Karlsruhe
Neue Moschee soll noch dieses Jahr fertig werden
Seit 2012 hegt die „Türkisch Islamische Gemeinde zu Karlsruhe“ Pläne eine eigene Zentral-Moschee zu bauen. Lange gab es darum politischen Streit, der einst sogar zum Thema in einem OB-Wahlkampf sowie bei einer Kommunalwahl wurde. Seit 2019 hat die Gemeinde eine Baugenehmigung vorliegen – seit Sommer 2021 wird gebaut: Der Standort liegt an der Käppelestraße, in der Oststadt von Karlsruhe und unweit von einem großen Baumarkt und einem Bio-Markt.
Die Planer für den „Merkez Camii Külliyesi“, wie es die türkischen Mitbürger nennen (übersetzt: „Zentraler Moscheekomplex“) mussten jedoch Einschränkungen hinnehmen. So misst etwa das Minarett jetzt 28 statt ursprünglich angestrebter 35 Meter und die lichte Höhe der Kuppel im Obergeschoss wird einmal 17 Meter haben. Dafür endet mit der Genehmigung aber eine jahrelange Diskussion um das Vorhaben. Anders als etwa im benachbarten Bretten, wo 2015 ein eigentlich schon fest beschlossener Moscheebau bis auf weiteres „beerdigt“ wurde. Auch in Germersheim bleibt der 2016 gestartete Moscheebau weiterhin eine Hängepartie.
Etwa zehn Millionen Euro
Auf dem Gelände in der Käppelestraße ist derzeit ein Gebäude im Entstehen, das neben Kuppel und Minarett auch durch eine moderne Fassade mit viel Glas bestechen soll. In der neuen Moschee wird dann im Gebetsraum für 700 Gläubige Platz sein, weitere Versammlungs- und Begegnungsräume sind vorgesehen. Der Gebetsraum hat eine Fläche von 740 Quadratmetern. Ein Kindergarten ist in dem Gebäude ebenso vorgesehen sowie ein Bildungs- und Kulturzentrum, das etwa 605 Quadratmeter misst. Im Frontbereich zur Straße hin sollen Bäcker, Metzger und Friseure einziehen.
Nihat Kilicer und Ömer Erdönmez sind sich beide einig: „Das ist eine Gebäude für alle Karlsruher, ein Haus das bislang fehlte in der Stadt.“ Beide sind engagierte Mitglieder der „Türkisch Islamischen Gemeinde zu Karlsruhe“. Kilicer, ein ortsansässiger Bauunternehmer, ist verantwortlich für die bauliche Umsetzung. Erdönmez ist langjähriges Mitglied des Vorstands der Gemeinde. Der Rohbau sollte schon im Dezember fertig werden, doch wegen Verzögerungen – auch aufgrund der allgemeinen Situation im Bausektor – wird das Richtfest nun Mitte März stattfinden.
Die Silhouette des Baus, die schon erkennbar ist und das zu zwei Dritteln hochgezogene Minarett, wecke viel Neugier, ist Kilicer überzeugt. Derzeit wird die Kuppel des Gebetsraumes fertiggestellt, im Inneren sind noch die Holzschalungen sichtbar. Dafür, so sagt der Bauunternehmer, sei ein österreichischer Spezialist mit eingebunden , der auch schon in Dubai entsprechende Kuppelbauten erstellt habe. Für das Minarett, das im Moment noch verhüllt ist, seien insgesamt sieben Vorschläge eingegangen, ergänzt Ömer Erdönmez. Die Gemeinde entschied sich bei einer Abstimmung mit 90 Prozent der anwesenden Mitglieder „für ein traditionelles Minarett“.
Unter den aktuell etwa 600 Mitgliedern der türkisch-islamischen Gemeinde sind auch Handwerker. Einige Gewerke wolle man „mit viel Eigenleistung“ erstellen, sagt Nihat Kilicer. Noch hoffen die Gemeinde-Mitglieder, dass die Summe von zehn Millionen Euro, die der Bau am Ende kosten könnte, damit unterschritten werde. Fertig werden soll das Gotteshaus, das zugleich ein Gemeindezentrum wird, voraussichtlich bis Ende dieses Jahres. Durch die Kritik und die öffentliche Diskussion der vergangenen Jahre sei die Planung „insgesamt drei Mal verändert worden“, erzählt Ömer Erdönmez. Das habe Zeit und Geld gekostet. Es werde ein „Gemeindezentrum für alle Karlsruher entstehen“, sagt Erdönmez. Und Nihat Kilicer ist überzeugt: „Jeder ist glücklich mit dem jetzigen Stand“.
Moscheen in anderen Städten
Die Yavuz Sultan Selim Moschee in Mannheim wurde zwischen 1993 und 1995 im Stadtteil Jungbusch erbaut. Sie gilt als die zweitgrößte türkisch-islamische Moschee in Deutschland, birgt einen reich verzierten Gebetssaal und wird überragt von dem 32 Meter hohen Minarett. Sie ersetzte einst einen Gebetssaal in einem Hinterhof im Quadrat G7. Noch größer ist nur die DITIB-Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh. Die Fatih-Moschee (deutsch „Eroberer-Moschee“) in Pforzheim als „Kuppelmoschee“ hat ein 23 Meter hohes Minarett und einen Gebetssaal für 750 Personen. Diese war 1992 als erste Moschee in Baden-Württemberg fertiggebaut. Der Moscheeverein „Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion Pforzheim e.V.“ ist im Dachverband DITIB organisiert. Im Vorfeld des Baus gab es heftige emotionale Diskussionen. Im Jahr 2016 gab es in Germersheim den ersten Spatenstich mit Legung des Grundsteins zum Bau der DITIB-Moschee – 2018 kam es zu einem Baustopp und der Aufhebung der Baugenehmigung.
Der Moscheebau sieht zwei Minaretten vor, deren Höhe jeweils knapp 16 Metern beträgt. Seit Juni 2022 ist eine weitere Klage beim Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße anhängig – und nicht entschieden. In anderen Städten diesseits und jenseits des Rheins, wie Ettlingen, Rastatt oder Baden-Baden, haben türkisch-islamische Moscheevereine Gebetsräume in früheren Gewerbebauten eingerichtet. Insgesamt gibt es im Bereich der Stadt Karlsruhe etwa ein Dutzend Moscheen – betrieben und unterhalten von unterschiedlichen islamischen Verbänden.