Dirmstein
Eberle: Gebe alle politischen Ämter ab
Die Fenster des Sitzungssaals im ersten Stock des Sturmfederschen Schlosses waren weit aufgerissen. Von draußen drang die warme Luft eines Spätsommerabends hinein, nach draußen drangen die Stimmen von 13 scherzenden und lachenden Mitgliedern der FWG Dirmstein. Die Atmosphäre vor Beginn dieser Mitgliederversammlung: locker. Am Kopf des Tisches saß, wie so oft, Bernd Eberle, drei Amtszeiten lang Ortsbürgermeister der Leiningerland-Perle sowie Vorsitzender der Freien Wähler in der rund 3000 Einwohner großen Gemeinde.
Auch wenn die Mitglieder an diesem Abend gut gelaunt waren, gibt es derzeit einige Dinge, die der FWG auf den Magen schlagen dürften: Da ist einerseits der Frust über die Langsamkeit der Verwaltung der VG Leiningerland und der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, den sich die Mitglieder im Laufe des Abends wieder einmal von der Seele reden mussten. Zugleich hatte sich im Sommer eine neue politische Kraft in Dirmstein gebildet, die Initiative Dirmstein, die vor allem aus ehemaligen CDU-Mitgliedern besteht und bei der Kommunalwahl 2024 zur Wahl des Gemeinderats in Konkurrenz zur FWG antreten möchte. Für die Freien Wähler dürfte es ohnehin ein aufregendes Wahljahr werden, müssen sie sich doch personell neu aufstellen.
Eberle will FWG-Mitglied bleiben
Denn was intern Bernd Eberle zufolge schon klar war, hatte der Ortsbürgermeister am Freitag öffentlich gemacht: „Ich bleibe weiterhin FWG-Mitglied, werde aber meine politischen Ämter mit Ende der Legislaturperiode nach 14 Jahren niederlegen“, sagte er am Ende der Versammlung. Nach 49 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeiten sei es seiner Meinung nach legitim, sich zurückzuziehen.
Ein paar Momente vorher war er bereits für die Neuwahl des Vorstands nicht mehr angetreten. „Ich habe schon vor anderthalb Jahren gesagt, dass ich mich politisch zurückziehen möchte. Jetzt wird es höchste Zeit, die Dinge in jüngere Hände zu geben“, erklärte er sich vor der Wahl zum neuen Vorsitzenden. Als sein Nachfolger ist einstimmig Christian Arenth gewählt worden, der seit Mai auch stellvertretender Vorsitzender des VdK-Ortsverbands ist. Arenth, der bei der Kommunalwahl 2019 auf Listenplatz elf stand, war 2021 in den Gemeinderat für Julia Metzger-Breßler nachgerückt. Der 51-jährige Schreiner ist nach eigenen Angaben seit etwa fünf Jahren Mitglied der FWG Dirmstein. Bei der Vorstandswahl musste auch ein Nachfolger für Kassenwärtin Brigitta Enderling gefunden werden, die im Juli plötzlich verstorben war und der zu Beginn der Versammlung gedacht wurde.
Offen geblieben ist am Freitag, wer bei der Kommunalwahl in die Fußstapfen von Eberle treten wird und für den Posten des Ortsbürgermeisters kandidieren will. Bis Jahresende hat sich die FWG selbst Zeit gegeben, jemanden zu finden. Auch nach dem offiziellen Ende der Mitgliederversammlung drangen am Freitag die Stimmen der Mitglieder noch aus den offenen Fenstern nach draußen auf den Marktplatz. Der Redebedarf dürfte groß sein.
Vorstand
Vorsitzender Christian Arenth, Stellvertreter Stefan Schweizer, Kassier Matthias Körber, Schriftführer Oliver Keiser, Beisitzer: Bianca Albrecht, Frank Reber, Ingrid Scheffner
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