Kreis Bad Duerkheim Der gerne was vom Pferd erzählt

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Wer’s noch nicht spitzgekriegt hat, liebe Leserinnen und Leser: Bruce Willis zieht doch nicht nach Wachenheim. Mit diesem Aprilscherz im Juli hat Anfang der Woche Frank Mehlmer fragwürdige Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Mann ist Stadtratsmitglied in Wachenheim und gerade 52 Jahre alt geworden. Was ihn nicht davon abhielt, sich in spätpubertärer Anwandlung einer Internetplattform zu bedienen, die ihre Nutzer bewusst dazu animiert, sogenannte Fake News zu verbreiten. Das ist mit Donald Trump leider hoffähig geworden. Obwohl es ursprünglich auf einen deutschen Adligen aus dem 18. Jahrhundert zurückgeht. Fake News, das sind im Web-Zeitalter Falschnachrichten. Da der Kolumnist sein journalistisches Handwerk erlernt hat, bevor es Mode wurde, Dinge „politisch korrekt“ zu verklausulieren, nennt er sie beim alten Namen in jenem des Baron von Münchhausen: Fake News sind schlicht: Lügengeschichten. Unterhaltungswert: bescheiden. Aber Mehlmer hat gerade Ferien und kann seine „Kreativität ausleben und Spaß haben“. So jedenfalls hat er es gegenüber unserer Online-Redaktion von sich gegeben, die dem Märchenonkel auf den Zahn fühlte. Und weil ihm auf jener Plattform (nein, nicht auf die Qualität ihrer Scherze bezogen) der Fake von Olivia Jones so gut gefallen hat: Der/die buchstäblich wie ein bunter Fernsehhund bekannte Travestiekünstler/Drag Queen habe sich als OB in Ludwigshafen beworben. Man lacht sich schier schlapp. Na ja, zumindest wohl Mehlmer. Und so hat er sich halt die „Ente“ mit US-Kino-Haudegen Bruce Willis einfallen lassen, der in die edle Villa Böhm in Wachenheim ziehen werde. Wie schmal der Grat zwischen Fakt und Fake ist, lässt sich derweil nicht nur an dem einen Buchstaben ausmachen, der nicht-Anglizismen-feste durchaus verwirren mag. Auch seriöse Medien wie Radio Regenbogen, SWR1 und SWR4 rannten Wachenheims Bürgermeister Torsten Bechtel quasi die Bude ein. Erst am Telefon, später leibhaftig mit Mikrofon. „Einige Stunden lang“ sei er damit beschäftigt gewesen, sagte er auf Nachfrage. Na ja, jeden Tag so ein „Knüller“, und die Verwaltung steht vor dem Kollaps. Nachdem Frank Mehlmer unserem Online-Kollegen zunächst noch ein bisschen weiter was vom Pferd erzählt hatte, münzte er seinen medialen Pennälerstreich zum „Feldversuch“ um, „sozusagen eine Eulenspiegelei“. Eigentlich sei es bedenklich, wie einfach eine solche Fake News zu erstellen und zu verbreiten sei. Nein: Dass ein 52-Jahriger, der mit einem politischen Mandat und damit einer gewissen Verantwortung betraut ist, um rein um des Gags willen Schwachsinn verbreitet – das ist bedenklich. Feldversuch! Es gäbe sicher Betätigungsfelder, wo man Kreativität für Wachenheim tatkräftiger und sinnvoller ausleben könnte. Dabei hätte es dieses neuerlichen Geistesblitzes gar nicht mehr gebraucht, um darzustellen, welch Ideengenie der Mann ist. Das hatte er schon bewiesen, als er zu ähnlich pseudo-soziologischen Selbstforschungszwecken verbreitete, die frühere Weinstube Wachtenburg würde zum Asylbewerberheim umsaniert. Dem lokalen Internetportal „wachtenblog“, der „durchaus seriös ist“ (O-Ton Mehlmer), hat er als Mitautor erneut einen Bärendienst erwiesen. Und der Wachenheimer Liste, für die er im Stadtrat sitzt, wohl ebenso. Wer kann denn künftig noch ernst oder für bare Münze nehmen, was er hier wie dort so los lässt? Kein gefaketes Wochenende wünscht Ihnen PS: Wir sprechen uns beileibe nicht davon frei, in manchen Fällen falsch oder verkehrt zu berichten. Aber Fakes, also bewusst Falsches oder Erfundenes als vermeintliche Fakten lesen Sie bei uns auch künftig allenfalls am 1. April. Und auf der Lokalseite 1 am Fasnachtsdienstag. Versprochen.

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