Dirmstein
Einsturzgefahr? Grotte im Schlosspark gesperrt
[Aktualisiert 15.07 Uhr] Besuchern im Park des Koeth-Wanscheid’schen Schlosses in Dirmstein wird es in den vergangenen Wochen aufgefallen sein: Auf Höhe der Grotte ist ein Bereich weiträumig abgesperrt. Betroffen sind der Eingang zur Grotte und der begehbare Hügel darüber. Dem zuständigen Beigeordneten Matthias Schön (ID) zufolge besteht die Sperrung seit März. Doch warum eigentlich? „Die Verbandsgemeinde sagt, die Grotte ist einsturzgefährdet“, teilt Schön auf Anfrage im Mai mit. Bei einer Routinebegehung soll ein Stein vor dem Eingang gelegen haben. Das habe als Auslöser gereicht, um der Frage nachzugehen, ob die gesamte Anlage einsturzgefährdet ist. Bis ein von der Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland beauftragter Statiker sich die Sache angeschaut hat, sind Grotte und Hügel Schön zufolge gesperrt.
Die Frage nach dem aktuellen Stand kann nur die VG-Verwaltung beantworten. Die Gemeinde habe von dort lange keine Rückmeldung erhalten, sagt Schön. Eine RHEINPFALZ-Anfrage von Mitte Mai beantwortet die VG-Verwaltung dann am Dienstag. Demnach habe es im April und im Mai weitere Begehungen gegeben, zuletzt mit einem Fachunternehmen. „Es hat sich gezeigt, dass die Grotte nicht einsturzgefährdet ist“, gibt die Verwaltung Entwarnung. Der Grund für den losen Stein sei vielmehr Vandalismus: „Offensichtlich wurde ein Stein mutwillig von oben herab herausgebrochen und damit versucht, den Türgriff an der Gittertür abzuschlagen.“ Der Einsatz eines Statikers sei nicht mehr nötig. Eine Fachfirma soll lose Fugenteile nachbessern – dann kann die Sperrung aufgehoben werden. Wann das passiert, ist unklar.
Die künstlich geschaffene Höhle wurde in den vergangenen Jahren in unregelmäßigen Abständen für Veranstaltungen genutzt, im vergangenen Jahr beispielsweise im Rahmen einer Nachtwanderung für Kita-Kinder.
Vor 13 Jahren nach Sanierung wiedereröffnet
Die Grotte blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Es wird vermutet, dass an dieser Stelle ursprünglich Dirmsteiner Töpfer einen Brennofen angelegt hatten. Vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde dort dann ein Park im Stil eines Englischen Gartens angelegt. Damals entstand auch die Grotte in ihrer heutigen Form, die vor allem zum Vergnügen der Hofgesellschaft gedient haben soll.
In den 1960er- und 1970er-Jahren, als das Schloss der Winzergenossenschaft Dirmstein gehörte, war dem RHEINPFALZ-Archiv zufolge die Grotte in Form einer Bar ein beliebter Treffpunkt zum Ausgehen. Nach mehrfachen Besitzerwechseln verwilderten Schloss und Park jedoch zunehmend, und damit fiel auch die Grotte in einen Dornröschenschlaf. Um die Jahrtausendwende packte die Gemeinde des Projekt an, den gesamten Schlosspark zu sanieren. Die Grotte aber – unter anderem die Dirmsteiner Hexen sammelten seinerzeit viele Spenden für das Projekt – konnte erst in der ersten Amtszeit von Ortsbürgermeister Bernd Eberle (FWG), im Mai 2012, wiedereröffnet werden. Die Gesamtkosten für die Sanierung beliefen sich damals auf rund 150.000 Euro.