt werden könne, so Hummel. Und das habe die GfK verneint.

Den bisherigen Testmarktkunden verspreche man aber, dass sie die Prämienpunkte „sicher einlösen“ können, so der GfK-Chefsprecher. Die Karte könne und solle noch bis zuletzt eingesetzt werden: „Wir verstehen, dass das jetzt vielleicht etwas den Charme verliert, aber es geht noch bis Ende Dezember weiter.“

GfK-Büro wird zum Jahresende geschlossen

Das Büro in der Leo-Loeb-Straße wird laut GfK analog zum Testmarkt-Ende geschlossen. Davon betroffen seien fünf Mitarbeiter vor Ort. Hummel macht zudem klar, dass das Unternehmen verstehe, dass das Testmarkt-Aus für die Haßlocher auch eine „emotionale Bedeutung“ habe: „Haßloch ist seit Jahrzehnten mit uns verbunden, es kommt in quasi jedem Buch über Marktforschung und in unzähligen Berichten vor.“

Durch den Kaufkraftindex von 101,9 habe Haßloch zwar noch immer die Werte eines echten „Durchschnittsorts“. Aber die neuen Projekte der GfK sähen künftig vor, dass man unabhängig von einem Ort seine Einkäufe melden könne – etwa per App. Auch die Teilnahme an Umfragen soll laut GfK für Interessierte weiter möglich sein: Genauere Details will das Nürnberger Unternehmen den Haßlocher Teilnehmern in den kommenden Wochen mitteilen.

GfK-Panel

Laut GfK steht es auch den Haßlocher Teilnehmern frei und ist sogar erwünscht, dass sie sich weiterhin an GfK-Panels beteiligen und somit die Region repräsentieren. Das ist über die GfK-Befragungspanels möglich, aber auch über die GfK Smart Scan App oder durch eigenständiges Einscannen des Kassenbons. Alle Informationen unter www.teilnehmen.gfk.com.

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