Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Andechser Bierfest: Festzelt an neuem Standort

Stets gut gefüllt: das Festzelt, hier beim letzten Andechser Bierfest 2019.
Stets gut gefüllt: das Festzelt, hier beim letzten Andechser Bierfest 2019.

So viel steht fest: Das Andechser Bierfest wird wieder am letzten Septemberwochenende stattfinden – und zwar mit einem neuen Standort des Festzelts. Ein Knackpunkt ist aber das Sicherheitskonzept. Und die Frage: Soll das Andechser künftig Eintritt kosten?

Die Novellierung des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes (POG) bereitet vielen Veranstaltern derzeit Kopfzerbrechen. Dabei geht es insbesondere um die Erweiterung des Paragraphen 26. Für Großveranstaltungen muss der Kreisverwaltung spätestens drei Monate vor der Veranstaltung ein verschärftes Sicherheitskonzept vorgelegt werden, in dem auch ein Ordnungsdienst vorgesehen sein muss. Wenn mehr als 15.000 Besucher gleichzeitig oder 30.000 Personen täglich kommen, gilt ein Fest laut POG als Großveranstaltung. Nach Angaben der Haßlocher Gemeindeverwaltung auf ihrer Homepage hat das dreitägige Andechser Bier- und Straßenfest „weit über 70.000 Besucher“.

Ein Sicherheitskonzept war nach Angaben von Gunther Metz aus dem Bereich „Veranstaltungen“ der Verwaltung bisher schon vorhanden, Dass es greife, habe der Andechser-Sonntag 2018 gezeigt, als das Fest wegen eines Sturms frühzeitig beendet und das Gelände geräumt werden habe müssen. Damals habe es keine Schäden oder Verletzungen durch umfallendes Mobiliar oder herumfliegende Pavillon- oder Zeltüberdachungen gegeben. Denn das Sicherheitskonzept sehe vor, in solchen Fällen alles windsicher unterstellen beziehungsweise befestigen zu können.

Meyer: Höhere Kosten durch neue Bestimmungen

Nach Einschätzung von Bürgermeister Tobias Meyer (CDU) ist absehbar, dass sich für die Umsetzung der neuen Bestimmungen des POG der Aufwand erhöhen werde und dadurch auch höhere Kosten entstehen werden. In der Sitzung des Ausschusses für Tourismus, Veranstaltungen und Ortsmarketing am Mittwoch sagte Meyer, Entscheidungen sollten nicht gleich getroffen, sondern die Beteiligten – also Vereine und Beschicker – ins Boot geholt werden.

Der seit 2018 bestehende Arbeitskreis (AK) Veranstaltungen hat nach einer zweijährigen Corona-Pause Ideen unter anderem zur Zukunft des Andechser Bierfests entwickelt. In diesem AK sind neben den Fraktionen die Vereine FC 08, FV 21, HCV und der Gewerbeverein vertreten, außerdem die Standbetreiber, die Feuerwehr sowie von der Verwaltung der Fachbereich Bürgerdienste, der Bereich Veranstaltungen und der Bürgermeister. Der AK hat nun die Überlegung in den Raum geworfen, Eintrittspreise für das Andechser Bierfest zu erheben. Ähnlich wird beispielsweise beim alle zwei Jahre stattfindenden Stadtfest in Kandel verfahren: Dort wird seit 2017 ein Eintritt von zwei Euro (fünf Euro für das Wochenende) verlangt. Das Geld fließt in die Kosten der erhöhten Sicherheitsmaßnahmen und kommt den Vereinen zu Gute.

Konzept für mögliche Eintrittsregelung

Die Idee stieß im Ausschuss auf Interesse und soll nun konkret ausgearbeitet werden. Der AK Veranstaltungen wurde beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, wie eine mögliche Eintrittsregelung für das Bierfest aussehen könnte. Das Konzept soll noch vor der Sommerpause im TVO-Ausschuss präsentiert, diskutiert und zur Abstimmung gestellt werden. Dazu gehört laut Meyer, dass die Mehreinnahmen den Mehrausgaben gegenübergestellt werden. „Der Rahmen für Eintritt ist sehr weit, viele Varianten sind denkbar“, sagte der Bürgermeister. In diesem Jahr werde aber eventuell noch kein Eintritt erhoben, resümierte er.

