Karlsruhe „Uff“ schnell „druff“

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NEUSTADT. Manchen Menschen wird der pfälzische Dialekt bereits in die Wiege gelernt, manche wohnen seit Jahren in der Pfalz und lernen ihn trotzdem nicht. Rebekka Sambale sprach mit Michael Landgraf, der ab 14. März eine neue Stadtführung durch Neustadt anbietet mit dem Titel „Grundkurs Palz und Pälzisch“.

Herr Landgraf, wie tolerant sind Pfälzer gegenüber nicht pfälzisch Sprechenden?

Historisch bedingt sind wir ein Land, das immer Durchzugsgebiet war – und das seit der Römerzeit. Nach dem Dreißigjährigen Krieg musste die Pfalz Leute aus der Schweiz holen, um das Land wieder zu bevölkern. Bei all den verschiedenen Einflüssen hat sich die pfälzische Sprache immer gehalten, auch wenn sie heute als vom Aussterben bedroht gilt. Dabei sind wir stetig bemüht, Menschen von außerhalb für unseren Dialekt zu erwärmen. Wirkt Hochdeutsch überheblich oder unsympathisch auf Pfälzer? Es wirkt jedenfalls fern dem eigenen Sprachgefühl. Das liegt daran, dass Hochdeutsch eine Kunstsprache ist, eine Einheitssprache des 19. Jahrhunderts. Manches wirkt sprachlich verkrampft. Ich merke das selbst: Wenn ich so rede, mache ich das mehr mit dem Kopf, Pfälzisch kommt aus dem Bauch. Pfälzisch bietet mehr Möglichkeiten, beispielsweise wenn wir Worte verkürzen, die uns zu lang erscheinen. Als Begrüßung reicht hier ein „Unn? Wiiie?“. Allerdings wirkt es auch merkwürdig, wenn Pfälzer versuchen, sich dann ans Hochdeutsche anzupassen. Ihre neue Stadtführung ist ein Grundkurs Pfälzisch. Aber mal ehrlich: Zugezogenen wird man das Fremdeln immer anhören, oder? Ja, aber da sind wir großzügig und freuen uns, wenn man erste Schritte „uff Pälzisch“ wagt. Bestimmte Redewendungen haben Fremde schnell in ihre Sprache integriert: „Uff“ und „nuff“ hat man relativ schnell „druff“. Und was können Einheimische bei der Führung lernen? Die lernen, neu darüber nachzudenken, woher das Pfälzische kommt, mit den unterschiedlichen Schattierungen. Ich versuche, die vier verschiedenen Sprachregionen zu vermitteln, Grammatik, den historischen Hintergrund und die Verbreitung – also wo Pfälzer Artgenossen in der Welt zu finden sind. Wie ist das heutzutage in der Schule: Ist Dialekt noch attraktiv für junge Leute? Es wird weniger. Je nachdem, in welchem Milieu die Kinder aufwachsen. In der Schule ist man gezwungen, Hochdeutsch zu sprechen. Wenn ich nicht in einer Ortsgemeinschaft oder in einem Verein aktiv bin, dann kann es sein, dass die Sprache verloren geht. Ich war 15 Jahre lang nicht in der Pfalz und habe während dieser Zeit vor allem Hochdeutsch gesprochen. Danach hatte ich den nötigen Abstand, um aus einer Meta-Ebene auf den Dialekt zu schauen. Dass Pfälzisch bei Umfragen regelmäßig zu den unbeliebtesten Dialekten gehört, muss ich Ihnen wohl nicht sagen ... Das ist logisch – weil der Sprachraum auch relativ klein ist. Wenn Sie dagegen zwölf Millionen Bayern befragen – so entstehen diese Studien. Außerdem wird die Pfalz oft mit Helmut Kohl gleich gesetzt, der polarisierend wirkte. Welchen pfälzischen Ausdruck sollte man unbedingt kennen? „Alla“! Damit kann man in der Pfalz viel anfangen. Damit können Sie was bestätigen: Alla hopp! Oder sich verabschieden: Alla dann.

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