Nachgeschenkt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Wochenkolumne: Ein Jahr Corona

Vor einem Jahr pilgerten Tausende durch die Weinberge.
Vor einem Jahr pilgerten Tausende durch die Weinberge.

Zwischen Volksfest und Lockdown

„Kann mein Mann noch bedenkenlos in die Sauna?“ Diese interessante Frage hat eine Leserin angesichts einer beginnenden Corona-Welle vor gut einem Jahr beim RHEINPFALZ-Lesertelefon ans Gesundheitsamt gerichtet. Es waren denkwürdige Tage im März 2020, an die sicher jeder und jede von uns noch Erinnerungen hat. Damals hatten die Maßnahmen gegen das Coronavirus begonnen, massiven Einfluss auf das öffentliche und das persönliche Leben zu nehmen.

Wie kurz die Spanne zwischen Normalität und Ausnahmezustand damals war, lässt sich an zwei lokalen Ereignissen verdeutlichen: Am 6. und 7. März 2020 feierten Tausende Menschen noch recht unbeindruckt von ersten Corona-Fällen im benachbarten Wachenheim die Dürkheimer Weinbergsnächte. Mit Desinfektionsmittel für die Hände aber ohne jeden Abstand ging’s gesellig durch die illuminierten Weinberge. Maske tragen? Einlassbeschränkungen? Das war damals ganz weit weg. Keine zwei Wochen später appellierte der Dürkheimer Landrat: „Bleiben Sie zu Hause“. Plötzlich war Spazierengehen mit möglichst wenig Menschen die einzig erlaubte, wenn auch kritisch beäugte Freizeitbeschäftigung. An öffentlichen Plätzen war das Flanieren maximal zügig gestattet – und bitte ohne jemanden allzu lange zu grüßen. Zwischenmenschliche Kontakte als potenzielle Gefahr anzusehen, war innerhalb weniger Tage zu einer neuen Normalität geworden.

Was zwischen dem Volksfest in den Weinbergen und dem ersten Lockdown passierte, war geprägt von Unsicherheit und aus heutiger Sicht schon rührender Naivität. So sah das Gesundheitsamt erstmal keine Gefahren in der Sauna und die RHEINPFALZ-Redaktion fragte bei den früh nach einem Corona-Fall unter Quarantäne gestellten Erzieherinnen, Eltern und Kindern der Wachenheimer Kita Pusteblume nach, wie sie sich, jetzt so isoliert, die Zeit vertreiben. Eine berechtigte Frage, sicher. Aus heutiger Sicht war diese Isolation aber nur ein bitterer Vorgeschmack auf das, was in verschiedenen Stufen auf alle zukommen werden würde und bis heute anhält. Ende? Noch nicht in Sicht.

Die Sauna-Frage der Leserin an das Gesundheitsamt sollte sich bereits nach weniger als einer Woche von selbst erledigt haben, das Schwimmbad war dann nämlich geschlossen. Andere Fragen blieben und bleiben bis heute offen – nach einem Jahr mit Corona.

Keine zwei Wochen später waren selbst Spaziergänge reglementiert.
Keine zwei Wochen später waren selbst Spaziergänge reglementiert.
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