Karlsruhe „Wir sind nicht die Endstation“

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Die Tür öffnet sich erst mit einem Summen, wenn man erklärt hat, wer man ist und was man will. Die Wohngruppe Mosaik in der Karlsruher Innenstadt ist geschützter Bereich. Hier sollen sich die Jugendlichen zunächst sicher und geborgen fühlen. Es ist genau das, was ihnen allen in den letzten Monaten – manchen so lange, wie sie denken können – gefehlt hat. Bei Mosaik wohnen ausschließlich Jungs im Alter ab 15 Jahren, die als minderjährige Flüchtlinge registriert sind. Ausnahme ist ein achtjähriger Jungen aus Syrien, der nach dem Tod der Eltern mit seinem Onkel nach Europa kam, jenen Onkel aber „irgendwo zwischen Hafen und Bahnhof“ verlor und nicht wiederfand. Vor gut einem Jahr eröffnete die Gruppe Mosaik, als ganz dringend nach geeigneten Plätzen für diese Jugendlichen gesucht wurde. Träger ist das Zentrum für individuelle Erziehungshilfen gGmbH (Zefie), das erst vor vier Jahren in Karlsruhe gründet wurde. Zefie kümmert sich grundsätzlich um die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Vollzeit- und Bereitschaftspflege in Familien sowie familienanalogen Wohngruppen, die von sozialpädagogischen Fachkräften betreut werden. Neben der Gruppe Mosaik bietet Zefie deshalb im Griesbachhaus weitere 45 Plätze für minderjährigen Flüchtlingen an. Der lange Flur der Gruppe Mosaik im dritten Stock hallt, der Boden ist blank poliert, die Zimmertüren sind alle geschlossen. „Anfangs hatten wir acht Einzelzimmer, damit die Jungs auch ein bisschen Privatsphäre bekommen“, sagt Gruppenleiter Dirk Hundt. Doch schon bald musste Mosaik aufstocken, weil der Bedarf ungebrochen hoch ist. Jetzt werden vier Räume als Doppelzimmer belegt. „Das klappt ganz gut, aber mehr geht nicht mehr“, sagt Hundt. Wieso nur Jungs? „Eine gemischte Gruppe würde vermutlich viele neue Anforderungen mit sich bringen, denen wir uns widmen müssten“, sagt Betreuerin Sandra Gebhardt. Sich um Anträge, verwaltungstechnische Fragen kümmern, mit Dolmetschern zwischen Amt und Vormundschaft zu vermitteln, das sind die wesentlichen Aufgaben der Mitarbeiter. Die jüngeren Bewohner brauchen mal jemanden in der „Mutterrolle“, der mit ihnen etwas spielt oder malt, die Älteren brauchen freundschaftliche Zuwendung und Hausaufgabenbetreuung. Denn alle Bewohner besuchen die Schule. Kooperationspartner ist eine Schule in Hagsfeld, wo man Flüchtlingsklassen eingerichtet hat. Viele der Mosaik-Bewohner, die auch aus Ländern wie Somalia, Eritrea, Gambia oder aus dem Irak stammen, kennen keinen Unterricht. So wird im Sprachunterricht viel gelobt, nie getadelt. Das ist auch das Konzept bei Zefie. Wobei langfristiges Vertrauen, echte menschliche Bindung eigentlich nicht möglich sind. Durchschnittlich beträgt die Verweildauer drei Wochen, danach werden die Kinder- und Jugendlichen in Einrichtungen der Jugendhilfe verlegt. „Wir machen jedem klar, dass wir hier nicht Endstation sind“, sagt Dirk Hundt. Es gehe darum, die Grundbedürfnisse sicherzustellen und – wenn es geht – ein bisschen mehr. Im November konnten Jungs ins Wildparkstadion zum Fußballspiel, mit Begleitung. Das war etwas ganz Besonderes, weil sich Mitarbeiter jenseits ihrer Betreuung nach Dienstplan dafür Zeit nahmen. Schätzungen zufolge kommen gegenwärtig etwa 100 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge monatlich nach Karlsruhe. Beim Sozialen Dienst der Stadt, der die Inobhutnahme der jungen Menschen regeln muss, würde man es wohl „mit Kusshand begrüßen“, wenn Zefie eine weitere Gruppe eröffnen würde.

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