Elsass Tanktourismus zieht wieder an

Vor allem für Bewohner der Grenzregion lohnt sich der Ausflug an die Tankstelle.
Vor allem für Bewohner der Grenzregion lohnt sich der Ausflug an die Tankstelle.

Seit dem Wochenende sind Benzin und Diesel pro Liter in Frankreich rund 18 Cent günstiger als in Deutschland. Das vermeintliche Tank-Schnäppchen wollen sich viele Autofahrer aus der Region nicht entgehen lassen - und verbinden den Ausflug ins Elsass noch mit einer Shopping-Tour.

Während hierzulande die Politik noch über das Für und Wider eines Tankrabatts ringt, hat Frankreich mittlerweile Nägel mit Köpfen gemacht. Wohl auch im Kontext des Wahlkampfs hat die Regierung Macron einen Tankrabatt von 18 Cent festgelegt, der seit 1. April und noch bis Ende Juli dieses Jahres gilt.

Tankrabatt ein Wahlkampfgeschenk?

Die Wochen zuvor hatte bereits wieder die Gelbwesten-Bewegung an Verkehrskreiseln im Elsass und in Lothringen gegen hohe Spritpreise demonstriert. Während in Deutschland die Tankpreise aufgrund des Krieges in der Ukraine sich auf hohem Niveau eingependelt haben, waren westlich des Rheins die Spritpreise schon vorher ein klein wenig günstiger. Auch für deutsche Autofahrer greift der Tankrabatt, und so gab es am vergangenen Wochenende lange Schlangen an den grenznahen Tankstellen in Scheibenhard bei Lauterbourg oder in Seltz. Während erstere Tankstelle aufgrund der Nähe zur Pfalz vorwiegend Autofahrer mit Kennzeichen aus dem Landkreis Germersheim oder Südliche Weinstraße aber auch aus Karlsruhe aufsuchten, dominierten in Seltz Kennzeichen aus dem nahen Rastatt und Baden-Baden. Die Tanktouristen aus dem Südwesten machten bei der Stippvisite bei beiden „Stations de gaz“ rund die Hälfte der „Sprithungrigen“ aus neben den einheimischen Autofahrern.

Mit französischen Kennzeichen ist auch eine Dame ausgestattet, die gerade Sprit in Seltz abfüllt. „Ich bin nicht aus Frankreich, wohne aber hier. Ursprünglich stamme ich aus Donnersberg in der Pfalz und arbeite im badischen Rheinstetten“, sagt sie. Es sei offensichtlich, dass nun viel mehr deutsche Autofahrer zum Tanken über die Grenze fahren, stellt die Frau fest. „Das ist ja nachvollziehbar, es ist hier deutlich billiger“, fügt sie hinzu. Selbst Kennzeichen aus Heidelberg, Speyer oder Ludwigshafen erblickt man vor Ort.

Auch ein gutes Stück hat Valentina Weehner hinter sich, könnte man meinen. Auf ihrem Wagen prangt das Kennzeichen PF für Pforzheim. „Nein, das Auto gehört mir nicht. Ich komme aus Hügelsheim bei Baden-Baden“, sagt die Verpackungsarbeiterin. Sie freut sich über den günstigeren Sprit beim Nachbarn. „Bei uns herrscht Inflation. Alles wird teurer. Ich finde gut, dass wir als grenznahe Bewohner auch in den Genuss dieser Vergünstigung kommen.“

Während zum selben Zeitpunkt die Tankstellen für den günstigsten Sprit E10 in Karlsruhe knapp unter und über 2 Euro anzeigen, kostet derselbe Sprit an der Tankstelle in Seltz beim Supermarché Super U 1,72 Euro. Ein Autofahrer aus Baden-Baden rechnet derweil vor, dass er so um die 30 Cent pro Liter spart.

Sprit und Lebensmittel-Einkauf

An der Tankstelle in der Kurstadt habe die Anzeige für Super plus 2,15 Euro angezeigt. „Hier zahle ich gerade mal 1,84 Euro“, meint der 52-Jährige. Aber: Er komme nicht nur zum Tanken. Er kaufe auch Wein, Käse und Lebensmittel im zur Tankstelle zugehörigen Supermarkt an. So machen es wohl die meisten der Autofahrer, die aus Deutschland ins Elsass fahren – auch an der Tankstelle mit Supermarkt in Scheibenhard bei Lauterbourg.

Hier ist der Sprit jedoch ein wenig teurer als in Seltz. „Wir kommen aus Karlsruhe-Knielingen. Wir sind in 20 Minuten in Lauterbourg, das lohnt sich dann schon. Aber wir kaufen auch ein. Kaffee ist viel billiger, die Auswahl an Käse ist riesig. Es ist ja auch ein Hauch exotisch, in Frankreich zu shoppen“, meint das Pärchen unisono. Sie denken, dass die Politik die Menschen in Deutschland viel zu lange alleinlässt. „Die diskutieren bei uns noch über Mobilitätsgeld und ähnliches, während in Frankreich gehandelt wird. Klar, Macron macht das vermutlich nicht ganz uneigennützig. Aber das ist meinem Portemonnaie ja egal“, sagt der Mittvierziger achselzuckend.

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