Linkenheim-Hochstetten
Regelwirrwarr schreckt in Gastronomie Gäste ab
Per Telefon meldet sich so mancher Gast bei Cornelia Roth. Tisch reservieren ist dabei das eine. Die derzeit geltenden Corona-Regeln abzufragen das andere. „Spontan essen gehen ist für viele schwierig geworden“, sagt Roth, die zusammen mit ihrem Mann Werner Roth das Restaurant Insel Rott am Rhein betreibt. Die Landzunge in den Rheinauen ist ein beliebtes Ausflugsziel und liegt in Baden-Württemberg.
Negatives Ergebnis mitbringen
Eine häufige Frage der Gäste: „Muss man eigentlichen negatives Schnelltestergebnis mitbringen“. Mitunter etwas zeitaufwendig gibt Cornelia Roth dann Auskunft. Allem Anschein nach wird Baden-Württemberg vorerst an seiner erweiterten Regel festhalten, wonach Geboosterte und frisch vollständig Geimpfte und Genesene – das heißt nicht länger als drei Monate zurückliegend – keinen aktuellen Corona-Test beim Besuch der gastronomischen Innenräume vorlegen müssen. Viele wissen das aber nicht. Vor allem, wer auf der linksrheinischen Seite in Rheinland-Pfalz wohnt. „Das Regelwirrwarr nervt alle“, kommentiert Roth, die aber grundsätzlich erstmal froh ist, dass man rechtsrheinisch auf den Testnachweis bei Geboosterten verzichtet.
Die Hälfte der Tische und Stühle landeten im Keller
Denn jene Regelung „Testnachweis für alle“ galt im vergangenen Dezember auch in Baden-Württemberg, was für das seit 1958 bestehende Traditionsrestaurant einer Katastrophe gleichkam. Die Roths ahnten es: Nur ganz wenige Gäste werden bereit sein, vor ihrem Restaurantbesuch einen Schnelltest durchzuführen. Viele Gäste werden deshalb erst gar nicht kommen. Vor allem Familien mit mehreren Kindern im Jugendalter, die ansonsten gern auf Insel Rott vorbeischauen, werden ausbleiben. Darum schloss im Dezember der Restaurantbetrieb, die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt. „Die Entscheidung war richtig“, so Cornelia Roth, „denn die Umsatzzahlen waren die Tage unmittelbar davor komplett eingebrochen.“ Finanzielle Hilfen wie beim Lockdown gab es nicht.
Die Gastronomie muss gegenwärtig eng kalkulieren. Normalerweise passen jenseits von Corona ins Restaurant 180 Gäste. Vor nunmehr zwei Jahren haben die Roths die Hälfte der Tische und Stühle in den Keller getragen, um den Abstandsregeln zu entsprechen. Seitdem haben etwa 90 Gäste Platz. Da heißt es rechnen, wenn Frische und Qualität das Markenzeichen der Speisenkarte ist. Werner Roth ist Berufsfischer und holt Barsch, Zander und Hecht aus dem Rhein. Der Süßwasserfisch kommt dann im Restaurant auf den Teller. Man speist auf Insel Rott gut und gepflegt. Eine Bewirtschaftung draußen ist in den kalten Wintermonaten deshalb keine Option.
Auch beim Hochwasser musste die Insel Rott schließen
Erst im Sommer hatte das Restaurant während des Hochwassers für vier Wochen den Betrieb einstellen müssen. Dass es aufgrund des Omikron-Virus nochmals so schwierig weitergehen würde, ahnte damals niemand. Seit Mitte der ersten Januarwoche haben die Roths jetzt wieder geöffnet. Den großen Ansturm von Gästen gab es zwar nicht. „Wir sind aber nicht unzufrieden“, so Cornelia Roth. Sieben der insgesamt 14 Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit. Glücklich ist sie, dass seit Beginn der Pandemie niemand entlassen werden musste. Cornelia Roth hofft, dass die verschärften Regeln nicht wiederkehren. In Rheinland-Pfalz gelten sie ja seit Dezember nach wie vor. Für grenznahe Pfälzer dürfte Insel Rott deshalb dieser Tage nicht uninteressant und ein ganz anderer Test spannend sein: Mal ausprobieren, ob der Fisch drüben genauso gut schmeckt?