Kreis Bad Duerkheim „Ein Austritt ist nicht denkbar“

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Es ist ein Thema, das europaweit hohe Wellen schlägt: Treten die Briten aus der EU aus oder bleiben sie? Die Entscheidung darüber wird heute per Volksabstimmung gefällt. 139 im Landkreis lebende Engländer dürfen mitstimmen.

Laut Ausländerzentralregister leben rund 100.000 Menschen in Deutschland, die in die Kategorie „Großbritannien und Nordirland“ fallen. Von denen befinden sich nach Angaben der Kreisverwaltung Bad Dürkheim immerhin 139 im Landkreis. Diese können genauso wie ihre Mitbürger auf der Insel über die Zukunft derselben entscheiden, und zwar wahlweise durch eine persönliche Wahl, Briefwahl oder Vertretung einer Person ihres Vertrauens. Die Registrierung zur Wahl erfolgte für die britischen Staatsbürger außer Landes bis vor kurzem im Internet unter www.aboutmyvote.co.uk. Mervyn Whittaker, wohnhaft in Bad Dürkheim und Leiter des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Neustadt, ist zwar Brite, darf jedoch nicht wählen. Er lebt bereits seit über 40 Jahren in Deutschland und ist daher in seinem Vaterland nicht mehr wahlberechtigt. Seine Meinung zum Brexit ist dennoch eindeutig: „Kurz gesagt ist es vernünftig, zu bleiben.“ Der Sohn eines britischen Soldaten und der Tochter eines Offiziers der deutschen Wehrmacht legt viel Wert auf die Europäische Union und den mittlerweile 70 Jahre währenden Frieden in Europa. Es habe für jeden Einzelnen Vorteile, wenn Großbritannien bleibe: „Wir wissen gar nicht, was wir der EU zu verdanken haben“, ermahnt Whittaker und meint damit vor allem die kleinen, persönlichen Vorteile eines Jeden: Reiseerleichterungen, zollfreien Handel und die vielen Bestellungen übers Internet, die in der heutigen Zeit immer mehr zunehmen. All dieser Komfort fiele bei einem Austritt der Briten weg. Obwohl Whittaker selbst nicht mehr so häufig auf der Insel ist, wünscht er sich, „dass uns allen ein Austritt Großbritanniens erspart bleibt“. Seine Prognose ist hoffnungsvoll: „Die Buchmacher tendieren eher zu einer Entscheidung der britischen Bürger für die EU, und in solchen Fällen sind Buchmacher die wohl verlässlichste Quelle.“ Eine ähnliche Meinung haben Vertreter der Partnerstadt Bad Dürkheims: Das südenglische Wells ist nicht nur mit seinen rund 10.000 Einwohnern die kleinste Stadt des Landes, sondern pflegt eine lange, freundschaftliche Beziehung mit der pfälzischen Kurstadt. Um den Kontakt zwischen den beiden Städten kümmert sich auf deutscher Seite der Vorsitzende des Partnerstädtevereins Reinhard Brenzinger. „Für meine Bekannten in Wells ist ein Austritt aus der Europäischen Union nicht denkbar“. Bob Reynolds, ehemaliger Vorsitzender des Wellser Partnerschaftskomitees, pensionierter Ingenieur und Freund Brenzingers, teilt direkt aus der englischen Partnerstadt mit, dass der Großteil der Menschen in Wells gegen einen Austritt sei. Dennoch werde es wohl eine knappe Entscheidung werden, denn die von den Politikern vertretenen Ansichten zum Brexit seien meist faktenarm und würden vielen Bürgern eine klare Entscheidung eher erschweren als erleichtern. Zwei große Sorgen, so Reynolds, stehen bei den Diskussionen beider Seiten im Vordergrund: Zum einen die Angst vor einer wirtschaftlichen und somit finanziellen Verschlechterung der Situation bei einem Austritt, auf der anderen Seite die Furcht vor einer Migrationswelle, falls England in der EU bleibe. Viele werden sich wohl erst am Tag der Wahl für eine Seite entscheiden, so Reynolds. Etwas schärfer formuliert es die 64-jährige Linda Davis, Bad Dürkheim-Beauftragte des Partnerschaftskomitees in Wells und ehemalige Lehrerin. Sie sei sehr für ein Bleiben in der EU, ebenso wie der neue Vorsitzende des Komitees, Richard Hibberd. Jeden Tag trage sie ein T-Shirt mit einem „Remain“-(Bleibe-)Spruch, um auch öffentlich für ihre Meinung einzustehen. Für Davis sei die Brexit-Kampagne eine Enttäuschung gewesen, bei der keine der beiden Seiten bei der Wahrheit geblieben sei. Die Konsequenzen dieser Unwahrheiten seien gravierend gewesen, trauriger Höhepunkt sei die Ermordung der Abgeordneten Jo Cox. Während der Unterbrechung der Wahlkampagne habe Davis ihr „Remain“-Shirt nicht getragen – aus Respekt vor der verstorbenen Politikerin.

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