Elmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Corona beschert Ehrat’s Backhaus 30 Prozent weniger Umsatz

Frisch aus dem Ofen: Simone Ehrat-Memier und Bäckermeister Florian Baumann in der Filiale in Neustadt.
Frisch aus dem Ofen: Simone Ehrat-Memier und Bäckermeister Florian Baumann in der Filiale in Neustadt.

BETRIEBE IN ZEITEN VON CORONA: Wie viele Handwerksbetriebe hat Ehrat’s Backhaus GmbH, Großbäckerei in der Region mit dem Sitz in Elmstein, an den Folgen der Pandemie ganz schön zu knabbern. „Über 30 Prozent Umsatzeinbußen im Schnitt“, rechnet Geschäftsführerin Simone Ehrat-Memier vor.

Die umsatzstarken Sitzcafés der Bäckerei Ehrat in den Bahnstationen Neustadt und Bad Dürkheim und in der Filiale Lambrecht sind seit Monaten geschlossen. Über 135 Bewirtungsplätze, an denen auch kleinere Speisen und, so wie in Lambrecht, sogar Tagesessen serviert werden, sind verwaist. Während die Fix-Kosten weiterlaufen, bleibt die Bestuhlung im Innen- und Terrassenbereich in Neustadt (30 Plätze) und Lambrecht (25) hochgeklappt. Dazu leide der „normale“ Brot- und Backwarenverkauf unter der fehlenden Laufkundschaft, ergänzt Ehrat-Geschäftsführerin Simone Ehrat-Memier. An den Bahnhöfen fehlen Schüler und Pendler. Und die Innenstädte sind leer.

„Das trifft die Filialen Neustadt oder Bad Dürkheim genauso wie Freinsheim oder Edenkoben“, erklärt Ehrat-Memier. Sie hat den Brotkorb in allen Läden höher gehängt und die Öffnungszeiten an Werktagen um eine, an Wochenenden um zwei Stunden verkürzt. Dies gilt auch für den in Hambach fest stationierten Verkaufswagen.

Dankbar gegenüber Mitarbeitern

„Seit dem Ausbruch von Corona erwartet uns täglich ein neuer Kampf und eine neue Herausforderung. Ich mache mir ständig Gedanken, wie es weitergeht“, sagt die 37 Jahre alte Chefin besorgt.

Die gelernte Steuerfachangestellte arbeitet seit 2002 im Familienbetrieb und hat vor einigen Jahren die Geschäftsführung für die Produktionsstätte in Elmstein und die neun Filialen in der Vorderpfalz von ihren Eltern Hans-Günter und Monika Ehrat übernommen. Simone Ehrat-Memier trägt Verantwortung für insgesamt 76 Mitarbeiter, davon sind neun in der „Backstube“ am Firmensitz in der Elmsteiner Hauptstraße beschäftigt.

„Ich bin allen meinen Mitarbeitern außerordentlich dankbar, dass sie die erforderlichen Maßnahmen und Einschränkungen problemlos mittragen und das strenge Hygienekonzept beachten und befolgen“, sagt sie. „Sieben Stunden fast ununterbrochen eine Maske zu tragen, ist nicht gerade angenehm“. Dabei habe der gesamte Bäckereibetrieb bereits eine Maskenpflicht eingeführt, als sie offiziell noch gar nicht vorgeschrieben gewesen sei. Ehrat-Memier bemängelt in diesem Zusammenhang zwar die schleppenden Verordnungen der Landesregierung, lobt aber auch die „hervorragende Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und Ordnungsämtern“.

Vater im Allgäu, Tochter in der Pfalz

Von allen Bäckern, Verkäuferinnen und Verkäufern, Küchenkräften, Fahrern oder Reinigungskräften befinden sich nach Absprache und im Wechsel 16 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Hauptsächlich derzeit nicht benötigtes Küchenpersonal. Entlassen wurde bislang niemand. Vorübergehend mussten laut der Geschäftsführerin drei Beschäftigte in Quarantäne, weil sie mit Corona-Infizierten in Kontakt gekommen waren, die anschließenden Tests aber waren negativ. Beim ersten Lockdown erhielt der Bäckerei-Betrieb zur Unterstützung die von der Bundesregierung festgelegte Soforthilfe in Höhe von 9000 Euro.

Simone Ehrat-Memier, deren Arbeitstag von morgens 2.30 Uhr bis in den Nachmittag reicht, führt das Familienunternehmen in fünfter Generation. Ihr Großvater Emmerich Ehrat betrieb einst in der Neustadter Amalienstraße mit seiner Frau Hilde eine kleine Bäckerei und siedelte 1970 aus Platzgründen nach Elmstein über. „Letztes Jahr im Oktober haben wir 50 Jahre Firmensitz in Elmstein gefeiert“, erzählt Enkelin Simone stolz.

Ihr Vater Hans-Günter übernahm 1985 das Unternehmen und baute das Filialnetz in der Vorderpfalz aus. Die Begeisterung fürs Allgäu und die Berge verschlug den rührigen Bäcker-und Konditormeister aber nach Oberstdorf, wo er im August 2001 im dortigen Bahnhof eine neue „alpenländische“ Ehrat’s Backhaus-Filiale eröffnete. Mittlerweile lebt der Seniorchef im Kleinwalsertal, Tochter Simone Ehrat-Memier trägt die alleinige Verantwortung in der Pfalz.

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