Das Biergartenkonzept des vergangenen Jahres will die Verwaltung fortsetzen. Als Ersatzveranstaltung für das wegen der Pandemie abgesagten Bierfests hatten auf dem Jahnplatz und dem Rathausplatz die „Andechser Biergärten“ stattgefunden. Die Bewirtung übernahmen neun Haßlocher Vereine, die in der Vergangenheit auch beim Bierfest einen Ausschank betrieben hatten. „Die Biergarten-Atmosphäre kam bei vielen Besuchern gut an und soll daher auf Teilen des diesjährigen Andechser Bierfests fortgeführt werden“, so Meyer. Hierfür sieht die Verwaltung den Rathausplatz als geeigneten Standort an. Dort lasse sich das Biergarten-Ambiente am besten herstellen.

Jahnplatz als Zeltstandort besser geeignet

Das hätte allerdings zur Folge, dass das Festzelt einen anderen Standort braucht. Diese Überlegung gibt es ohnehin schon länger, da die Verwaltung den Rathausplatz als „eher suboptimalen Standort“ für das Festzelt sieht. Durch den Auf- und Abbau sei der Rathausplatz zwei Wochen gesperrt, obwohl das Festzelt nur ein Wochenende lang geöffnet sei. Das habe in der Vergangenheit für Unmut bei Besuchern des Ärztehauses gesorgt, die oft auf eine direkte Zufahrt angewiesen seien, so Meyer. Wenn das Festzelt verlegt würde, müsste der Rathausplatz statt zwei Wochen nur eine gesperrt werden.

Das Festzelt soll nach Vorstellung der Verwaltung künftig auf dem Jahnplatz aufgebaut werden. Der Platz biete die notwendige Infrastruktur und erlaube eine andere Zeltgröße. Denn die Ausmaße des Rathausplatzes ließen nur eine bestimmte Zeltgröße zu. Zelte in dieser Größe seien aber nicht mehr handelsüblich und kaum noch zum Leihen verfügbar. Mehr Gestaltungsspielraum im Innen- und Außenbereich des Zelts, der auch ansprechender und großzügiger gestaltet werden könne, sei ein weiterer Vorteil des neuen Standorts. Auf dem Jahnplatz könne ein Festzelt mit Schwerlastboden errichtet werden.

Die Vereine, die bisher auf dem Jahnplatz ausgeschenkt haben, würden auf den Rathausplatz wechseln, wo ihnen mehr Platz zur Verfügung stehen würde. In ersten Gesprächen zwischen Verwaltung und den betroffenen Vereinen hätten diese positiv auf die Idee reagiert.

„Uns war es wichtig, mit dem Vorhaben zum Standortwechsel des Festzeltes in den Ausschuss zu gehen, um ein Stimmungsbild aus den Fraktionen zu erhalten“, so Meyer. Die Mehrheit begrüßte die Idee. Daher sollen die Neuerungen – Verlegung des Festzelts auf den Jahnplatz und Biergartenkonzept auf dem Rathausplatz – weiter ausgearbeitet und in diesem Jahr umgesetzt werden. „Ein Fest lebt durch eine stetige Weiterentwicklung“, so Meyer.

Überlegungen zu Kerwe und Weintagen

Der AK Veranstaltungen soll sich außerdem mit den Leisböhler Weintagen und der Maikerwe befassen. Bereits vor zwei Jahren hatte der AK angeregt, mehr Angebote für Familien bereitzustellen oder Eintritt zu erheben. Vorgeschlagen wurde, die Maikerwe wieder auf den Jahnplatz und die Weintage auf den Rathausplatz zu verlegen. Eine weitere Option: Beide Veranstaltungen könnten auf dem Pfalzplatz stattfinden. Nur dort seien auch größere Fahrgeschäfte möglich. Vorgeschlagen wurde auch, die Maikerwe zu privatisieren.

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