Gerolsheim
Doppelhaushalt ohne Sorgen
Ein Haushaltsüberschuss von rund 30.000 Euro in diesem und von 172.000 Euro im nächsten Jahr, das hört sich nicht schlecht an. Erst recht nicht im Zusammenhang mit 2,26 Millionen Euro, die Gerolsheim Ende 2026 auf der hohen Kante, das heißt auf dem Gemeinschaftskonto der Verbandsgemeinde Leiningerland haben wird. Außerdem wird sich das Eigenkapital der Kommune bis 2028 auf 9,37 Millionen Euro erhöhen. Und die Freie Finanzspitze, die auch gegenüber der Aufsichtsbehörde dokumentiert, was sich eine Gemeinde noch alles leisten kann, wird nach Berechnungen der Verwaltung im nächsten Jahr mehr als 222.000 Euro betragen.
Das alles und noch mehr legte in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch Carmen Hochstein von der Finanzabteilung der Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland dar. Für die umfangreichen, aber keineswegs ermüdenden Erläuterungen ihrer Planung bekam sie im Gerolsheimer Rathaus Beifall und Lob. Denn sie hatte das mit Blick auf diejenigen gemacht, die ganz neu im Rat sind und sich vielleicht noch nie mit einem Gemeindehaushalt befasst hatten. Und weil das Gremium gemeinsam mit dem Werkausschuss tagte, kamen noch weitere Bürgervertreter in den Genuss ihres Vortrags. Am Ende stand die einstimmige Annahme des Doppelhaushalts.
Grundsteuer ist Gesprächsthema im Dorf
Simone Ulrich (FWG), die zwar keine Gemeinderatsanfängerin, aber neu im Amt der Ortsbürgermeisterin ist, freute sich ebenfalls über Hochsteins Präsentation. Den Kommentar eines Anwesenden, dass Gerolsheim im Vergleich mit anderen Nachbargemeinden ganz gut dastehe, schien sie nicht so gern zu hören. So ein Vergleich helfe nicht weiter, meinte sie sinngemäß. Man müsse trotzdem immer schauen, dass man die eigene Situation verbessere.
Ulrich berichtete, sie werde von Einwohnern oft auf die Belastung durch die Grundsteuer angesprochen. Die Erhöhung der Hebesätze für diese Steuer, die den Kommunen zusteht, ist seit Jahren landauf, landab ein großes Thema, weil sich Stadt- und Dorfparlamente vielfach vom Land dazu gezwungen sehen. Für Gerolsheim gelte, so Ulrich, „dass wir uns an dem orientieren, was sein muss“, das heißt an den Nivellierungssätzen des Landes. Für Baugrundstücke gilt aktuell ein Hebesatz von 465 Prozent. Oft seien Klagen von Grundstückseigentümern aber auch auf die Grundsteuerreform zurückzuführen, weniger auf die Hebesätze, meinte Carmen Hochstein.
Blicken wir aufs laufende Haushaltsjahr. Von den Gerolsheimer Erträgen in Höhe von 3,83 Millionen Euro stammen laut Hochsteins Plan 1,98 Millionen aus Steuereinnahmen. Der größte Batzen ist der Gemeindeanteil an Einkommen- und Umsatzsteuer. Auf der Gegenseite, den Aufwendungen, heißen die großen Brocken: Personalkosten sowie Umlagen an Kreis und VG. Zum Ausgleich des Werteverzehrs beim Sachvermögen muss die Gemeinde knapp 210.000 Euro erwirtschaften.
Viele Freiwillige Leistungen
Ob Bauhof, Kita, Spielplätze, Sportplatz oder Straßen: An vielen Stellen sind jedes Jahr Reparaturen oder Ersatzbeschaffungen nötig. Das sind Pflichtaufgaben und die summieren sich 2025 allein bei den außerordentlichen Unterhaltungsmaßnahmen auf über 100.000 Euro. Davon abzugrenzen sind investive Ausgaben. Der Unterschied ist für Laien nicht immer nachvollziehbar. Gerolsheim schnürt in diesem Jahr ein Investitionspaket von 185.500 Euro. Das meiste verschlingt der Ausbau des Wirtschaftswegs, der den Anschluss an den neuen Radweg an der K24 bilden soll. Im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) wird die Heizung modernisiert, im Fliederweg werden neue Spielgeräte installiert.
Kredite muss und darf die Kommune dafür nicht aufnehmen, weil sie laut Hochstein noch Rücklagen hat. Ende des Jahres werden sich die laufenden Darlehen auf 132.500 Euro reduziert haben. Freiwillig leistet die Gemeinde den Bürgern recht vielfältige Dienste. So macht sie zum Beispiel in diesem Jahr 166.000 Euro locker, weil Grünflächen, DGH und Friedhof nicht kostendeckend betrieben werden.