Gerolsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ehrenamtliche helfen Polizei bei Prävention

Senioren und Telefon: Diese Verbindung taucht immer wieder in der Kriminalstatistik auf.
Senioren und Telefon: Diese Verbindung taucht immer wieder in der Kriminalstatistik auf.

In der Verbandsgemeinde Leiningerland sind vier Sicherheitsberater für Senioren aktiv, darunter Gaby Müller und Irmgard Gurdan aus Gerolsheim. Sie wirken präventiv und als Bindeglied zwischen Bürgern und Polizei.

„Hallo Oma, ich bin’s.“ Über so einen Anruf könnte sich die Seniorin freuen, aber auch nur, wenn am anderen Ende der Leitung tatsächlich der Enkel oder die Enkelin spricht. Wie so ein Anruf der Anfang des sogenannten Enkeltricks sein kann, wissen die meisten, aber viele denken: Das kann mir nie passieren. Was nicht stimmt, wie die Kriminalstatistik beweist. Deshalb und auch zur Vorbeugung gegen andere Straftaten bildet die Polizei Bürgerinnen und Bürger zu Sicherheitsberatern für ältere Menschen aus. Diese sind dann über die neuesten Tricks und Machenschaften krimineller Banden informiert und geben das an die Senioren in ihrer Region weiter.

Die Ehrenamtler fungieren als Bindeglied zwischen Bürgern, Verwaltung und Polizei. Ihre Hauptaufgabe ist es, beim Einkaufen, bei Vereinssitzungen oder Veranstaltungen ein offenes Ohr zu haben – etwa, wenn jemand von „komischen Anrufen“ erzählt – und dann bedarfsgerecht zu erläutern, wie man adäquat reagieren sollte. Die Freiwilligen stellen auch Kontakte zu Institutionen her, die weitergehende Beratung anbieten. Zudem können sie Infoabende oder Vorträge von Experten organisieren.

Kontakte durch Bürgerbus

„Durch meine ehrenamtliche Tätigkeit beim Projekt Bürgerbus habe ich ja ganz viele Kontakte zur älteren Bevölkerung in der Verbandsgemeinde Leiningerland“, berichtet Gaby Müller, warum das weitere Ehrenamt der Sicherheitsberaterin für sie nahe liegt. Auch bei den Seniorennachmittagen schaue sie immer wieder gerne vorbei und komme dann zwanglos ins Gespräch über die „neuesten Trends“ der Betrügerszene.

Perfide sei die Internetkriminalität. Fingierte Bank-Mails, mit denen Passwörter der Kunden abgegriffen werden, seien immer schwerer als Fälschung erkennbar. In der Regel säßen die Hintermänner in Callcentern im Ausland und seien für die hiesigen Behörden kaum greifbar. Am Telefon arbeiten Müller zufolge übrigens in der Regel sehr freundlich auftretenden und akzentfrei Deutsch sprechende Menschen mit psychologischen Tricks, um ihr Gegenüber unter Druck zu setzen. Zum Beispiel mit Schockanrufen. Aktuell trete vermehrt der Unfallanruf auf. Ein Beispiel: „Ihre Tochter ist in einen Verkehrsunfall im Ausland verwickelt und braucht dringend Geld.“ Manchmal gibt sich der Anrufer als Mitarbeiter der internationalen Polizeibehörde aus.

Bei Testdiebstählen in Aktion

Gaby Müller hat kürzlich selbst einen dubiosen Anruf erhalten: angeblich von der Software-Firma Microsoft. Der angebliche Mitarbeiter versuche dem jeweils angerufenen PC-Nutzer weis zu machen, dass sein Computer von Viren befallen sei. So weist er laut Müller zum Beispiel auf einen EDV-Fehlerordner hin und lese daraus einige Codes vor. „Viele wissen leider nicht, dass diese Codes Standardfehler sind, die auf fast jedem Endgerät sind.“

Auch anderweitig sind Sicherheitsberater aktiv, zum Beispiel im Dirmsteiner Edeka-Markt. „Dort war ich schon mal Taschendiebin und habe mit Erlaubnis der Polizei aus offenen Körben oder Taschen die Geldbörsen geklaut“, berichtet Irmgard Gurdan. Die „Opfer“ hätten erschrocken, aber auch dankbar reagiert, als der Testdiebstahl aufgeklärt wurde. Im Supermarkt gebe es häufig Situationen, die von Kriminellen ausgenutzt würden, etwa wenn das Opfer abgelenkt sei oder Gedränge herrsche. Müller und Gurdan geraten immer wieder ins Staunen über den Leichtsinn ihrer Zeitgenossen. So komme es gar nicht selten vor, dass Handtaschen im offenen Kofferraum lägen, während „mal eben schnell“ der Einkaufswagen zurückgebracht werde. Die beiden Frauen sind nicht nur präventiv tätig, sondern helfen im Ernstfall den Opfern. „Häufig stehen die Leute unter Schock, und ich biete dann an, mit zur Polizei zu gehen“, sagt Gurdan.

Bald Infoveranstaltung zum Thema E-Fahrrad

Kriminalität ist zwar ein Schwerpunkt der Arbeit von Seniorensicherheitsberatern, aber der Straßenverkehr ist ebenfalls ein problematisches Thema. Hier hat Gaby Müller schon konkrete Pläne, sie möchte im Frühjahr gemeinsam mit der Verkehrswacht eine Infoveranstaltung über Elektrofahrräder anbieten.

Kontakt

Die Gerolsheimer Sicherheitsberaterinnen stehen auch Bürgern aus anderen Orten unter Telefon 0170 2053686 (Irmgard Gurdan) und 06238 2906 (Gaby Müller) zur Verfügung.

Irmgard Gurdan
Irmgard Gurdan
Gaby Müller
Gaby Müller
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