Kreis Bad Duerkheim Auf Strümpfen durch die Winterlandschaft

Rolf Mayer, der Extremradler aus Grünstadt, hat nach seiner Stippvisite in Moskau wieder deutschen Boden unter den Reifen. Am Sonntag rollte der Mittfünfziger in Travemünde von der Fähre. Er hatte sich von der lettischen Hafenstadt Liepaja 760 Kilometer über die Ostsee bringen lassen und ersparte sich so die Durchquerung Polens. Zwei Wochen lang kämpfte er mit geschwollenen Füßen.
Obwohl er seine Stiefel eine Nummer zu groß gekauft hatte, um zwei paar dicke Socken darin tragen zu können, passte er nicht hinein. Weite Strecken fuhr Mayer daher nur in Strümpfen und später in Badelatschen – trotz Minustemperaturen. „Und alle 30 Kilometer habe ich mich in den Schnee gestellt, damit die wunden Füße abschwellen und die Schmerzen gelindert werden“, so der Sportler, der einige Hundert Kilometer durch die Monotonie strampeln musste. An der russischen Grenze sei man ihm mit Skepsis begegnet. Vier-, fünfmal habe er seinen Ausweis vorzeigen müssen und sei ausgefragt worden, warum er in Moskau war, wo er sich sonst aufgehalten habe et cetera. Anschließend fuhr der Grünstadter, der sich ursprünglich 6000 Kilometer vorgenommen hatte und über St. Petersburg und Helsinki fahren wollte, schnurstracks durch Lettland bis nach Liepaja. Das Wetter war – wie auf nahezu der ganzen Reise – miserabel: tagelang Dauerregen, oft Gegenwind. Und dann hatte Mayer noch zwei platte Reifen zu flicken. Schön war die Begegnung mit einem Elch, der ihm plötzlich über den Weg gelaufen ist. „Der war keine zehn Meter von mir entfernt. Aber mit meinem Fotoapparat war ich nicht schnell genug“, erzählt der Berufsfeuerwehrmann, der am 29. Januar in Mannheim gestartet war. Dafür trat er flink in die Pedale – vor den vielen Hunden, die bellend hinter ihm her gejagt sind. Bei der Überfahrt mit der Fähre hätten die mitreisenden Lkw-Fahrer „ordentlich Party gemacht, wobei sie darauf achteten, rechtzeitig vor der Ankunft mit dem Alkoholkonsum aufzuhören“. Mayer genießt seit der Ankunft in der Bundesrepublik seinen Urlaub, wie er erzählt. Auch wenn seine Lieblingsradlerhose inzwischen durchgescheuert ist und er sie nur notdürftig geklebt hat, weil er kein Nähzeug eingepackt hatte. Aber hierzulande scheint zurzeit die Sonne. „Ich mache jetzt ganz gemütlich und werde wie geplant am 17. März zurück in Grünstadt sein.“ Dabei blickt er auf die zurückliegende Tour oder besser Tortur. „Das Schlimmste war das morgendliche Aufstehen: raus aus dem Schlafsack in die feuchte Kälte“, so Mayer, der erstaunt ist, wie viel der Körper aushält. „Und nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch, wobei man sich da schon über Kleinigkeiten richtig freuen kann.“ (abf)