Lambrecht
Ausstellung: Naturfreunde in der Zeit des Nationalsozialismus
Die Wanderausstellung, die bereits in Neustadt und Haßloch viel Interesse gefunden hat, berichtet unter dem Titel „Dornig wie die Alpenrose“ über die Geschichte der pfälzischen Naturfreunde in der NS-Zeit. „Mit dem Verbot der Naturfreunde und der Enteignung von bundesweit 428 Naturfreundehäusern im April 1933 gingen viele Spuren verloren. Auch hier in unserer Region“, erinnert die Vorsitzende der Ortsgruppe Lambrecht Gabriele Muder. „Die Ausstellung nimmt sich dieser Thematik an und möchte einen kritischen Blick auf die Rolle der Naturfreunde in der NS-Zeit werfen“.
„Die Alpenrose ist zäh und besonders widerstandsfähig“. So wird der Titel der neunteiligen Text- und Bild-Dokumentation erklärt. Die Eigenschaft könne man in den Mitgliedern der Naturfreunde von damals wiederfinden. Sie hielten ihre Ideale hoch, ließen sich nicht von anderem überzeugen und leisteten in vielen Fällen und an vielen Orten Widerstand gegen das Regime. Die Ausstellung beschäftigt sich, so Mitorganisatorin Petra Knoll, mit Lebensgeschichten von entschlossenen Pfälzern, die trotz Verbot und Verfolgung zwischen 1933 und 1945 Widerstand leisteten und dabei längere Inhaftierung oder „Schutzhaft“ riskierten.
Wurzeln in der Arbeiterbewegung
Die Wurzeln der Naturfreunde liegen in der Arbeiterbewegung. Während der Alpenverein oder der Pfälzerwaldverein früher eher bürgerlich geprägt waren und keine Arbeiter zuließen, gehörten die Naturfreunde überwiegend der Arbeiterklasse an. Von österreichischen Sozialisten war 1895 in Wien der „Arbeiterwanderbund“ ins Leben gerufen worden. Ziel der Gründergeneration war es, Menschen aus dem Zwang der Fabrikarbeit und engen Wohnstätten herauszuführen und ihnen den Zugang zur Natur zu erschließen. Sie sollten die Natur als Quelle der Erholung erkunden, sich gemeinsam treffen, fortbilden oder Aktivitäten organisieren. Wichtig war den Mitgliedern, das Recht auf freien Zugang zur Natur gegen Privatbesitz, Adel oder Großgrundstückseigner zu ermöglichen. Diesem Anliegen entsprang auch der Ruf „Berg frei“, den Naturfreunde der Ortsgruppe Graz 1900 zum Gruß aller Mitglieder machten.
Die Naturfreundebewegung wuchs schnell und zählte vor 1933 mehr als 200.000 Mitglieder. Sie war eng mit den sozialen Freiheitskämpfen der Arbeiterklasse verbunden und international vernetzt. Auch in Neustadt, quasi eine pfälzische Hochburg des Widerstands, und in Lambrecht demonstrierten beispielsweise Naturfreunde 1932 gegen Faschismus. Den Nationalsozialisten waren sie ein Dorn im Auge, was am 3. April 1933 zum Verbot der Organisation und Enteignung von Vermögen und Naturfreundehäuser führte. In Text und Bild schildert die Ausstellung „Dornig wie die Alpenrose“ eine ganze Reihe von Einzelschicksalen in der Pfalz und verdeutlicht, mit welchen politischen Mitteln der Widerstand erstickt wurde.
Mehr als 63.000 Mitglieder
Die Naturfreunde Deutschlands sehen sich heute als sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Mehr als 63.000 Mitglieder engagieren sich bundesweit ehrenamtlich für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft. In Rheinland-Pfalz gibt es 39 Ortsverbände mit 4500 Mitglieder und 32 Naturfreundehäusern.
Wie Gabriele Muder berichtet, wurde die Naturfreunde-Ortsgruppe Lambrecht 1913 gegründet. Rund zehn Jahre später wurde gemeinsam mit der Ortsgruppe Edenkoben das Naturfreundehaus (Erholungsheim, wie es damals hieß) im Kohlbachtal gebaut und 1924 eingeweiht. „Waldhaus mit Nebengebäude, Abortanlage, Schuppen und Pavillon“, ist in der Vereinschronik zu lesen, wurden 1933 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Mit Erlaubnis der französischen Besatzungsbehörden nahm die derzeit 170 Naturfreunde zählende Lambrechter Ortsgruppe 1946, wie viele andere der über 550 Ortsgruppen in Deutschland, ihre Vereinstätigkeit wieder auf. Seit 1950 wird das Haus im Kohlbachtal von der Ortsgruppe Lambrecht alleine bewirtschaftet und verwaltet.
Info
Wanderausstellung „Dornig wie die Alpenrose. Pfälzer Naturfreunde in der NS-Zeit“, Haus der Generationen der Awo, Lambrecht, Klostergartenstraße 1. Öffnungszeiten: Samstag, 12. März, 13 bis 18 Uhr, und Sonntag, 13. März, 11 bis 18 Uhr.