Rheinmünster RHEINPFALZ Plus Artikel Letzte Landung des Fiat-Oldies

Ankunft am Baden-Airpark.
Ankunft am Baden-Airpark.

Nicht nur in Speyer und in Sinsheim können legendäre Flugzeuge in den Museen besichtigt werden. Mit Besonderheiten wartet auch das Deutsch-Kanadische Luftwaffenmuseum auf dem Baden-Airpark auf, das mit zahlreichen Exponaten an die Zeit des ehemaligen Militärflugplatzes Söllingen erinnert.

Zum 20. Geburtstag des Museums machte sich der Verein ein Geschenk und holte sich die Fiat G-91 von Airbus aus München nach Rheinmünster. Die Fiat-G91, deren bewegte Geschichte im Jahre 1963 in der Flugwerft der Firma Dornier-Heinkel-Messerschmitt begann, setzte vor wenigen Wochen zur „letzten Landung“ auf dem Baden-Airpark an – wenn auch nicht aus den Lüften, vielmehr wurde sie mit einem Transporter angefahren. „Das war eine logistische Herausforderung und hat mich einige Nächte nicht schlafen lassen“, sagte Bernd Potzeldt, zweiter Vorsitzender des Deutsch-Kanadischen Luftwaffenmuseums.

Bereits vor Jahren hatte sich der Verein Gedanken darüber gemacht, die in den 1960er Jahren als Aufklärungsflugzeug der Bundeswehr im Einsatz gewesene Militärmaschine ins Museum zu holen. „Es ist die einzige noch komplett erhaltene Maschine in Deutschland“, hatte damals Vorsitzender Andreas Lehmacher gesagt. In ihrer letzten Verwendung wurde das Flugzeug im Jahre 1982 von Oldenburg nach Manching transportiert und diente dort als Anschauungs- und Übungsobjekt der Lehrlingsausbildung von Airbus. Aufgrund ihres Alters musste der Oldtimer jedoch einem modernerem Flugzeugtyp Platz machen. In den letzten Jahren stand die Maschine abseits und unbeachtet in einem alten Shelter, bis die Mitarbeiter des Deutsch-Kanadischen Luftwaffenmuseums auf dieses Schmuckstück aufmerksam wurden, wie Bernd Potzeldt freudig äußerte.

Donnerstag ist Schraubertag

„Unsere Idee war es, die Maschine mit ihrem entmilitarisierten Triebwerk wieder zu aktivieren, hydraulisch und elektrisch“, so Potzeldt, der mit einem Team von sechs Mann nach Manching gefahren ist. Auch seine Ehefrau Sabine, gelernte Maschinenbautechnikerin, fuhr und schraubte fleißig mit. Die 3,2 Tonnen schwere und 10,20 Meter lange Maschine mit einer Spannweite einschließlich Tragfläche von 8,50 Meter wurde in mehr als 20 Stunden Arbeit zerlegt, Rumpf, Tragflächen, Leitwerk, Seiten- und Höhenlenker abgebaut. Mit einem Schwerlastkran wurden die Teile auf einen Sattelschlepper bewegt und anschließend nach Rheinmünster gefahren. „Es hat alles gerade so drauf gepasst“, erinnerte sich Potzeldt.

Auf dem Baden-Airpark, wo im Flugzeug-Shelter E8 im südlichen Bereich des Flughafengeländes, bereits zahlreiche militärische Flugzeuge der kanadischen und deutschen Luftwaffe wie unter anderen der Lockheed Starfighter F-104 G auf den Neuling warteten, wurde sie mit einem Schwerlastkran in das Museum geschoben. Und wieder machte sich das Team an die Arbeit und baut seit der letzten „Landung“ den Oldtimer wieder zusammen.

„Donnerstag ist immer Schraubertag!“, sagte Potzeldt. „Wir bauen jedes Einzelteil wieder so hin, dass die Maschine im Prinzip flugfähig wäre“, berichtete der zweite Vorsitzende des Museumvereins, der 40 Jahre lang als Kfz-Mechaniker bei der Firma Bosch in Bühl gearbeitet hat und nun Ende Juli in Rente gegangen ist. Er schätzt die Arbeit des Wiederaufbaus der Fiat G-91, die dem Verein als Leihgabe übergeben wurde, auf rund 150 Stunden.

Das Deutsch-Kanadische Luftwaffenmuseum hat sich zum Ziel gesetzt, an die 40-jährige Präsenz der kanadischen Streitkräfte auf dem ehemaligen Militärflugplatz Söllingen, den Verteidigungsbeitrag in der NATO und die enge Verbindung zur Luftwaffe der Bundeswehr zu erinnern. Träger ist der gleichnamige Verein, den Herbert Lienhart ins Leben rief und der sich allein durch Ehrenamt und Spenden finanziert. Heute gehören dem Verein rund 450 Mitglieder an. Geöffnet hat es jeden Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Info

www.airforcemuseumsoellingen.de.

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