Philippsburg / Waghäusel
Vier unterirdische Fluchtwege führten in alle Himmelsrichtungen
In den Jahren 1719 bis 1743 regiert Fürstbischof Damian Hugo vom Schönborn das Hochstift Speyer. In den ausgedehnten Waldungen der Lußhardt wurde zu allen Zeiten die Jagd ausgeübt. Ursprünglich ein kaiserliches Recht, hatte man dieses durch eine Schenkung im Jahr 1056 auf die Speyerer Fürstbischöfe übertragen. Im 18. Jahrhundert waren die herrschaftlichen Wälder im Hochstift Speyer in 15 rechtsrheinische Reviere eingeteilt, davon lagen sieben in der Lußhardt, wie aus alten Unterlagen hervorgeht. Auch in der Nähe des Saalbachs, der in den Rhein mündet, war um 1750 ein Wirtschaftszentrum mit Ziegelhütte, Jägerhaus sowie der herrschaftlichen Schönbornmühle mit Gasthaus als kleines Ensemble entstanden.
Früher soll es in dem Gemäuer gespukt haben
Heute steht das denkmalgeschützte Jagdhaus an der vielbefahrenen B36 gegenüber dem früheren Gasthaus „Rose/Höfle“ an der Ampelkreuzung, immer noch im Gewann Ziegelhütte. Das zweigeschossige, schön restaurierte Bauwerk mit dem signifikanten Walmdach und dem kolorierten Wappenschild des Speyerer Fürstbischofs Franz Christoph von Hutten, ähnelt anderen „Jagdhäusern“ aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, wie sie im Bruhrain und Kraichgau manchmal noch zu finden sind.
Ein Schlussstein im Kellergewölbe sowie ein Schild über der Eingangstür trägt die Jahreszahl 1758. Man geht davon aus, dass es auf der Gemarkung zuvor bereits ein herrschaftliches Jägerhaus gab. Dieses wurde allerdings abgerissen, da es „dermaßen ruinös seye, daß dasselbe täglich den umsturtz bedrohe und man der äußersten Lebensgefahr besonders bey windigem wetter beständig exponiert seye“, wie der damalige bischöfliche Hofbaumeister Leonhard Stahl in seinem Gutachten nach der Inspektion der Bausubstanz ausführte. Nach mündlicher Überlieferung sollen ehemals vier unterirdische Gänge und Fluchtwege aus und zu dem 1755 errichteten Gebäude, indem es früher sogar gespukt haben soll, geführt haben.
Der erste Gang erstreckte sich angeblich bis nach Philippsburg zur ehemaligen Festungsanlage. Der zweite endete im Kellergewölbe des Gasthauses Rose/Höfle, der dritte verlaufe zum gegenüber liegenden Grundstück auf dem früher ein Wohnhaus stand und der vierte führe zur Schönbornmühle, die 1995 unter mysteriösen Umständen abbrannte. Ein Zeitzeuge will beobachtet haben, dass sich noch im vorigen Jahrhundert manche Menschen bekreuzigten, wenn sie am „Spukhaus“ vorbeiliefen.
Soldaten suchten im Stollen Schutz vor Feinden
Im Gebäude gegenüber, der früheren „Rose“ und dort, wo sich heute ein Tierheim befindet, soll es immer noch spuken, behaupten einige Menschen in der Region. Die heutigen Eigentümer hatten das Schönborner Jagdhaus vor zehn Jahren von den Vorbesitzern aus Bayern, die den Innen- und Außenbereich wunderschön restauriert hatten, übernommen. „Wir haben zwar noch keine Gespenster wahrgenommen, doch vom Gerücht gehört, dass in dem Stollen, der zur Festung führte, in der Nacht Skelette umhergeistern sollen“, erzählt Susanne Bowers.
Im Gewölbekeller gibt es tatsächlich einen zugemauerten, verputzten Durchgang. Nach einer alten Überlieferung hatten sich einst Soldaten, die Philippsburg verteidigten, auf der Flucht vor den hereinbrechenden Feinden in den Stollen gerettet. Der Fluchtweg wurde verraten, die vermeintliche Freiheit endete am anderen Ende des Ganges, wo die Gegner schon auf sie warteten. Eingeschlossen im unterirdischen Gefängnis kamen die Söldner auf grausame Weise um.
Fakt ist, dass es diese Stollen gab. So soll sich hinter der letzten Tür ein kostbarer, lilafarbener Bischofsmantel befunden haben. Interessant ist, dass dieses ominöse Jagdhaus eine der ersten Zigarrenfabriken der Gegend beherbergte. Zudem wurde das Gebäude bis Ende des 19. Jahrhunderts auch als sogenannte „Pfründneranstalt“ oder auch Mägdeheim Aufnahme von armen, dienstunfähig gewordenen, weibliche Boten genutzt.
Geschichten um verschwundene Schätze
Bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich im Haus auch wertvolle, historische Handfeuerwaffen und Degen, die man jedoch aus Angst vor den Besatzungstruppen fortschaffte und seither verschwunden sind. Um diese, bis heute nicht auffindbaren, Schätze und auch deren mögliche Finder, ranken sich noch immer viele, wilde Gerüchte.