Gerolsheim
Context Consulting: Spezialist in Sachen Wissensmanagement
Im Juni hat die Jury von „Top-Consultants 2022“ 100 Firmen der Beraterbranche ausgezeichnet. Gabi Lorenz ist eigentlich gar nicht so erpicht darauf, an solchen Wettbewerben teilzunehmen, weil der Aufwand mitunter groß sei, „aber wir wollen auch wissen, wo wir stehen“, sagt die 50-Jährige, deren Firma Context Consulting 2021 Platz zwei beim Europäischen Trainerpreis des Berufsverbands für Training, Beratung und Coaching erreichte, und zwar mit dem BASF-Projekt „Wissensmanagement in der Produktion“. Das Chemieunternehmen ist nicht der einzige große Name, den Lorenz auf die Frage nach ihren Kunden nennt. Auch für Daimler, ABB oder Heidelberg Zement war Context Consulting schon tätig. „Wir haben aber auch mittelständische Kunden, das ist uns wichtig“, sagt die Gerolsheimerin.
Firma seit 2019 in Gerolsheim
Gabi Lorenz ist an der Weinstraße aufgewachsen und hat in Landau Betriebspädagogik studiert. Seit 1994 arbeitet sie als Beraterin, Moderatorin und Organisationsentwicklerin. Die zweifache Mutter machte sich 2010 in Frankenthal selbstständig und zog mit Context Consulting 2019 nach Gerolsheim in ein Haus, das Firmensitz und Wohnung zugleich ist. Ihr Team aus acht in Beratung und Führung erfahrenen Freiberuflern sowie zwei Büroangestellten hat sich spezialisiert auf die Begleitung von betriebsinternen Veränderungsprozessen mit den Schwerpunkten Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Wissensmanagement.
Lorenz gibt ein Beispiel: Als Daimler in Rumänien ein neues Werk aufbaute, bestand die Aufgabe der Gerolsheimer Berater darin, aus der unerfahrenen Mannschaft heraus eine Führungsebene zu bilden und ein Team zu formen, das sich selbst eigenverantwortlich organisieren und steuern kann. „Es kann aber auch sein, dass ein Unternehmen Konzernteile verkaufen will und wir die Mitarbeiter auf diese Veränderung vorbereitet sollen“, sagt Lorenz.
„Space Cowboys“ geben Erfahrung weiter
Recht früh hatte Context Consulting den demografischen Wandel als Problem der Wirtschaft auf dem Schirm, genauer gesagt die Notwendigkeit, dass das wertvolle Wissen der Ruheständler auf den Nachwuchs übertragen werden muss – und das zum Teil unter erschwerten Bedingungen. Denn, so die Erfahrung von Gabi Lorenz, wegen des Fachkräftemangels stellen Firmen zunehmend Quereinsteiger ein, die in dem Berufsfeld ohnehin noch viel lernen müssen, oder sie haben es mit jungen Leuten zu tun, die keine volle Stelle oder gern alle paar Jahre eine Auszeit nehmen möchten. Auch dafür haben sich Lorenz und ihre Kollegen Konzepte und Methoden angeeignet. „Space Cowboys werden immer stärker nachgefragt“, sagt Lorenz. Damit sind – in Anspielung an einen Film von Clint Eastwood – Rentner gemeint, die für Spezialaufträge ins Unternehmen zurückgeholt werden und den Jungen zeigen, wie so etwas geht.
Konkurrenz um Fachkräfte ist groß
Zum allgemein bekannten Fachkräftemangel in der deutschen Wirtschaft kommt der Mangel an Führungskräften, berichtet die systemische Beraterin, die in Transaktionsanalyse ausgebildet ist und auch als Coach tätig ist. Wieder ein Beispiel: Eine Firma möchte eine hoch qualifizierte Fachkraft in eine Führungsposition bringen, doch der fehlt es an Sozialkompetenz. „Dann heißt es: Arbeiten Sie doch bitte mit dieser Person“, so Lorenz. Der Mittelstand in der an Großunternehmen reichen Metropolregion hat es ihrer Beobachtung nach wegen der starken Konkurrenz um Fachkräfte besonders schwer.
Den Erfolg ihrer Unternehmensberatung macht die 50-Jährige, die den Jahresumsatz mit 700.000 bis 800.000 Euro angibt, an der breiten Methodenkompetenz und den vielen Weiterbildungen fest. „Wir werfen den Blick auch gern mal ins Silicon Valley“, sagt sie. Und die akribische Klärung eines Auftrags im Vorfeld zusammen mit dem Kunden trage zum Gelingen bei. Trotzdem: „Das ist ein hart umkämpfter Markt“, sagt die Beraterin. „Bei jedem Auftrag muss man alles leisten. Wer am Ende vom Kunden nicht die Note eins oder zwei bekommt, ist draußen.“