Karlsruhe Repair-Café scheitert an Haftungsfrage
Das 2015 in der Bürgerecke in Neustadt-Branchweiler gestartete Repair-Café hat seinen Betrieb eingestellt, obwohl die Nachfrage groß war und es genug Helfer gab. Gescheitert ist es an der Frage der Haftung bei der Reparatur von Elektrogeräten – und an einem Neustadter, der die Behörden mehrfach schriftlich auf das Haftungsproblem aufmerksam machte.
„Es lief gut, die Nachfrage ist gestiegen, und wir hatten auch mehrere ehrenamtliche Helfer“, berichtet die in der Bürgerecke tätige Diplom-Pädagogin Judith Hogen. Einmal pro Monat wurde zum Repair-Café mit Kaffee und Kuchen in die Bürgerecke eingeladen. Wie Hogen berichtet, wurde der Café-Betrieb von Menschen mit Behinderung organisiert und der Kuchen meist von Bewohnern des Stadtteils Branchweiler gebacken. Etwa 20 bis 30 Besucher seien zu den Treffen gekommen, einige nur zum Plaudern, aber viele hätten etwas dabei gehabt, das repariert werden sollte. Zwar werden in Repair-Cafés alle Gegenstände des Alltags repariert, doch hätten die Besucher vor allem Elektrogeräte und Fahrräder gebracht. „Leute, die nicht viel Geld haben, haben meist ältere Elektrogeräte, an denen öfter mal was kaputt geht“, so Hogen. „Und wie wohl jeder aus Erfahrung weiß, ist es schwierig, jemand zu finden, der Elektrogeräte repariert“, sagt Bürgermeister und Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer. Mixer, elektrische Nähmaschinen, Toaster, Küchenmaschinen und Computer nennt Hogen als einige Geräte, die in die Bürgerecke gebracht wurden. Grundsätzlich ist die Idee der Repair-Cafés, dass die Besitzer der Geräte mit Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer ihre kaputten Gegenstände selbst reparieren. Doch nicht jeder sei dazu in der Lage, und gerade bei kleineren Defekten sei es oft einfacher, wenn die Helfer diese selbst beheben, sagt Hogen. Generell muss jeder, der im Repair-Café etwas wieder in Ordnung bringen lassen will, eine Erklärung unterschreiben, dass eine Haftung ausgeschlossen ist. Für elektrische Geräte gelten in Deutschland jedoch strenge Vorschriften. Im Prinzip müsste jede Reparatur von einer Fachkraft durchgeführt oder beaufsichtigt werden. Und nachdem der Defekt behoben ist, müsste diese Fachkraft die Sicherheit des Geräts überprüfen – sie trage dann auch die Haftung, erklärt Röthlingshöfer. Darauf habe ein „sehr aufmerksamer Bürger“ in mehreren Schreiben an Aufsichtsbehörden bestanden. „Wir haben händeringend jemand gesucht, der das übernimmt“, so Röthlingshöfer. Er habe mit Inhabern von Elektrobetrieben, Elektrikern und den Stadtwerken gesprochen; auch Hogen habe sich überall erkundigt. „Doch die Aufgabe kann eigentlich niemand bewältigen“, sagt Röthlingshöfer. Angesichts der Vielfalt elektrischer Geräte, vom Toaster bis zum Computer, gebe es kaum jemanden, der sich mit allem auskennt. Zudem sei das Haftungsrisiko niemandem zuzumuten. Hogen berichtet, dass sie mit dem Netzwerk Reparatur-Initiativen und anderen Repair-Cafés Kontakt hatte, bisher sei noch keine andere Einrichtung mit dieser Forderung konfrontiert worden. „Aufgrund der Aktion des Neustadter Bürgers haben wir jetzt nicht mehr die Flexibilität, die andere Repair-Cafés anscheinend haben“, sagt Röthlingshöfer. Er und Hogen bedauern, dass die sehr sinnvolle Einrichtung eingestellt werden musste. Das gelte auch für die Besucher und Helfer. Falls sich doch noch eine Elektro-Fachkraft finden sollte, solle das Repair-Café wiederbelebt werden.