Dirmstein
Bewässerungsidee eines Landwirts wirft Fragen auf
Ein Landwirt will nordwestlich von Dirmstein in der Gewanne Colgensteiner Eck einen Wasservorrat für seine Felder anlegen. Er reicht bei der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Leiningerland unter anderem eine Zeichnung ein, auf der man drei abgestuft hintereinanderliegende rechteckige Becken sieht. Zusammen verbrauchen sie eine Fläche von 12.600 Quadratmetern. Einen „kaskadierten Bewässerungsspeicher“ nennt die Verwaltung das Vorhaben. Dem Ansinnen stehe wohl nichts entgegen, heißt es sinngemäß in der Beschlussvorlage für den Ausschuss. Und das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum bescheinigt dem Landwirt, dass der Bau eines Wasserreservoirs plus Anschaffung eines modernen Gießwagensystems unumgänglich seien, wenn er seine Dirmsteiner Kulturflächen im Sommer nachhaltig und effizient bewässern wolle.
Doch der Bürgermeister und seine beiden Beigeordneten sind skeptisch. Mehr als 75.000 Kubikmeter sollen die 9,70 Meter tiefen, mit Folie ausgekleideten Teiche fassen und in trockenen Sommern 45 Hektar Ackerland feucht halten. Das Wasser dafür soll im Herbst und Winter über einen nahegelegenen Brunnen dem Grundwasser entnommen und gespeichert werden. Der für Landwirtschaft zuständige Beigeordnete Ulrich Schneider (FWG), selbst Erzeuger von unter anderem Kartoffeln, hakt nach und will mehr wissen über dieses Bewässerungsmodell, das in der Vorderpfalz nicht üblich ist.
Er weiß, dass die Grundwasserbrunnen in der Umgebung mit jedem anhaltend heißen Sommer mehr an ihr Limit kommen. Er hält die in den Unterlagen angegebene Wasserentnahmestelle S001793 für ungeeignet. Auch Bernd Eberle (FWG), Ortsbürgermeister und Obstbauer, hat Zweifel. „Noch nie wurde in der Region ein Brunnen für so eine große Entnahmemenge genehmigt“, sagt er. „Um 75.360 Kubikmeter Grundwasser in die Becken zu bringen, müsste der Brunnen an 60 Tagen rund um die Uhr in Betrieb sein.“
Gräbt der Landwirt anderen das Wasser ab?
Ist das vom wasserwirtschaftlichen Aspekt her überhaupt genehmigungsfähig? Würde der Landwirt vielleicht anderen Bauern im wahrsten Wortsinn das kostbare Wasser abgraben? Schneider fragt bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd nach, doch an die für Wasserwirtschaft zuständige Behörde hat der Landwirt offenbar noch nichts herangetragen. Aber sie stimmt Schneider vorsichtig zu: So ein Projekt wäre schon sehr bedeutend und möglicherweise problematisch.
Schneider und Eberle überzeugen die Mitglieder des Bauausschusses: Das Einvernehmen wird nicht erteilt, solange nicht klar ist, was die Fachbehörden dazu sagen. Jetzt ist die Kreisverwaltung Bad Dürkheim am Zug, denn dort müssen sowohl der Bauantrag als auch das Votum der Dirmsteiner Bürgervertreter bewertet werden. „Wir bekommen die Sache jetzt nicht mehr auf den Tisch“, betont der für Bauangelegenheiten zuständige Erste Beigeordnete Hans Scherer (CDU). Er verspricht aber, am Ball zu bleiben und in Erfahrung zu bringen, was aus der Bewässerungsidee des Landwirts wird.
Einen anderen Bauantrag gibt das Gremium an die Verbandsgemeinde zurück. „Weil uns hier Müll vorgelegt wurde“, wie Andreas Merkel (SPD) meint. Soll heißen: Mit nur einem Foto, einem Lageplan und ein paar unbestimmten Worten als Vorlage könne nicht das Einvernehmen zur Sanierung eines Altbaus im Ortskern erteilt werden. SPD-Ausschussmitglied Claudia Reiser stellt klar: „Wenn nur neue Fenster eingebaut werden, braucht es gar keine Genehmigung, wenn aber ein Bauantrag sein muss, dann muss er auch formal richtig gestellt werden.“