Karlsruhe Opulentes Grab

Das Denkmal am Karlsruher Hauptfriedhof erinnert an Karl Drais.
Das Denkmal am Karlsruher Hauptfriedhof erinnert an Karl Drais.

Es war ein Leben, das einst vielversprechend begann: Fast der gesamte badische Hof – Markgraf samt Erbprinz – war versammelt, als der kleine Karl Friedrich Christian Ludwig von Drais zu Sauerbronn am 29. April 1785 das Licht der Welt erblickte. Karl Drais, der 1817 die erste Laufmaschine der Welt präsentierte und damit in ganz Europa bekannt wurde, blieb der große Erfolg zu Lebzeiten jedoch versagt. Von Gegnern verfemt, später sogar seiner Adelstitel beraubt, war er zeitweilig sogar nach Brasilien ausgewandert. Der Geburts- und auch Sterbeort Karlsruhe war jedoch immer wieder ein Fixpunkt in seinem unsteten Leben. Erst lange nach seinem Tod wurde ihm die Ehre zuteil, die seiner Erfindung – dem Laufrad – nach einhelliger Expertenmeinung gebührt. Als die ursprüngliche Grabstätte aufgehoben und 1891 seine Umbettung auf den neuen Hauptfriedhof vollzogen wurde, kamen Delegationen der neu gegründeten Radfahrvereine aus dem gesamten Deutschen Reich nach Karlsruhe. Ziemlich exakt 40 Jahre nach seinem Ableben in bescheidenen Verhältnissen mit 66 Jahren, am 10. Dezember 1851. Das opulente Grabmal auf dem Hauptfriedhof, das bis heute gepflegt wird, zeigt eine Büste von Drais mit dem zu Zeiten der Revolution 1848/49 typischen „Tschako-Käppi“ der Bürgerwehren. Das einst für das Grabmahl gespendete Geld reichte sogar noch für ein Denkmal, das 1893 aufgestellt wurde – ursprünglich am Ettlinger Tor, heute in der Beiertheimer Allee. Tatsächlich verbrachte Drais jedoch nur einen kleinen Teil seines Lebens in der Fächerstadt. Zwar war Erbprinz Carl Friedrich, der spätere Großherzog, sein Taufpate. Doch später entfremdete sich der Zögling, befördert durch Intrigen der badischen Beamtenschar, zusehends vom Hofstaat. Schon fünf Jahre nach seiner Geburt erkrankte sein Vater an Epilepsie und wurde deshalb nach Kirchberg, auf einen ruhigeren Posten im Hunsrück, versetzt. Teile der Kindheit und Schulzeit verbrachte der junge Karl Drais in Gernsbach und Durlach. Schon früh, ab 1800, kam er nach Pforzheim und verbrachte die Zeit zwischen 1803 und 1808 mit dem Studium an der Universität Heidelberg und am Forstlehrinstitut seines Onkels in Schwetzingen. 1809 war er, nach bestandener Prüfung als Forstinspektor, kurzzeitig beurlaubt nach Karlsruhe. Doch schon 1811 zog es ihn ins zurück ins Haus seines Vaters, der seit 1810 in Mannheim lebte. Dort entstanden die ersten seiner Studien – einer Musikmaschine und der vierrädrigen Fahrmaschine, letztere konnte er sogar 1814 auf dem Wiener Kongress vorstellen. Alsbald entstanden erste Pläne für die Laufmaschine, deren „Jungfernfahrt“ auf den 12. Juni 1817 datiert. Schon im Jahr 1811 war er als Forstinspektor, bei vollen Beamtenbezügen, beurlaubt worden. Mit gerade mal 26 Jahren war er damit sozusagen „Privatier“ geworden. Bis heute halten sich Vermutungen, dies sei erfolgt „weil Drais viel aneckte“. Ab 1818 durfte er sich Professor der Mechanik nennen. In der Folgezeit entwickelte Drais viele weitere Dinge: Darunter eine Kochmaschine, eine Schreibmaschine, eine Schienendraisine und eine Kutsche, bei der Pferde schoben statt zogen. Das Jahr 1821 brachte für den Erfinder einen markanten Einschnitt. Sein Vater Karl Wilhelm, Richter am badischen Hofgericht, war an der Hinrichtung des Burschenschaftlers Karl Ludwig Sand beteiligt. Für den Sohn Karl Drais bedeutete das fortan Häme und Mobbing durch Demokraten und Republikaner. Ab 1822 verbrachte Drais auf Anraten des Vater fünf Jahre als Geometer in Brasilien. Bald nach der Rückkehr ließ der neu ins Amt gekommene Großherzog Carl Friedrich Drais„ Pension kürzen“. Drais führte einige Prozesse gegen Komplotte am Hof, sah sich in der Zeit zwischen 1831 und 1851 fast „nur noch von Feinden umringt“, wie Biograf Hans-Erhard Lessing vermerkt. Anhaltendem Rufmord folgte 1837 ein tätlicher Angriff mit einem Feuerspritzenrohr, den er aber überlebte. Wegen neuer Morddrohungen zog er 1839 zeitweilig nach Waldkatzenbach/Odenwald. 1845 kam er wieder zurück nach Karlsruhe: „wechselnd wohnend bald in der Zähringer Straße, bald in der Schlachthausstraße“, wie sein Biograf vermerkt. Dabei unterstützt von den in Freiburg lebenden Geschwistern. 1849 schloss er sich, öffentlich verlautbart in Anzeigen der „Karlsruher Zeitung“ den Aufständischen an, wollte fortan nur noch „Bürger Karl Drais“ genannt werden. Erst 13 Jahre nach seinem Tod erlebte seine Erfindung, das Zweirad, eine neue Blütezeit: Die „Velocipèdes“, wie man sie anlässlich der Weltausstellung in Paris inzwischen nannte, hatten jetzt Tretkurbeln eingebaut. Und in Deutschland schossen in der Zeit nach 1870/71 überall Radfahrvereine aus dem Boden. Die Zweiräder waren nicht mehr wegzudenken.

x