Kreis Bad Duerkheim „Da fehlt was“

91-87188310.jpg

Noch dreieinhalb Wochen hat der Seniorentreff in Wachenheim geöffnet, dann schließt die Stube in der Weinstraße für immer (wir berichteten). Zuletzt kamen dienstags und donnerstags noch eine Handvoll Besucher zusammen. Sie trifft die Schließung hart. Ein Stimmungsbild.

„Früher war hier alles voll“, erzählt Lothar Helbig, zweiter Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Wachenheim, die den Seniorentreff ausgerichtet hat. Helbig zeigt auf die leeren Tische, auf die verwaisten Stühle mit den rosa Sitzkissen. Nur ein Tisch ist noch besetzt, vier Damen sitzen gemeinsam mit Helbigs Frau Christina daran, essen Zwetschenkuchen und trinken Kaffee aus braun-weiß gestreiften Tassen. „Ach, was war das als schön hier, so gesellig“, erinnert sich Margot Efferz und seufzt. Sie und vier bis sechs weitere Frauen halten auch noch in den letzten Tagen des Seniorentreffs die Stellung, kommen dienstags und donnerstags zum Erzählen und gemütlichen Beisammensein. „Man wird ja stumpfsinnig, wenn man nur zu Hause sitzt“, sagt die 78-jährige Efferz. Über Gott und die Welt reden, über kleine Wehwehchen, die Enkel und Obsterträge plaudern, dabei ein Stück Kuchen essen, später am Tag vielleicht ein Gläschen Wein trinken – für die Senioren ist der Treff auch ein Stück Kontakterhalt nach außen. Seit Ende der 1980er-Jahre hatte der Seniorentreff seine Heimat in der Weinstraße 59a. „Aber nun rechnet es sich nicht mehr“, sagt Helbig. 350 Euro Miete plus Unkosten müsse die Awo für die Räumlichkeiten bezahlen. „Die Mitglieder sterben uns weg. Und die Jungen, die man anredet, die 60- bis 70-Jährigen, die sagen: ,Wir sind noch net so alt.’“ Irmgard Herberich (86) kommt seit über 30 Jahren in den Seniorentreff. „Ich bin traurig, dass er schließt. Ich darf gar nicht dran denken, dann kommen mir die Tränen“, sagt sie und muss sich die feuchten Augen wischen. Früher hat sie selbst geholfen, die Besucher zu bedienen und, wenn alle gegangen waren, den Treff sauberzumachen. Josephine Feldmann nimmt sogar fast eine Stunde Fahrzeit mit Bus und Bahn auf sich, um zu den Treffen zu kommen. Denn die gebürtige Wachenheimerin wohnt mittlerweile in Königsbach. „In 20 Jahren habe ich kein einziges Mal gefehlt, ob’s geregnet hat oder geschneit“, erzählt die 86-Jährige. Der Seniorentreff stellt für sie eine Verbindung zur alten Heimat dar: „Sonst kriegt man ja gar nichts mehr mit. Ich bin ja nicht zu Hause eingesperrt, aber ohne den Seniorentreff – da fehlt was.“ Etwas fehlen, das wird auch Christina Helbig. Sie und ihr Mann haben 26 Jahre lang eine Gaststätte betrieben, in den vergangenen Jahren dann den Seniorentreff. „Wir sind immer an Leute gewöhnt. Es ist furchtbar, wenn man dann da alleine daheim sitzt“, sagt die 69-Jährige. Sich nach der Schließung der Stube noch weiter regelmäßig zu treffen, dafür sehen die Senioren keine Möglichkeit. „Wo denn?“, fragt Veronika Biehl (72). „Ich wünsche mir einfach, dass der Seniorentreff bleibt“, meint Herberich. Doch einen Nachmieter für die Räume gibt es schon, ab Oktober zieht der ein. Geöffnet hat der Treff noch bis Ende des Monats. |hn

Mehr zum Thema
x