Karlsruhe Plaudereien in der Pause

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Bei der Filmreihe „Kino ohne Grenzen“ des Karlsruher Kinos „Kurbel“ steht der Austausch mit Flüchtlingen aus den jeweiligen Filmländern im Vordergrund. In der Mitte jedes Films wird eine Gesprächspause eingelegt.

Eine Unterbrechung in der Mitte eines Kinofilms ist eigentlich ein Relikt aus vergangenen Zeiten und wurde früher vor allem zum Wechsel der Filmspulen an den Projektoren benötigt. Im Karlsruher Kino „Kurbel“ werden bei Filmvorführungen der Reihe „Kino oder Grenzen“ aber auch heute wieder Pausen eingelegt. Bei den 20-minütigen Unterbrechungen können sich die Filmfreunde bei kostenfreien Knabbereien und Früchtepunsch über ihre Eindrücke unterhalten. In der Pause der libanesischen Komödie „Ghadi“ über den Kampf einer Familie um die Rechte ihres behinderten Sohnes unterhält sich Informatikstudent Benjamin Lüpp auf Englisch mit zwei jungen Flüchtlingen aus dem Libanon. „Seit über einem Jahr sind Flüchtlinge in Deutschland das beherrschende Thema“, sagt Benjamin Lüpp, „aber im Alltag gibt es nur wenig Berührungspunkte und man hat kaum Gelegenheit, sich mit den Menschen aus anderen Ländern einmal ungezwungen zu unterhalten.“ Im Dezember startete die Reihe mit dem iranischen Film „Tickets“ über eine Zugfahrt durch Europa. Seither wurde jeden Monat ein ausgewählter ausländischer Film in Originalsprache mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. „Das Konzept ist bisher sehr gut aufgegangen“, freut sich Organisatorin Sophie Burger vom genossenschaftlichen „Kurbel“-Kino. Regelmäßig kämen bis zu 120 Besucher zu den Filmvorführungen. Die Flüchtlinge aus den jeweiligen Filmländern werden von Mitarbeitern des Caritasverbands und des Diakonischen Werks in den Gemeinschaftsunterkünften gezielt angesprochen und für einen Kinobesuch begeistert. „In einer Filmpause hat man einfach sehr schnell das passende Gesprächsthema“, lobt Christa Hetzel das Konzept. „Ghadi“ war nach dem afrikanischen Film „TGV Express“ über einen Road Trip durch Senegal bereits ihr zweiter Besuch im grenzenlosen Kino. Und Abschweifen ist durchaus erlaubt, weiß Hetzel aus eigener Erfahrung: Nach „TGV Express“ habe sie sich mit Frauen aus dem Senegal über Kochrezepte unterhalten. „Bei Filmen aus englischsprachigen afrikanischen Ländern geht das Konzept am besten auf“, hat Sophie Burger herausgefunden. „Da gibt es nämlich fast keine Sprachbarrieren.“ Auch bei iranischen Filmen funktioniere die Kommunikation dank einiger in Karlsruhe lebender Iraner normalerweise „sehr gut“. Bei Streifen aus dem arabischen Raum müssten dagegen Dolmetscher eingesetzt werden. Ende des Jahres läuft die Förderung für die Reihe zwar aus, aber Sophie Burger ist guter Dinge, dass die nötigen Mittel aufgebracht werden können. „Das Thema wird uns schließlich auch noch in den kommenden Jahren beschäftigen“, sagt Burger, „und die guten Gespräche mit den Menschen aus anderen Ländern sind ein wichtiger Beitrag zur Integration.“ Die Pausen in der Filmmitte gibt es übrigens erst seit dem dritten Film der Reihe. „Anfangs sind die Leute direkt nach den Filmen nach Hause gegangen“, begründet Burger diesen Schritt. „Doch nun wird bis zur Fortsetzung rege miteinander geplaudert.“ Info Am 13. Oktober gibt es in der Reihe „Kino ohne Grenzen“ die serbische Tragikkomödie „Parada“ um einen verliebten, homophoben Kriegshelden. Am 31. Oktober werden zu Halloween die drei Horrorfilme „A girl walks home alone at night“, „What we do in the shadows“ und „Cats or bats“ gezeigt. Beginn ist jeweils um 19 Uhr im Kino „Kurbel“ in der Kaiserpassage. |ekki

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