Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Güterzugtrasse in Pfalz weiter möglich

Wenn Güter nicht mit dem Lkw auf den Straßen rollen sollen, bedarf es neuer Trassen, um den Transport zu gewährleisten.
Wenn Güter nicht mit dem Lkw auf den Straßen rollen sollen, bedarf es neuer Trassen, um den Transport zu gewährleisten.

Wo werden die Züge rattern? Bei der Suche nach der optimalen Trasse für eine neue, zweigleisige Güterzugstrecke zwischen Mannheim und Karlsruhe sind jetzt noch 20 „durchgehende Linienvarianten“ in der Auswahl. Anfang Juni waren es noch 50. Strecken auf der pfälzischen Rheinseite sind weiter im Gespräch.

Bis auf der bevorzugten Trasse tatsächlich Güterzüge von Rotterdam nach Genua rollen, wird es wahrscheinlich noch rund zwei Jahrzehnte dauern. Als Baubeginn wird, vorsichtig geschätzt, Mitte des nächsten Jahrzehnts anvisiert. Nun werden erst einmal Linienvarianten gesichtet. Anfang Juni waren es noch 50, jetzt sind es noch 20. Im nächsten Schritt soll deren Zahl auf 15 verringert werden und in gut einem Jahr, so hoffen die Planer, soll mit einer finalen Trassenvariante ins Raumordnungsverfahren gegangen werden.

Nur eine durchgängige linksrheinische Variante

Waren Anfang Juni noch vier durchgängig linksrheinische Korridore als mögliche Trassen benannt worden, so ist es im Moment nur noch einer. Die drei Varianten, die über Landau geführt hätten, wurden ebenso zurück gestellt, wie insgesamt sechs der bisher neun rheinquerende Varianten, die die Südpfalz zwischen Mannheim und Germersheim durchqueren würden, durchweg beginnend mit einem Tunnel unter Mannheim und Ludwigshafen.

Übrig geblieben ist komplett linksrheinisch lediglich noch eine Trasse entlang der B9 bis Wörth und dann weiter nach Karlsruhe. Hierbei wäre auch auf Karlsruher Gemarkung ein langer und damit teurer Tunnel nötig.

Drei rheinquerende Korridore weiter möglich

Ob dies zum Ausschlusskriterium wird, bleibt aber abzuwarten, denn inzwischen fordert Karlsruhe auch bei anderen Trassenvarianten Tunnelbauwerke unter der Stadt hindurch. Rheinquerend sind noch drei Korridore übrig, die nördlich von Speyer, beziehungsweise nördlich von Germersheim/Lingenfeld den Rhein queren würden. Hinzu kommen 16 durchgehend rechtsrheinische Trassenkorridore. Angemerkt werden muss, dass die Planungskorridore im Moment noch 1000 Meter breite Trassen sind, die erst im weiteren Verfahrensverlauf genauer eingegrenzt werden.

Diese Pläne bewegen auch die Kommunalpolitik auf Pfälzischer Seite. So hatte der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile (CDU) zusammen mit der Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) Informations- und Abstimmungsgespräche mit Bürgermeisterinnen und Vertretern der Kommunen, die von den zur Auswahl stehenden Trassenkorridoren unmittelbar betroffen sind, initiiert.

In Karlsruhe trafen sich gestern rund 80 Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Kommunalpolitik, Organisationen, Regionalverbänden und Interessenverbänden zum 7. Dialogforum – übrigens erstmals analog – um die neuesten Erkenntnisse zu diskutieren. Immerhin handelt es sich beim Bahnprojekt Mannheim – Karlsruhe um eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben im Südwesten der Republik. Hier muss die Lücke geschlossen werden, zwischen der in Bau befindlichen Trasse von Karlsruhe nach Basel im Süden, sowie jener zwischen Mannheim und Frankfurt im Norden. Im eng besiedelten Raum zwischen Mannheim und Karlsruhe eine Sisyphus-Aufgabe.

Tunnel und Brücken gelten als Kostentreiber

Seit Anfang 2021 versucht die Bahn deshalb viele Partner möglichst früh einzubinden, um Probleme bereits im Vorfeld identifizieren und Lösungen finden zu können. Grundlage der Suche ist eine sogenannte „Raumwiderstandsanalyse“. Dabei werden Belastungen für Mensch und Umwelt, technische Parameter, wie komplexe Ingenieursbauwerke oder Abstände zu Wohnbebauung und Autobahn, gegeneinander abgewogen. Tunnel und Brücken gelten dabei als Kostentreiber, die den Kostenrahmen sprengen könnten.

Wichtig ist zudem die Anbindung ans bestehende Netz, um eine möglichst hohe Flexibilität und damit die optimale Nutzung erreichen zu können. In diesem Zusammenhang spielt auch der Güterverkehr in Richtung Stuttgart eine gewichtige Rolle.

Ab Montag Infos im Container

Sobald die Zahl der möglichen Trassen auf 15 reduziert wurde, soll es in einen vertiefenden Variantenvergleich gehen, bei dem Schutzgüter wie Mensch, Luft und Klima, Natur- und Artenschutz, Land- und Forstwirtschaft, der Wasserhaushalt und dergleichen mehr gewichtet werden. Auch die voraussichtliche Bauzeit und die Beeinträchtigungen des Verkehrs auf dem Bestandsnetz sowie auf Straßen muss berücksichtigt werden. Nicht zuletzt geht es auch um eine möglichst kurze Trasse, um die Fahrzeiten zu verringern.

Anfang kommender Woche wird auf den Bahnhofsvorplatz in Karlsruhe ein Info-Container eröffnet, in dem sich alle Interessierten über den Planungsstand und die Methodik informieren können.

Termine können dann online unter www.mannheim-karlsruhe.de/buergerdialog reserviert werden.

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