Kreis Bad Duerkheim Biffar auf Sanierungskurs

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Für die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene J. Biffar & Co GmbH in Deidesheim hat das Amtsgericht Neustadt das Verfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Im Gegensatz zu einem Insolvenzverfahren wird dabei kein Insolvenzverwalter bestellt. Die Geschäftsführer Hubert Hirschbil und Lilli Biffar-Hirschbil führen den Betrieb auf Grundlage eines Sanierungskonzepts weiter, begleitet von einem gerichtlich bestellten Sachwalter.

„Mit dem Antrag auf Einleitung eines Verfahrens in Eigenverwaltung wollten wir einer drohenden Insolvenz zuvorkommen“, sagte Hubert Hirschbil auf Anfrage. Das Unternehmen, es handelt sich um die Betreibergesellschaft der Kandiermanufaktur, sei in der jüngeren Vergangenheit unter massiven Preisdruck geraten. Bei Biffar werden pro Jahr rund 280 Tonnen Ingwer und 150 Tonnen Früchte verarbeitet. Sie gehen vor allem an den Fach- und Lebensmittelgroßhandel. Einen Auftrag für einen großen Kunden habe man nicht mehr wahrnehmen können, weil dessen Preisvorstellungen für Biffar nicht zu akzeptieren gewesen seien. Auch habe die Schwäche des Euro dem Unternehmen zu schaffen gemacht, so Hirschbil. Die Container mit Ingwer müssten in Dollar bezahlt werden. Obwohl in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro in eine neue Halle, Maschine und Energiezentrale investiert worden waren, werde man weiter rationalisieren müssen. In der Manufaktur werde noch viel von Hand gearbeitet. Restrukturierungsmaßnahmen seien eingeleitet. Darüber hinaus liefen vielversprechende Verhandlungen mit Investoren. Es gebe derzeit zwei Interessenten für eine Übernahme, sagte Hirschbil. Er hofft, dass es noch im Frühjahr zu einem Vertragsabschluss kommen wird. Bei einer Sanierung seien die Vorstellungen von Investoren zu berücksichtigen. Ziel des Verfahrens in Eigenverantwortung sei es, die Konzepte der Investoren bestmöglich umzusetzen und den Geschäftsbetrieb zu erhalten. Der Standort in Deidesheim solle bestehen bleiben. Damit könnten letztlich „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“ werden, sagt Hirschbil. Denn auch die Frage der Nachfolge für das Unternehmer-Ehepaar Biffar-Hirschbil sei zu beantworten. Hubert Hirschbil ist 64 Jahre alt, Lilli Biffar-Hirschbil 54. Derzeit sind bei Biffar 27 Mitarbeiter beschäftigt. Die Belegschaft ist derzeit saisonal bedingt eher niedrig, weil die Hauptproduktion in den Monaten September bis Januar läuft. Der Umsatz ist laut Hirschbil zuletzt auf zwei Millionen Euro im Jahr zurückgegangen, im Jahr 2014 hatte er noch bei 2,5 Millionen Euro gelegen. Das Verfahren in Eigenverwaltung beinhaltet, dass die Geschäfte von einem Sachwalter geprüft und überwacht werden. Dazu hat das Amtsgericht Neustadt den Rechtsanwalt Karl-Heinrich Lorenz aus der Mannheimer Kanzlei Pabst, Lorenz und Partner bestellt. Beraten wird die Biffar-Geschäftsführung außerdem von dem Sanierungsexperten Peter Depré von der Depré Rechtsanwalts AG, ebenfalls Mannheim. „Der Geschäftsbetrieb läuft unverändert weiter“, informierte Hirschbil gestern. Der Betriebsrat und die Mitarbeiter des Unternehmens würden in Belegschaftsversammlungen von der Geschäftsleitung, deren Berater und dem Sachwalter über das Verfahren regelmäßig informiert. Das im Jahr 1890 gegründete und seither im Familienbesitz gebliebene Unternehmen Biffar stellt kandierte und schokolierte Früchte, Ingwerprodukte, Pralinen und Gelees her. Exportiert wird in 13 Länder, unter anderem nach Großbritannien, in die USA und Japan. In Deidesheim sind die Biffar-Produkte in einem eigenen Verkaufsladen erhältlich. (ff)

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