Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Der Schorsch von nebenan als Fernsehstar

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Nachklapp: Was wir von Live-Übertragungen aus Kommunalparlamenten wohl auch zu erwarten hätten

Man kann es halt nicht ändern, im Moment. Das „Leben“ ist zum großen Teil ins Internet gewandert. Arbeit im Homeoffice, Konferenzen im Video-Stream und so weiter. Wenn man schon da sitzt, könnte man sich doch auch noch schnell über die örtliche Kommunalpolitik informieren und eine Ratssitzung live verfolgen. Oder nicht?

Im Kreistag hat die AfD das zuletzt vorgeschlagen, und auch in Haßloch und Speyer ist die Partei die treibende Kraft bei dem Thema. Andernorts gibt es die Live-Übertragung tatsächlich, beispielsweise in München. Allerdings mit Einschränkungen, die von datenschutzrechtlichen Bestimmungen abhängen, in diesem Fall von den bayerischen. Beim Live-Stream sind nämlich länderspezifische Regeln zu beachten.

„Mei, is des ein Deppenhaufen“

Dennoch: Auch in Bayern läuft es nicht überall rund mit den Live-Übertragungen. In Ingolstadt ist der Livestream zum Beispiel schnell wieder abgeschaltet worden. Anlass war ein despektierlicher Kommentar des Bürgermeisters: „Mei, is des ein Deppenhaufen“, war der CSU-Mann da zu vernehmen. Kreizkruzefix, himmeherrgott. Da muss man sich schon in Acht nehmen und seine Worte genau wählen, wenn das alles live in der ganzen Welt zu sehen ist.

Ob das die Pfälzer besser drauf haben als die Bayern? Sicher ist: Einen „Deppenhaufen“ gibt es hierzulande nicht. Vielleicht Dummbabbler. Oder Dabbschädel. Und das im Rat auch höchstens ganz leise.

Dröge wie Deutschlands schönste Bahnstrecken?

Grundsätzlich ist die Transparenz, der ein Live-Stream dienen soll, zu befürworten. Die Bürger sollen schließlich für Kommunalpolitik interessiert werden. Aber wir wissen auch: Manche Sitzungen sind dröge wie einst „Deutschlands schönste Bahnstrecken“ im ARD-Nachtprogramm und reißen den Zuschauer so vom Fernsehsessel wie das Testbild, an das sich die Älteren unter uns noch gut erinnern. Das passiert selbst im Haßlocher Rat, der bekannt ist für seine disputierfreudigen Mitglieder. Bei einer langweiligen Tagesordnung bestünde die Gefahr, dass das TV-Publikum weiterzappt zu Fußball, Action oder Shows. Aber es geht auch anders: Wenn bei strittigen Themen Emotionen hochkochen, Ratsmitglieder sich die Köpfe heißreden und die Fetzen fliegen, wäre das gut für die Quote. Doch Sternstunden der Fernsehunterhaltung würden wir beim Rats-TV kaum erleben. Eher zu befürchten wären längere Sitzungen. Denn mit der Anwesenheit von Kameras steigt bei manchen Zeitgenossen das Bedürfnis, Sonntagsreden zu halten. Beim Unterhaltungswert könnte ein Live-Stream mit TV-Shows nicht mithalten, beim Überziehen schon. Wetten, dass?

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