KARLSRUHE
Nachfrage an Mietautos steigt wieder
Seit ihrer Gründung sitzt die Firma Stadtmobil im Erdgeschoss eines Gründerzeithauses in der Oststadt. Man wollte schon längst umziehen. Größer, moderner und zentraler hätte es sein sollen. Doch dann kam Corona. „Wir können es uns auf unbestimmte Zeit nicht vorstellen, diesen finanziellen Aufwand zu stemmen“, sagt Marketingleiterin Anja Orth. Viele Mitarbeiter arbeiten derzeit im Homeoffice.
Erfolgsgeschichte eines Nischenprodukts
Ansonsten war bei Stadtmobil ja alles in Ordnung. In der Zeit der Gründung im Jahr 2010 galt Carsharing noch als „Nischenprodukt“, erinnert sich Orth. Was speziell in Karlsruhe daraus wurde, kann sich sehen lassen. Schon seit Jahren gilt Stadtmobil unter Einbeziehung aller Großstädte über hunderttausend Einwohner als erfolgreichster Anbieter seiner Art in Deutschland. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die bei den Kunden sowohl den regionalen wie den überregionalen Bedarf abdeckt: Ob es um den wöchentlichen Großeinkauf, den Transport der Kinder zum Sport, die Geschäftsfahrt oder sogar die Reise in den Urlaub geht.
Im Sommer hatten sich alle Zahlen schon wieder erholt, auch wenn es laut Orth bei den Kunden im Urlaub „nicht nach Südspanien“ ging. Generell verzeichne man bei Stadtmobil die besten Zahlen rund um die Ferienwochen und Feiertage. Und man gehe auf die Kundenwünsche und - Vorschläge ein.
Nachfrage an E-Autos steigt weiter
Ein solcher war zum Beispiel die Verfügbarkeit eines Elektroautos der Firma Tesla. „Wir haben lange darüber diskutiert und uns am Ende dafür entschieden. Der Erfolg war unglaublich. Wir hatten und haben kein Auto, das derart rund um die Uhr gebucht wurde und wird wie dieses“, freut sie sich.
Inzwischen habe man sechs Tesla-Fahrzeuge und denke an die Anschaffung eines weiteren. Dagegen lässt man den allgemeinen Boom der E-Roller, Leih- und Lastenfahrräder bewusst an sich vorüberziehen. Orth: „Von außen sieht es so aus, als würde das alles sehr gut zusammenpassen. Und wir haben uns darüber tatsächlich immer mal wieder Gedanken gemacht. Aber Lastenräder wären zum Beispiel ein reines Nachhaltigkeitsprojekt, für das es keine Wirtschaftlichkeit gibt.“ Dies gelte ebenso für E-Roller.
Alles in allem stehe man wegen Corona „definitiv nicht vor dem wirtschaftlichen Bankrott. Auch den Fuhrpark von rund 1000 Fahrzeugen wollen wir aufrechterhalten und planen weiterhin mit Wachstum.“ Derzeit verfüge man über 916 Fahrzeuge an 212 Stationen, dazukämen 140 „stadtflitzer“ ohne feste Station. Trotz allem fällt ihr Blick in die Zukunft also nicht negativ aus: „Zuversicht wäre das falsche Wort. Aber wir hoffen, dass sich der Rückgang im zweiten Lockdown in Grenzen halten wird und in einem Bereich bleibt, in dem wir alles auffangen können.“ Die Signale der Kunden seien positiv, die Zahl der Neuanmeldungen steige seit Sommer an.