Gerolsheim Bürger-für-Bürger-Format: Premiere von „Gero kocht“ ein voller Erfolg
Sechs Tische mit jeweils acht Stühlen im großen Saal des Gerolsheimer Dorfgemeinschaftshauses sind hübsch gedeckt, Servietten, Platz- und Mitteldecke im herbstlich-warmen Orangeton. In der Mitte ein Gesteck mit vier Teelichtern. Ein einladender Anblick und ein Hauch von Gemütlichkeit in der riesengroßen Halle.
Kurz nach 12 Uhr trudeln die ersten Gäste ein, angemeldet haben sich gut 50, etwa 60 Gerichte haben die Köche eingeplant für „Menüs-to-go“ und spontanen Zuspruch. Irmgard Gurdan sitzt an der Kasse. Norbert Wothe bezahlt gerade. „Wenn schon so viele Leute sich so viel Mühe geben, sollte man hingehen und das unterstützen“, sagt Gertrud Wothe. Acht Euro kostet ein Essen. Bleibe am Ende ein Gewinn aus der Aktion „Gero kocht“ übrig, fließe der wieder in andere Projekte für die Bürger, weiß Gurdan. Die Salatschälchen sind gefüllt, Soße und Käsespätzle gibt die Küchencrew warm und frisch auf die Teller. Alt-Bürgermeister Erich Weyer schenkt Sekt, Wein, Schorle und Fruchtsäfte aus. Speisen und Getränke holen die Gäste ab, wer unsicher oder schlecht zu Fuß ist, wird bedient.
Lob für Küchencrew
Die Küchencrew erntet nur Lob. „Das hat geschmeckt, es war gerade richtig“, sagt Seniorin Anita Wiedemann. Gemeinderat Mathias Vogel urteilt fachmännisch: „Die Käsespätzle sind ein bisschen angebacken, nicht trocken, schön weich, die Zwiebeln sind gerade richtig, schön gedämpft.“ Norbert Wothe vermisst das Körnchen Salz: „Es ist sehr gut, aber ein bisschen mehr Wut zum Würzen wäre angebracht“, sagt er und zeigt auf Pfeffer und Salz, um das man am Tisch gebeten habe. Doch viel wichtiger ist es Wothe, zu betonen: „Die Portionen sind ausreichend, die Atmosphäre angenehm, essen und sich mit den Leuten unterhalten, das kann schon ein bisschen die Gemeinschaft fördern.“ Soweit denkt Anneliese Ankel nicht, sie freut sich einfach: „Es ist wunderschön, dass es so etwas gibt, gerade für Ältere ist es toll, Gesellschaft beim Essen zu haben.“
Das Angebot soll als Alternative zum monatlichen Treff „Weck, Worschd un Woi“ im Sommer über die Wintermonate bis einschließlich April bestehen bleiben, bestätigt Verena Redmann, die die Fäden der aus der Dorfmoderation entstandenen Gruppe „Gero kocht“ zusammenhält. Im November soll es Linseneintopf mit Wurst geben, kündigt sie an. Damit wirbt die Gruppe auch schon auf Plakaten – gestaltet von Gaby Mülller, die auch hier mithilft. Diesmal zeigen sie das allgegenwärtige Ortsmaskottchen „Gero“ in Kochmontur.
Alles regional und frisch
„Alles ist selbst gemacht“, betont Verena Redmann. Warum Käsespätzle? „Weil es umsetzbar ist“, antwortet sie. Die rund zehnköpfige Gruppe „Gero kocht“ – plus zusätzliche Helfer – habe bereits im Mai „ganz viele Rezeptideen gesammelt“. Ihr Anspruch: „Alles regional, frisch und von Hand zubereitet.“ Der Wunsch nach Regionalität habe bei der Premiere nicht ganz geklappt, gibt Redmann zu, aber sei Ziel beim Novemberkochen. Die Spätzle wurden in jeweils acht Kiloportionen in der Küchenmaschine gerührt und dann von Hand weiterbearbeitet. Rund acht Kilo Mehl, sechs Kilo Käse, 30 Eier waren nötig.
„Es ging alles Hand in Hand, Zwiebel pellen, schneiden, dämpfen, Spätzleteig vorbereiten, kochen, anbraten, Paprika, Gurken und Tomaten schnippeln, Salat putzen, Dressing zubereiten“, zählt Redmann auf. Zuvor habe es ein Probeessen für 20 Leute gegeben, um die Küche kennenzulernen. Weil hier zwar Essgeschirr, Gläser und Besteck ausreichend vorhanden seien, aber das Kochgeschirr nicht, habe die Gruppe 2000 Euro über eine Förderung für Ehrenamtliche Profi-Töpfe, Schüsseln, Schneidemesser, Schneidebretter, eine große Salatschleuder, eine Küchenmaschine und einen Zwei-Platten-Induktionskocher angeschafft, berichtet Redmann. Der Kocher ersetze den etwas schwierig zu bedienenden Gasherd. Verena Redmanns Fazit: „Es hat viel Spaß gemacht, und wir sind glücklich, dass alles hingehauen hat. Zuvor hatten wir ja etwas Bauchweh, wer kocht schon für so viele Leute.“ Aber sie sei zuversichtlich gewesen, hätten in der Küche ja lauter „gestandene Hausfrauen und zwei Hobbyköche“ mit angepackt.