Wachenheim
125 Jahre Wachenheimer Heimatverein: Viele Namen – ein Ziel
Bei der ersten Generalversammlung am 1. Juni 1895 im Dahlberger Hof wurde Wilhelm Eberhardt zum Vorsitzenden gewählt, Ludwig Böhm zu seinem Stellvertreter, Emil Heidschuch zum Schriftführer und Ludwig Weiß zum „Cassier“. Im Laufe der 125 Jahre hat der Verein mehrfach seinen Namen gewechselt, aus dem Verschönerungsverein wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges der Verschönerungs- und Verkehrsverein, dann hieß er umgekehrt Verkehrs- und Verschönerungsverein, ab 1980 war es der Fremdenverkehrsverein und 1988 bekam er seinen heutigen Namen Heimatverein Wachenheim. Im Jahr 2003 bildete die „Initiative Wachenheimer Stadtmauer“ einen eigenen Verein, zuvor gehörte sie unter das Dach des Heimatvereines.
Zunächst verlangte man eine Mark als Jahresbeitrag, aber, um jedermann den Beitritt zu ermöglichen, wurde der Beitrag auf 50 Pfennige herabgesetzt. Die ersten Aufgaben des Vereines waren unter anderem die Einfassung des Lindenbrunnens, die Neugestaltung der Rhaingasse, Grabenpfad, Bächel und Bächelpfad sowie Markierungen im Burg- und Poppental. Um 1900 verzeichnete der Verein 56 Mitglieder.
Preise für schönsten Balkonschmuck
Im Juni 1914 rief der Verein erstmals zu einem Fenster- und Balkonschmuck-Wettbewerb auf, die schönsten sollten prämiert werden. Das vorgesehene Preisgeld wurde dann aber dem Roten Kreuz gestiftet, der Erste Weltkrieg warf seine Schatten voraus. Der Verein hatte 72 Mitglieder. Als „tatkräftiger Förderer“ beim Bau des Luisenbrunnens wurde der Geheimrat Dr. Bürklin zum Ehrenmitglied ernannt. Während des Krieges fehlen die Aufzeichnungen.
Im Mai 1926 wurde auf der vom Verschönerungs- und Verkehrsverein Wachenheim (VVW) gepachteten Wachtenburg ein Wirtschaftsbetrieb eröffnet und das erste Burgfest gefeiert, 1937 das vorläufig letzte. Mit dem Kriegsausbruch ruhten die Vereinsaktivitäten bis 1950. Am 15. April 1950 lebte der Verein wieder auf, 1952 gründet der Vorsitzende Fritz Köhler eine Trachtengruppe, 1954 rief er die Volkstumstage ins Leben.
Weinköniginnen bekommen Konkurrenz
1953 wurde Herbert Euler zum Weinkönig Herbert I. „von Euler zu Luginsland“ gewählt. Da der „Weinkönig“ als Konkurrenz zu den Weinköniginnen gesehen wurde, durfte er sich nur Weingraf nennen. Ihm folgte Karl Betz als Weingraf Karl I. nach.
Zwischen 1957 und 65 lag das Vereinsleben erneut brach. Nach 35-jähriger Pause gab es 1972 wieder ein Burgfest. 1990 wurde auf dem Burgfest erstmals der „Trinkwettstreit“ von Paul Tremmel aufgeführt. Zur 650-Jahr-Feier der Stadt Wachenheim 1991 organisierte der Heimatverein eine historische Ausstellung in der Ludwigskapelle und bekam dafür viel Lob von Seiten der Stadt.
Aus der ehemaligen Trachtengruppe wurde mit 25 Paaren eine im Heimatverein integrierte Tanzsportgruppe und das Tanzturnier um die „Goldene Traube der Stadt Wachenheim“ wurde aus der Taufe gehoben.
Zum hundertjährigen Jubiläum des Heimatvereins konnte der Vorsitzende Hermann Beimborn Freunde, Gönner und Mitglieder beim Jubiläumsempfang in der Sektkellerei empfangen. Er wurde später Ehrenmitglied.
Im Mai 2000 stellte man gemeinsam mit dem Gewerbeverein am alten Speyerer Weg eine napoleonische „Ruhbank“ auf. Unter Federführung des Heimatvereins etablierte sich der „Grüne Daumen“, der sich ehrenamtlich um die Pflanzung und Pflege der Rabatten am Marktplatz kümmert. 2004 erfolgte die Beschilderung der Wachenheimer Adelshöfe.
Beliebter Kräutermarkt
Der von der Lokalen Agenda 2005 ins Leben gerufene Kräutermarkt wird bis heute vom Heimatverein ausgerichtet, er ist von anfangs zwölf Ständen auf inzwischen 50 Aussteller angewachsen. 2010 bildete sich der Arbeitskreis Historie. Zehn Jahre lang transkribierte er unter der Leitung von Hermann Beimborn alte Dokumente. Erschienen sind sie im Jubiläumsjahr 2020 in dem Buch „Urkunden der Stadt Wachenheim“. Der Verein engagierte sich im vorigen Jahr finanziell und mit ehrenamtlichen Arbeitsleistungen bei der Ausstattung des renovierten Eichhäusels.
Und die aktuelle Situation des Vereines mit dem stolzen Alter? Vorstand und die Aktion „Grüner Daumen“ könnten eine Verjüngung und mehr Unterstützung brauchen, meint Schriftführerin Renate Bremicker, man könne Pflanzung und Pflege der Blumenrabatten kaum mehr stemmen.
Suche nach einem Vorsitzenden
Im Jubiläumsjahr sucht der Verein weiter nach einem Vorsitzenden, Klaus Panzer bekleidet den Posten als stellvertretender Vorsitzender nur kommissarisch, seine Kollegin Michaela Peter ist mit der Organisation des Kräutermarktes vollauf beschäftigt.
Der Vorstand
Stellvertretende Vorsitzende Klaus Panzer, Michaela Peter, Kassenwartin Elfriede Gleber, Schriftführerin Renate Bremicker, Beisitzer Helmut Bremicker, Karl-Heinz Peter, Wolfgang Wolf.